„Gehören in die Kreisliga“
Der Trainer bleibt, ein Spieler geht: Schönbrunn nach Abstieg kurz in Schockstarre

27.05.2024 | Stand 27.05.2024, 8:29 Uhr

Nach knapp 100 Spielminuten sitzt der Schönbrunner Johannes Pichler auf dem Rasen in Röhrnbach. Viele auf der Tribüne dahinter sind genauso fassungslos über den Ausgang des Spiels wie der Stürmer. − Fotos: Sven Kaiser

Alle waren irgendwie fassungslos nach dieser kaum zu beschreibenden Viertelstunde in Röhrnbach: Der SV Neukirchen v.W. feierte kopfschüttelnd seinen Sieg im ersten Relegationsspiel zur Kreisliga Ost; Spieler wie Fans der DJK SG Schönbrunn blickten in die Leere. Eine 4:6-Niederlage vor 1538 Zuschauern besiegelte den Abstieg der „Lusenkicker“.

Zwischenzeitlich führten die Schönbrunner nach einem Hattrick (29., 33., 40. Minute) des auf den ersten Metern beeindruckend flinken Jonas Schreiner (24) mit 3:1 und sahen lange wie der Sieger aus. Es kam anders. Neukirchen tanzte, schrie die Freude über eine verrückte Schlussphase hinaus und spielt nun am Donnerstag gegen den TSV Schönberg (17 Uhr in Tittling) um einen Platz in der Kreisliga. Bei den Schönbrunnern war die Gefühlslage selbstredend eine völlig andere: „Ich verstehe die Welt nicht mehr, wir waren 90 Minuten die bessere Mannschaft“, meinte Teammanager Alexander Pauli. „Traurig, wie wir uns durch so viele Fehler um alles bringen“, ergänzte der 30-Jährige kopfschüttelnd.

Viele seiner Kameraden wirkten regelrecht in Schockstarre in den Minuten nach dem Abpfiff von Schiedsrichter Leonhard Burghartswieser (Bodenmais). Auch Hohenaus Bürgermeister Josef Gais war betrübt. Wie er hatten viele Hohenauer ein Derby der beiden Gemeinde-Vereine herbeigesehnt. Das wird es nun wieder nicht geben: Der SV Hohenau steigt in die Kreisliga auf, Schönbrunn in die Kreisklasse ab. „16 Jahre haben wir nicht mehr gegeneinander gespielt, dramatisch, dass es jetzt wieder nicht dazu kommt“, haderte Pauli.

„Diese Mannschaft gehört in die Kreisliga, kein Zweifel“



Trotzdem werde für die „Lusenkicker“ die Welt nicht untergehen, versprach der Teammanager: „Heute schon, aber ab morgen schauen wir nach vorne“, sagte er am Samstag und verkündete, dass Trainer Franz Gibis (65) die Mannschaft eine weitere Saison trainieren wird und der Kader mit einer Ausnahme zusammenbleibt: Abwehrspieler Sebastian Kölbl (20) wechselt zum Bezirksligisten Grainet.

In einer ersten Analyse merkte Schönbrunns Sportchef Alex Pauli an, dass er als Hauptgrund für den Abstieg eine „schwache Phase nach der Winterpause“ ausmacht. „Wir hätten einen Punkt mehr gebraucht zum direkten Klassenerhalt und gegen Vilshofen oder Thyrnau darfst du daheim nicht verlieren.“ Jetzt hat der Verein sprichwörtlich den Salat: „Diese Mannschaft gehört in die Kreisliga, da gibt es keinen Zweifel, wir greifen wieder an.“

Fotostrecken vom Relegationsspiel in Röhrnbach


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