Freyung/Kubova Hut

Mosaiksteine der Freundschaft

Symbolstarke Aktion am Goldenen Steig− Ein gemeinsames Haus mit Steinen diesseits und jenseits der Grenze

06.12.2022 | Stand 06.12.2022, 19:00 Uhr

Bei dem Termin dabei waren neben Bürgermeister Zbyněk Klose (5.v.r.) und Mitarbeitern von Gemeinde und ausführender Firma (hinten) auch aus Waldkirchen Helga Altendorfer-Kristl (vorne v.l.) aus Röhrnbach Bürgermeister Leo Meier mit seiner Mitarbeiterin Katharina Fein, Philippsreuts Bürgermeister Helmut Knaus, Freyungs Tourismuschef Christian Kilger, Bürgermeister Fritz Raab aus Hinterschmiding sowie Projektkoordinator Rudi Mautner von der Grafenauer Agentur Weissraum. −Foto: Agentur Weissraum

Sechs Bürgermeister sammelten Steine aus sechs Gemeinden: Die werden Teil eines Bauwerks, das eine Wegmarke setzen soll. In Kubova Hut wächst derzeit ein Pavillon der Erinnerung und der Verbundenheit.
Das kulturelle Erbe entlang des einstigen Salz-Handelswegs Goldener Steig mit Erinnerung und neuen Kontakten füllen, das ist Ziel einer Idee, die von der Europäischen Union gefördert wird. Was Zeit, Krieg und Eiserner Vorhang zerrissen hatten, das wird seit über drei Jahrzehnten wieder verbunden. Früher schuf der Goldene Steig als Handelsweg Brücken zwischen den Menschen. Diese Route zieht sich immer noch wie eine historische Schnur durch Bayer- und Böhmerwald, die nun mit neuen kulturellen Perlen besetzt wird.
In den deutschen Gemeinden Hinterschmiding und Philippsreut, den Städten Waldkirchen und Freyung und dem Markt Röhrnbach verweisen in Zukunft entlang von Wanderwegen Tafeln darauf, wie dereinst die Salzsäumer ihre schwere, aber wichtige und wertvolle Last in Richtung Böhmen transportierten. In Kubova Hut hatte Bürgermeister Zbyněk Klose eine besondere Idee. Dort werden die historischen Verweise Teil eines offenen Gebäudes, das dadurch auch ein geschützter Begegnungsort wird. Der Platz wird durch Lesesteinmauern begrenzt, wie sie ganz typisch für die Region sind. In der Mitte wird sich dann auch ein architektonisch interessantes Bauwerk befinden, in dem eine Medieninstallation über die Geschichte des Goldenen Steiges informiert.

Natursteine aus einem abgerissenen Haus

Die allermeisten Natursteine stammen dafür aus einem abgerissenen Haus in der Nachbarschaft. Fünf der Steine, die eingebaut werden, haben jedoch die deutschen Projektpartner zur Baustelle geliefert; ein Zeichen der Verbundenheit, um dort mit an einem gemeinsamen „Europahaus“ zu bauen. Auch Moderne kehrt hier ein. Ein tschechischer Künstler zeichnet für das Relief in großen Betonquadern verantwortlich, die wie ein Mosaik aufgestellt den Goldenen Steig beinhalten werden sowie symbolisch Orte, Bäche, Wege und weitere Lebensadern.
Zbyněk Klose begrüßte dazu die kommunalen Partner-Vertreter. Dereinst war sein Ort fast komplett deutsch besiedelt, so berichtete er, bis die Wirren des Weltkriegs den gemeinsamen Böhmerwald zerrissen. Heute gibt es wieder – nach kommunistischer Zeit – ganz kleine kommunale Strukturen in Tschechien. Als ehrenamtliches Gemeindeoberhaupt hat er etwas weniger als 100 Mitbürger, die auf knapp unter 1000 Meter Meereshöhe vor allem eines haben: Wald und Steine und damit wunderbare Landschaft für eine starke touristische Prägung. Von den Gebäuden des Ortes sind ein Drittel einheimisch bewohnt, eines ist gewerblich, öffentlich oder Bahnhof.

Und ein letztes Drittel beherbergt Gäste aus aller Welt; gerade rieselt der Schnee auf die Hänge für die nächste Skisaison. Wenn die Besucher hierherkommen oder am daneben liegenden Bahnhof aus dem Zug steigen, dann werden sie ab März 2023 hier ein Bekenntnis zu gemeinsamer Geschichte und neuen Kontakten finden.

− pnp