Graffiti-Sprayer
Mehr Farbe für den Jugendtreff – ein gelber Zug mit blauen Fenstern

Jugendliche und Graffiti-Sprayer verschönern die Räume im Bahnhof – Motiv ist ein Zug mit Fenstern

28.05.2024 | Stand 30.05.2024, 10:41 Uhr |

Hatten beim Sprayen viel Spaß im Jugendtreff (von links): Julian, Stadtjugendpfleger Lukas Weller, Leon sowie die Profis Laura Riemer und David Spenninger. − Fotos: Eberl

Von Anna Eberl

Graffitis sind nur was für Gangster und zerstören jede Landschaft? Von wegen – die Jugendlichen aus dem Jugendtreff in Landau bewiesen gestern das Gegenteil.

Seit 2002 treffen sich regelmäßig Jugendliche in den Räumlichkeiten über dem Bahnhof. Seit 2020 ist Lukas Weller der Stadtjugendpfleger und bietet dienstags bis freitags von 15 bis 19 Uhr einen öffentlichen Treff an. Zusammen haben die Jugendlichen beschlossen, dass der Jugendtreffpunkt nicht mehr zeitgemäß bzw. einfach „zu langweilig“ aussieht, deshalb kam neben der Idee, die Küche umzuräumen, auch der Vorschlag, die Wände mit Graffiti zu verschönern.

Profis aus Innsbruck und Landshut helfen

Dafür trafen sich am gestrigen Montag die zwei Jugendlichen Julian (13) und Leon (13) mit Lukas Weller. Hilfe bekamen sie von den Graffitikünstlern David Spenninger und Laura Riemer, welche sogar extra aus Innsbruck anreiste. Beide arbeiten beruflich mit Jugendlichen, verbringen ihre Freizeit aber auch gerne mit dem Verschönern von Wänden.

David aus Landshut erzählt, schon des öfteren sogenannte „Jams“ organisiert zu haben. Dabei handelt es sich um Veranstaltungen, in denen nicht nur legal bereitgestellte Wände verziert werden, man tauscht sich hier auch aus und gibt Wissen über alle Bereiche des Sprayens an Anfänger weiter.

Als Weller bei ihm angefragt hatte, war für ihn selbstverständlich, dass er nach Landau kommen mag. Graffitis sind für die Künstler eine Mischung aus der Faszination an der Kunst und im Jugendtreff kombiniert mit der Freude an der Arbeit mit Jugendlichen: „Es macht einfach Spaß, das Interesse an der Kunst mit Jüngeren zu teilen“, so Spenninger.

Doch nicht nur die beiden Profis hatten Spaß, auch die zwei Landauer Julian und Leon wirken enthusiastisch bei der Verwirklichung ihrer Idee, ein bis zwei Wände mit Graffitis zu verschönern.

Jugendliche haben die Idee für das Motiv

Für das Motiv ließen sie sich von ihrer Umgebung inspirieren und entschieden sich nach dem Anfertigen einiger Skizzen für ein gelbes Zugmotiv, wobei die Fenster in blauer Farbe gesprayt wurden.

Die Leinwand für das Kunstwerk bildete eine leere weiße Wand mit einer kleinen Korktafel, welche als ein Fenster für den Zug herhalten musste. Zum Schutz der Kleidung trugen alle Sprayer Overalls sowie Atemschutzmasken, damit keine schädlichen Gase in die Atemwege gelangen. Denn die Farbendämpfe sorgten schon nach wenigen Atemzügen für Beklemmung. Auch durch die Masken war die Atmosphäre entspannt und harmonisch: Im Hintergrund läuft Musik, es wird gequatscht und trotzdem arbeiten alle hochkonzentriert an ihrem Teil des Graffitis. Dieser Eindruck scheint nicht zu täuschen, denn auch die Erwachsenen bezeichnen das Treffen trotz der geringen Teilnehmerzahl als Erfolg.

Obwohl beide Jugendlichen auf den Geschmack gekommen sind, sagt Leon, noch nie „draußen“ gesprayt zu haben und es auch nicht vorzuhaben.