Stimme und Körper sind wieder bereit
Tage voller Adrenalin: Schöfwegs Daniel Wenzl glänzt als Verteidiger, Torschütze – und „Vorsänger“

28.05.2024 | Stand 28.05.2024, 3:00 Uhr

Besonderer Moment in der Karriere eines Fußballers: Daniel Wenzl (2.v.l) erzielt in der 118. Minute des Relegationsspiels seines SV Schöfweg gegen Bischofsmais das spielentscheidende Tor. Danach will der Innenverteidiger einfach nur feiern. − Foto: Helmut Müller

Ganz sei das Adrenalin noch nicht abgebaut, das sein Körper in diesem Moment gebildet hat, sagte Daniel Wenzl gestern und lachte, angesprochen auf sein spielentscheidendes Tor für den SV Schöfweg im ersten Relegationsspiel gegen den SV Bischofsmais am Freitag. Vor 1894 Zuschauern in Lalling traf der Innenverteidiger (26) in der 118. Minute zum 2:1. Jetzt fehlt Wenzl und seinen Mitspielern noch ein Sieg zum Klassenerhalt.

Dafür haben die Schöfweger zwei Chancen, aber natürlich wollen sie am Dienstagabend in Auerbach die Spvgg Niederalteich (Anpfff 18.15 Uhr) besiegen, um das große Ziel zu erreichen. So schön die stimmungsvollen Entscheidungsspiele vor großer Kulisse sind, „mir wär’s lieber, wenn am Dienstag Schluss ist und wir ein paar Tage feiern könnten“, sagt Daniel Wenzl.

Der 26-Jährige aus der Gemeinde Langdorf (Lkr. Regen) schnürt seit 2019 die Fußballschuhe für den SV Schöfweg, nimmt seit seinem Wechsel von der Spvgg Kirchdorf-Eppenschlag eine halbstündige Fahrt zu Training und Spielen auf sich. Über seine Cousins Matthias Süß (Ex-Trainer), Martin und Christoph Friedl sei er zum SVS gekommen, erzählt der Verwaltungsbeamte, der auch im landwirtschaftlichen Betrieb des Vaters mitanpackt. Obwohl es zeitlich nicht immer einfach sei, trägt er das rot-weiße Trikot weiterhin. „Ich habe in Schöfweg viele sehr gute Freunde gefunden.“

Präzise Erinnerung an den Glücksmoment



Als Innenverteidiger tritt Daniel Wenzl nicht so oft als Torschütze in Erscheinung, umso mehr freuten sich die Verantwortlichen über das wichtige Tor am Freitagabend. Die Aktion hat der 26-Jährige noch genau im Kopf: „Wir haben vor dem Freistoß ausgemacht, wer wo auf einen Abpraller lauert und dann fällt mir der Ball vor die Füße. Zum Glück war ich schneller als der Gegenspieler – und dann ging das Adrenalin hoch“, erinnert sich Wenzl.

Damit wurden beide Schöfweger Tore am Freitagabend von Innenverteidigern erzielt, denn das frühe 1:0 hatte Simon Schönhofer per Kopf gemacht. „Danach war die Chancenverwertung das große Manko“, gesteht Abwehrspieler Wenzl, der hofft, dass gegen Niederalteich die Offensivspieler mehr Glück beim Torschuss haben. In der regulären Saison hat Schöfweg keines der Direktduelle verloren (1:0, 2:2). „Das hat aber keine Aussagekraft“, meint Wenzl, den am Dienstagabend Zweikämpfe mit einem landesliga-erprobten Stürmer (Marcel Müller) erwarten. „Es wird wieder ein enges Ding, der Wille und die Leidenschaft werden am Ende den Ausschlag geben. Eigentlich liegen uns solche Endspiele schon“, meint der 26-Jährige.

„Die kleinen Wehwehchen sind schnell vergessen“



Natürlich stecken auch ihm die 120 Spielminuten vom Freitag noch etwas in den Knochen. Zumal der Schöfweger Kader geschrumpft ist und die Trainer erst in der 120. Minute wechselten. „Wenn wir am Dienstagabend rausgehen, die tolle Kulisse sehen, dann sind die kleinen Wehwehchen schnell vergessen“, betont Wenzl.

Er hat übrigens auch nach dem Spiel am Freitag alles gegeben – als Vorsänger beim Siegjubel. Seit dieser Saison und dem verletzungsbedingten Abschied als Spieler von „Ce“ Schwankl (jetzt Co-Trainer) übernimmt Wenzl diese „Aufgabe“, ohne Rücksicht auf die Stimme: „Bis Sonntag hat’s gekratzt im Hals, aber am Dienstagabend würd es schon wieder gehen“, meint Daniel Wenzl. Mit Adrenalin im Blut verschieben sich die Grenzen des Körpers eben für ein paar Augenblicke.