Ausbau-Pläne

Skigebiet Mitterdorf: Umdenken angesichts „Nicht-Winter“?

25.01.2023 | Stand 25.01.2023, 17:07 Uhr

Nur vereinzelt finden sich weiße Fleckerl auf der Piste, wie eine Webcam des Skigebiets Mitterdorf am Montagnachmittag vor einer Woche zeigte. An Skifahren ist da und war auch die Wochen davor nicht zu denken. Deswegen fordern Toni Schuberl und Alexander Muthmann, die Ausbau-Pläne neu zu diskutieren. Gestern war die Piste in der Webcam-Ansicht weiß. −Screenshot: som

Der geplante Ausbau des Skigebiets Mitterdorf ist eines der wichtigsten Themen 2023 im Landkreis Freyung-Grafenau. Das 20-Millionen-Euro-Projekt soll angesichts des „Nicht-Winters“ überdacht werden, fordern Toni Schuberl (Bündnis 90/Die Grünen) und Alexander Muthmann (FDP).



Für 2023 haben sich die zehn Fraktionen im Kreistag Freyung-Grafenau viel vorgenommen. Was genau, hat unsere Zeitung die Vorsitzenden Martin Behringer (FW), Toni Schuberl (Bündnis 90/Die Grünen) und Alexander Muthmann (FDP) gefragt. Für sie ist der geplante Ausbau des Skigebiets Mitterdorf eines der wichtigsten Themen 2023 im Landkreis. Das 20-Millionen-Euro-Projekt soll angesichts des „Nicht-Winters“ überdacht werden, fordern Schuberl und Muthmann. Das Ganze „noch mal komplett von vorne aufzurollen“ werde aber schwer, findet hingegen Behringer.

Unabhängig von den großen Projekten: Was möchten Sie heuer im Landkreis FRG erreichen?
Martin Behringer (FW): Wichtig ist mir, dass wir im Landkreis Freyung-Grafenau weiterhin eine gute medizinische Versorgung haben und dabei die bestmögliche Lösung auch für Grafenau finden. Damit auch dieser Bereich weiterhin gut versorgt ist. Und da sind wir bis jetzt auf einem guten Weg. Außerdem müssen wir bestrebt sein, dass der Landkreis auch in diesem Jahr wieder einen stabilen Haushalt aufstellen kann und weiterhin konsequent den Weg der Konsolidierung geht. Gleichzeitig muss aber auch den Gemeinden, Märkten und Städten die nötige Luft für Investitionen erhalten bleiben.
Toni Schuberl (Grüne): Wir wollen im Landkreis die Erarbeitung eines Radwegekonzepts, das nicht nur dem Tourismus dient, sondern auch für Alltags- und Pendelfahrten geeignet ist. Alle Bahnstationen von Waldbahn und Ilztalbahn sollten modernisiert werden, E-Ladestationen für Autos und Räder bereitstellen, barrierefrei sein und moderne Reiseinformationen bieten. Und der Landkreis sollte Künstlerinnen und Künstler fördern, indem er verpflichtend eine feste Quote der Investitionssumme bei Baumaßnahmen für Kunst am Bau verwendet. Dies sind abseits der großen Projekte unsere Ziele in diesem Jahr auf Kreisebene.

Alexander Muthmann (FDP): Die Bundesregierung hat beschlossen, im Lauf des Jahres das 49 Euro-Ticket für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) einzuführen. Auf regionaler Ebene ist es mein Wunsch und ein lohnendes Ziel, dass auch möglichst alle Schülerinnen und Schüler in den Genuss dieses Angebots kommen. Aktuell kriegen diese durch den Schülerbeförderungsanspruch die Fahrten zwischen Wohnort und Schule bezahlt.

Wenn wir nun alle Schüler mit dem 49 Euro-Ticket ausstatten, wären diese jeden Monat auch an den Wochenenden, in den Ferien und deutschlandweit vor allem mit der Bahn mobil. Das wäre ein enormer Gewinn für die Mobilität unseres Nachwuchses im ländlichen Raum.

Finden Sie, dass der Ausbau des Skizentrums Mitterdorf heuer neu diskutiert werden sollte?
Martin Behringer (FW): Sicher kann man hier nochmal diskutieren, aber der Kreistag und auch der Zweckverband Wintersportzentrum Mitterfirmiansreut-Philippsreut hat schon Fakten geschaffen und somit wird es schwer, das Ganze komplett von vorne aufzurollen. Was man sicher noch mal intensiver diskutieren könnte, wäre der Ausbau der Sommernutzung zusammen mit den Verantwortlichen im Tourismus, damit dies auch zum Erfolg führt. Wichtig ist mir auch noch zu betonen, dass Mitterfirmiansreut gerade für den Wintertourismus eine sehr wichtige Rolle in unserem Landkreis und darüber hinaus spielt.

