Mozart im Kerzenschein
Die Europäischen Wochen laden die Landauer zu einem besonderen Konzertgenuss ein

13.06.2024 | Stand 13.06.2024, 20:00 Uhr |

Im Rahmen der Europäischen Wochen wird auch heuer wieder eine Veranstaltung in Landau stattfinden. Das Programm stellten am Donnerstag Andreas Thannhuber vom Rotary Club (v.l.), sein Lions-Kollege Peter Fraundorfer, Bürgermeister Matthias Kohlmayer, Intendant Carsten Gerhard, Altbürgermeister Jürgen Stadler, Geschäftsleitender Beamter Alexander Oswald und Kulturamtsleiterin Christine Krönner vor. − Foto: Rothhammer

Die Europäischen Wochen sind Europas größtes Kulturfestival in der Dreiländerregion Ostbayern, Oberrösterreich und Böhmen. Ein kultureller Höhepunkt reiht sich an den nächsten, wenn international renommierte Künstler aus den Bereichen Oper, Operette, Oratorium, Konzert und Theater sich die Ehre geben. Das Schöne daran: In Landau erwartet die Besucher am Donnerstag, 11. Juli, ein ganz besonderes Schmankerl der Europäischen Wochen, ein Konzert im Kerzenschein mit Musik von Mozart.

Festspiel-Intendant Carsten Gerhard war am gestrigen Donnerstag nach Landau gekommen, um gemeinsam mit Bürgermeister Matthias Kohlmayer, Altbürgermeister Jürgen Stadler, Peter Fraundorfer vom Lions-Club Dingolfing-Landau und Andreas Thannhuber vom Rotary Club Dingolfing-Landau bei einem Pressegespräch das Konzertprogramm der Öffentlichkeit vorzustellen. Die beiden Clubs unterstützen die Veranstaltung gemeinsam mit der Stadt Landau finanziell. Und da die Stadt heuer ihren 800. Geburtstag feiert, hat Festspiel-Intendant Gerhard ein ganz besonders Konzert für Landau mit im Gepäck, das den Titel trägt „Mozart: Meine erste Akademie, privat".

Mit Kristian Bezuidenhout und dem Freiburger Barockorchester kommt eine künstlerische Besetzung nach Landau, die regelmäßig in allen großen Konzertsälen der Welt zu Gast ist. Das Barockorchester ist eines der führenden Ensembles im Bereich der historischen Aufführungspraxis. Kristian Bezuidenhout gilt als ausgewiesener Hammerklavierexperte. Er wird das Konzert von einem historischen Flügel aus leiten, ein Flügel, wie ihn auch Mozart für seine Auftritte und Kompositionen nutzte.

Nicht nur die Zusammensetzung der Künstler verspricht, in den Genuss eines außergewöhnlichen Musikabends am 11. Juli zu kommen. Auch die ausgewählten Stücke, die an diesem Abend zu hören sein werden, sind etwas ganz Besonderes. Das Publikum wird ein Konzert erleben, das Mozart am 17. März 1784 original so im Trattnerhof in Wien gab.

„Dieses Datum ist für Mozart nicht nur biografisch sehr wichtig, sondern markiert auch musikhistorisch einen wichtigen Meilenstein“, erläutert Gerhard. „An diesem Tag wagt Mozart den Schritt in die Selbstständigkeit als freischaffender Künstler.“ Ein Schritt, den nach Mozart nach und nach immer mehr Künstler wagen werden.

Mozart spielte am 17. März 1784 ein Konzert

Das Konzert, das Mozart am 17. März 1784 spielte, war das Konzert in Es-Dur, KV 449, das er am 9. Februar 1784 vollendet und als Nummer 1 in sein neues Werkverzeichnis eingetragen hat, ein Verzeichnis, das er bis kurz vor seinen Tod führen wird und mit der Nummer 145, der „Kleinen Freimaurer-Kantate“, enden wird.

Mozarts offizielle Nummer 1, das Klavierkonzert in Es-Dur KV 449, bekam die Öffentlichkeit zum ersten Mal am 17. März 1784 im Trattnerhof zu hören. Aber es wird nicht das einzige Stück gewesen sein, dass die adligen Gäste damals zu hören bekamen. „Welche Werke sonst noch zur Aufführung gelangten, ist nicht überliefert“, bedauert der Festspiel-Intendant.

Allerdings lassen sich einige Rückschlüsse ziehen. Aufgrund der Gepflogenheiten wird laut Gerhard vermutlich auch eine Symphonie auf dem Programm gestanden haben. Für das Konzert in Landau habe man sich deshalb für eine Sinfonie in G-Dur entschieden, die in einer Partitur in Mozarts Handschrift aus dem Jahr 1783 vorliegt. Ludwig von Köchel hatte ihr die Verzeichnisnummer 444 gegeben und sie als Nr. 37 gelistet. Allerdings stamme sie nicht von Mozart allein. Seit 1907 wisse man, dass nur die langsame Einleitung von Mozart selbst stamme, während die anderen Sätze von seinem Freund Michael Haydn (1737-1806) im Mai 1783 komponiert worden waren. Die Wahl fiel aus zweierlei Gründen auf dieses Werk: Zum einen habe die Symphonie die gleiche Besetzung wie das Klavierkonzert KV 449 mit Streichern, zwei Oboen und zwei Hörnern, zum anderen falle ihre Entstehung in die Zeit des Konzerts im Trattnerhof.

„Vermutlich hat Mozart bei diesem Konzert außerdem am Klavier improvisiert“, führt Gerhard weiter aus. Dieses Wagnis wolle man aber in Landau nicht auf die Programmliste setzen. Stattdessen kommt in Landau auf Wunsch des Interpreten das Klavierkonzert „Jenamy“ KV 271 zur Aufführung.

Die Liebe zum Detail wird aber noch an vielen anderen Stellen sichtbar. Da es zur Zeit Mozarts noch kein elektrisches Licht gab, wird es beim Konzertabend in der Stadthalle in Landau ebenfalls nur Kerzenschein geben. Wie in der damaligen Privatkapelle des Trattnerhofes werden auch in Landau Kronleuchter für dezentes Licht sorgen. Was man ebenfalls weiß: Der Konzertpremiere wohnten 174 Gäste aus dem Wiener Adel und Hochadel bei. „Wir kennen sogar die Namen der Gäste, da Mozart sie alle in einem Brief an seinen Vater erwähnt hat“, weiß Gerhard. Wer möchte, kann sich auf seiner Eintrittskarte den Namen eines historischen Gastes notieren lassen. Aber auch so dürften die Eintrittskarten wertvolle Erinnerungsstücke für die Landauer Besucher werden. „Jeder Gast hat die Möglichkeit, sich ein Billet mit seinem Namenszug ausstellen zu lassen – in der Handschrift Mozarts.“


 Die 72. Festspiele Europäische Wochen Passau starten am 27. Juni und enden am 3. August. Sie umfassen in diesem Jahr rund 50 Veranstaltungen in drei Ländern. Karten sind in der Zentrale der Festpiele unter ✆0851/5609626 oder unter kartenzentrale@ew-passau.de erhältlich.