Zwei aus dem Nest geworfen
Zwei von vier Hengersberger Jungstörchen haben überlebt

12.06.2024 | Stand 12.06.2024, 5:00 Uhr |
Robert Fuchs

Ursprünglich waren vier Jungstörche im Horst auf dem Frauenberg, nun sind es nur noch zwei. Sie werden immer von einem Elternteil nicht aus den Augen gelassen, während sich das andere Elterntier auf Futtersuche befindet. − Foto: Stefan Schlederer

Heuer etwas verspätet dran, aber nicht in Vergessenheit geraten sind die Störche auf dem Kamin der ehemaligen Früchteverwertung auf dem Frauenberg. Laut „Storchenspäher“ Stefan Schlederer waren es ursprünglich vier kleine Störche, von denen leider – und wie so oft bei Störchen – zwei aus dem Nest geworfen worden sind.

So traurig sich das auch anhört, kommt es doch immer wieder vor, dass sich die Storcheneltern aus verschiedensten Gründen von einem Teil ihres Nachwuchses trennen. Sei es wegen Futterknappheit, um das Überleben der stärkeren und gesunden Jungen zu sichern, oder wegen der zuletzt nasskalten Witterung, die dazu geführt haben könnte, dass die beiden Jungen bereits im Nest verstorben sind.

Eine weitere Theorie ist, dass Storcheneltern in Extremsituationen sehr kleine Küken manchmal sogar fressen. Dieses Verhalten bezeichnet man als Kronismus, nach der griechischen Sage über den Titan Kronus, der seine Kinder fraß, damit diese ihm den Thron nicht streitig machen konnten. Was genau diese Verhaltensweise auslöst, ist noch nicht richtig geklärt.

Auch das Rätsel im Storchennest auf dem Frauenberg wird sich nicht zu 100 Prozent lösen lassen. Wichtig ist, dass es den beiden überlebenden Jungvögeln gut geht, was nach Aussage des Feuerwehrvorsitzenden der Fall zu sein scheint. Das belegen auch die Fotos, die er von der Drehleiter der Feuerwehr Hengersberg aus mit sicherem Abstand gemacht hat. Die beiden Jungstörche scheinen so groß und kräftig zu sein, dass ihnen das derzeitige nasskalte Wetter wohl nichts mehr anhaben kann.

Dass Jungstörche das überwiegend feuchte Wetter nicht gut vertragen, liegt daran, dass sie noch keine Federn haben, an denen das Wasser abperlen kann. Ihr Daunenkleid saugt sich mit Regenwasser voll und durchnässt die Tiere bis auf die Haut, was zur Folge hat, dass viele Jungvögel an Unterkühlung sterben. Sind die Jungen älter als vier Wochen, sind sie so groß, dass die Eltern sie auch nicht mehr unter ihren Flügeln vor dem Regen schützen können.

Jetzt gilt das Augenmerk den zwei putzmunteren Jungtieren im Horst auf dem Frauenberg, die sich im Alter von etwa zwei Monaten auf ihre Jungfernflüge vorbereiten bzw. zu den ersten Ausflügen starten. Die Nestlings-Zeit beträgt etwa 55 bis 60 Tage und nach etwa sieben Wochen haben die Jungstörche die Größe ihrer Eltern erreicht. Im Alter von drei Monaten trennen sich die Jungen von den Eltern und der Storchenkreislauf beginnt sich von vorne zu drehen.