Toni Schuberl (Grüne): Wir Grünen haben als einzige Fraktion im Kreistag gefordert, erst einmal ein Gutachten über die Auswirkungen des Klimawandels auf den Bayerischen Wald zu erstellen, bevor wir 20 Millionen Euro in das Skizentrum Mitterdorf stecken. Dies wurde leider von allen anderen Parteien abgelehnt. Doch diese Forderung bleibt aktuell. Vielen ist nicht klar, was uns bevorsteht. Selbst wenn es die Menschheit schaffen würde, die durchschnittliche weltweite Erwärmung auf 1,5 oder 2 Grad zu beschränken, wird die Erwärmung bei uns in Bayern doppelt so hoch sein, da wir hier ein Kontinentalklima haben. Wir reden also von drei bis vier Grad Erwärmung – aber nur falls die Menschheit die Klimakatastrophe noch rechtzeitig bremsen kann. Wir sind längst in der Krise und müssen alle Bereiche darauf anpassen. Die Beschneiung hochzufahren, ist nicht zukunftsfähig.

Alexander Muthmann (FDP): Unter den Eindrücken des aktuellen Nicht-Winters sollten und müssen wir uns natürlich dieses Millionen-Projekt noch einmal kritisch und im Detail anschauen. Es ist auch richtig und wichtig, in diesem Gesamtkonzept die Ertüchtigung des Skizentrums hin zu einem Sommer- beziehungsweise Ganzjahresbetrieb voranzutreiben, um zum einen für die Einheimischen in punkto Naherholung und zum anderen für die Touristen ein attraktives Angebot zu haben. Damit lassen sich auch die geringeren Betriebstage durch die tendenziell schneeärmeren Winter kompensieren.

Für ist Ihr Wunsch für das noch junge Jahr 2023 für FRG?
Martin Behringer (FW): Mein Wunsch ist, dass unser Landkreis weiterhin attraktiv bleibt, wo sich die Menschen wohlfühlen und engagieren können, wo wieder zahlreiche Investitionen getätigt werden und viele junge Menschen ihren Lebensmittelpunkt finden.
Toni Schuberl (Grüne): Ich wünsche mir für 2023 und darüber hinaus, dass wir über die Grenzen aller demokratischen Parteien hinweg gemeinsam und zuversichtlich an der Zukunft unseres Landes bauen.
Alexander Muthmann (FDP): Ich wünsche mir, dass das ehrenamtliche Engagement in allen Bereichen auch heuer die Wertschätzung erfährt, die es verdient. Die Jugendlichen, Frauen und Männer, die sich hier einbringen, sind das Rückgrat unserer Gesellschaft und haben unseren Respekt und größtmögliche Unterstützung verdient!

Was ist für Sie/Ihre Partei die größte Herausforderung, die es 2023 anzugehen gilt?
Martin Behringer (FW): Ich sehe zahlreiche Herausforderungen, die in diesem Jahr auf uns warten – wie zum Beispiel die hohen Energiepreise, die Inflation, die Flüchtlingswelle, die Digitalisierung, der Fachkräftemangel und auch bei den Finanzen. Für das Jahr 2023 können wir wahrscheinlich wieder mit den gleichen Einnahmen rechnen, aber gleichzeitig wachsen die Ausgaben weiter wie zum Beispiel für die Zinsen bei Krediten und auch die Baukosten klettern immer weiter nach oben. Trotzdem müssen wir weiter in die Infrastruktur des Landkreises investieren, damit unsere Straßen und Brücken leistungsfähig bleiben.

Toni Schuberl (Grüne): Größte Herausforderung ist die Energiewende. Nur wenn wir ausreichend Strom aus erneuerbaren Energien vor Ort produzieren können, werden wir eine sichere und billige Stromversorgung haben. Und die Wertschöpfung dieser heimischen Produktion bleibt bei uns und finanziert keine Ölscheichs oder andere Diktatoren.

Im Klimaschutzkonzept von Freyung-Grafenau, das von allen demokratischen Parteien im Kreistag beschlossen worden ist, wird von 50 großen Windkraftanlagen gesprochen. Diese seien notwendig, wenn wir unseren eigenen zukünftigen Strombedarf vor Ort erzeugen wollen. Dies muss unverzüglich vorbereitet werden. Der Landkreis muss dafür die Weichen stellen und sich auf höheren Ebenen wie dem Planungsverband hierfür aktiv einbringen. Es darf hier keine weitere Zeit verschwendet werden. Erste Schritte müssen heuer erfolgen.
Alexander Muthmann (FDP): Die Energiekrise und die aktuellen Preis-Kapriolen auf dem Weltmarkt zeigen, dass wir so schnell wie möglich das Thema regenerative Energien anpacken müssen. Zusätzlich gilt es, die regionale Wertschöpfung auf diesem Sektor auszubauen, um unabhängiger zu werden bei der Energieversorgung und zudem das Thema Nachhaltigkeit in Zeiten des Klimawandels voranzutreiben.