Waldkirchen
Stehender Applaus – absolut verdient

Klarinetten-Ensemble begeisterte bei Konzert unter Motto: „Aus Böhmen kommt die Musik“

04.01.2023 | Stand 17.09.2023, 6:14 Uhr
Jutta Poth

Vier Klarinettisten aus Prachatitz präsentierten in der Bischofsreuter Pfarrkirche festliche Musik zum Jahresanfang. −Fotos: Poth

Ein höchst interessantes Erlebnis für die Besucher war das mittlerweile 46. Neujahrskonzert in der Bischofsreuter Pfarrkirche, zu dem der Kulturkreis Freyung-Grafenau zusammen mit der Pfarrei Bischofsreut und der Gemeinde Haidmühle eingeladen hatte. Mit dem Klarinetten-Ensemble aus Prachatitz gab es einen besonderen musikalischen Leckerbissen. Daneben sorgten Sängerinnen der Pädagogischen Mittelschule Prachatitz mit ihren wundervollen Stimmen für viel Beachtung.

Dass die Veranstaltung im Rahmen der Bischofsreuter Konzertreihe stattfinden konnte, ist Alois Seidl vom Kulturkreis zu verdanken. Ihm war es ein Anliegen, in seiner Begrüßung den ehemaligen bereits verstorbenen Bürgermeister Franz Weiboltshamer zu erwähnen. Denn er war es, der 1975 die Neujahrskonzerte ins Leben gerufen hat.

Kirche bis auf den letzten Platz gefüllt

Das tschechische Klarinettenensemble mit Jan Havorka, Petr Chalupski, Tomas Janousek und Vit Neuzil sorgte in der bis zum letzten Platz gefüllten Kirche für einen unvergesslichen Nachmittag. Es verzauberte geradezu die Zuhörer mit warmen, sensiblen, präzisen und energiereichen Bläserklängen. Die Akustik der Kirche erwies sich als ideal.

Wer skeptisch war, ob vier Bläser die ganze Pfarrkirche mit ihrer Musik erfüllen können, weiß das seit dem Neujahrstag. Es funktioniert. Und wie. Stehend zollten die rund 200 Zuhörer dem Ensemble unter der Leitung von Jan Havorka Beifall, der Großartiges aus seinen Topmusikern hervorlockte. Mitgebracht hatten sie Petra Sovova, die mit ihrer ausdrucksvollen Sopranstimme die Zuhörer rührte.

„Aus Böhmen kommt die Musik“ lautete das Motto des Neujahrskonzertes. Passend dazu erklang gleich zu Beginn eine tschechische Komposition von Jiri Voskovec mit „Ezop a Brabrance“. Es verzauberte die Zuhörer mit warmen, sensiblen und präzisen Bläserklängen. Dafür erntete das Ensemble bereits den ersten Applaus. Die abwechslungsreiche Folge der jeweiligen Musikstücke stellte Jan Havork den Besuchern vor und wurde von ihm auch fundiert erläutert. Das Repertoire wurde von einem ausgewogenen Mix von klassischer und weihnachtlicher Musik bestimmt.

Dass es außer Polka auch andere musikalische Stilrichtungen aus Böhmen gibt, konnten die Besucher auch bei dem „Slawischen Tanz Nummer 2“ von Antonin Dvorak ausmachen. Bei der anspruchsvollen Arie aus „Figaros Hochzeit“ von Wolfgang Amadeus Mozart übernahm Petra Sovova den Gesangspart. Sie konnte die Zuhörer mit ihrer klaren Sopranstimme sofort fesseln.

Die Bläser wie auch die Sängerin zeigten hier ihr musikalisches Verständnis, das ein perfektes Zusammenspiel möglich macht. So wurde den Zuhörern die Arie zu einem Vergnügen auf höchstem Niveau geboten. Ebenso beim „Lascio Chio Pianga“ von Georg Friedrich Händel.“ Mit „Marechiare“ von Francesco Paolo Tosti wurden italienische Töne angeschlagen. Hier konnten sowohl die Klarinettisten wie auch die Sängerin die Arie stimmgewaltig und voller Intensivität wiedergeben.

Von Cesar Franck stammt die Arie „Panis Angelicus“, deren Darbietung einen weiteren Höhepunkt des Programms darstellte. Mit ihrer wunderbaren Gesangsstimme setzte Petra Sovova einen weiteren musikalischen Glanzpunkt, der unter die Haut ging. Der stürmische Applaus blieb natürlich nicht aus. Die Bandbreite instrumentaler und gesanglicher Qualitäten offenbarte sich auch bei Antonin Dvoraks tschechischem Volkslied „Kdyz mne stara matka“.

Werke auch von eher unbekannten Komponisten

Die Musiker hatten aber auch Kompositionen von eher unbekannten Komponisten mitgebracht. Wie z. B. von Frantisek Jancik. Ihm widmete das Quartett „Merlon“, mit außerordentlicher rhythmischer Raffinesse überzeugte das Bläserquintett mit dem „Klarinetten-Muckl“. Zum Schluss gab es noch das „Jingle Bells“. Das Publikum applaudierte anhaltend, bis es noch als Zugabe ein mährisches Volkslied bekam.

Es war etwas ganz Besonderes, Anrührendes und zu Herzen gehendes, was dann die Zuhörer vom Prachatitzer Frauenchor zu Hören bekamen. Marcela, Maida, Sabina, Perka und Petra bestachen mit ihren Sopran-, Mezzosopran- und Altstimmen in allen Lagen, insbesondere der erforderlichen Höhe. Es waren teilweise Weihnachts- wie auch volkstümliche Lieder oder Kompositionen aus dem kirchlichen Liedgut, die immer neue Emotionen und Stimmungen hervorriefen und von Jan Hovorka auf der Blockflöte begleitet wurden.

Über ein sehr intensives Arrangement des bekannten Spirituals „Kumbaya“ ging es zum weltbekannten wunderbaren „Hallelujah“ des erst verstorbenen Songwriters Leonhard Cohen bis zum regulären Abschluss mit der tschechischen Volksweise „Ein Vogel fliegt“.

Vor den gemeinsamen Schlussliedern „Kommet ihr Hirten“ und „Stille Nacht, heilige Nacht“, die auf Tschechisch und Deutsch gesungen wurden, ergriff Pfarrer Yohan Injumale das Wort und dankte den Mitwirkenden. Die gut zwei Stunden waren viel zu kurz, gingen wie im Flug vorbei und fast hatte man den Eindruck, als wenn das begeistere Publikum die beteiligten Künstler einfach nicht von der Bühne lassen wollte. Diese wiederum freuten sich, ihrem Publikum ein paar unvergessliche Stunden geschenkt zu haben, von dem es auch viel Lob gab. Ein Besucher: „Ich habe in dieser Kombination noch nie so ein ungewöhnliches Konzert gehört. Es gelang sehr gut, dabei abzuschalten und anzukommen im Neuen Jahr.“ Womit der Sinn des Konzertes erfüllt wurde.

Das tschechische Klarinettenquintett mit Jan Havorka, Petr Chalupski, Tomas Janousek und Vit Neuzil ist seit 16 Jahren mit einem vielseitigen Repertoire in der Musikszene unterwegs. Während ihrer musikalischen Laufbahn hat es an vielen Orten in der Tschechischen Republik und in ganz Europa mehr als 300 Konzerte gegeben und ist mittlerweile Inhaber von 25 Goldenen und drei Silbernen Preisen von Europäische Musikfestivals.