Deggendorf

Zum Tod von Horst Freyer: Eine Ära geht zu Ende

10.01.2023 | Stand 10.01.2023, 19:00 Uhr
Jürgen Schwanitz

Horst Freyer war ein Gesicht des TSV Deggendorf. −Foto: schw

„Mit dem Ableben von Horst Freyer ist eine Ära im TSV Deggendorf unwiderruflich zu Ende gegangen.“ Mit diesem Satz hat der Vereinsvorsitzende Jürgen Schwanitz die Lebensleistung des langjährigen Sportfunktionärs beschrieben, der wie kein Zweiter in über vier Jahrzehnten den Deggendorfer Traditionsverein nach innen wie nach außen verkörpert hatte.

Zwar war er nie dessen 1. Vorsitzender, jedoch als 2. Vorstand und zugleich Schatzmeister zog er von 1973 bis 2011 die entscheidenden Fäden im Hintergrund. Der am 1. Mai 1932 in der Hauptstadt Breslau geborene Niederschlesier hatte im Jahr 2020 altersbedingt die Donaustadt verlassen und war in die Nähe des Wohnortes seines Sohnes in ein Heim gezogen, nachdem er in den vergangenen Jahren eine gesundheitliche Achterbahnfahrt durchlebt und weiterhin erhebliche Beschwerden hatte und sich deshalb zahlreichen Operationen unterziehen musste. Anfang Dezember war er nach einem Sturz mit Oberschenkelhalsbruch, jedoch geglückter OP zunächst im Krankenhaus in Freudenstadt im Schwarzwald soweit genesen, als ein plötzlicher Herzstillstand sein Leben beendete.

Nach erfolgter Einäscherung wurde nunmehr seine Urne nach einer Trauerfeier in engem Verwandten- und Freundeskreis in der Aussegnungshalle Deggendorf Anfang Januar im dortigen Familiengrab beigesetzt.

Nach den Wirren des Zweiten Weltkrieges war er als Jugendlicher mit der Flüchtlingsfamilie zunächst in den Stuttgarter Raum gekommen, wo er neben seiner beruflichen Ausbildung zum Diplomchemiker sportlich sich dem Verein Stuttgarter Kickers anschloss und dort neben Fußball vor allem Handball als Leistungssport betrieb. Dort lernte er beim Sport auch seine spätere Ehefrau Vera kennen, die jedoch bereits Ende Mai 2014 in Deggendorf verstorben war; dieser Verbindung entstammen auch die beiden Kinder Heiko und Claudia nebst fünf Enkelkindern.

Im Jahr 1968 zog es Horst Freyer berufsbedingt als Mitinhaber der Firma Emil Kelling KG in der Deggenau nach Deggendorf, wo er 1970 auch Gründungsmitglied der Deggendorfer Wirtschaftsjunioren und kurz darauf bis 1974 deren Vorsitzender wurde. Das Ehepaar schloss sich zudem bereits im April dem TSV Deggendorf an und brachte sich insbesondere im Bereich der Leichtathletik ein.

1972 übernahm Horst Freyer auch die Leitung der Leichtathletikabteilung des Vereines einschließlich der Sportabzeichenabnahme; diese Funktion hatte er beinahe 45 Jahre bis 2016 inne.
In den Folgejahren engagierte er sich umfänglich und unermüdlich auf Kreis-, Bezirks- und Landesebene, so dass ihm folgerichtig einige Führungsfunktionen im Leichtathletikverband übertragen wurden; so war er von 1979 bis 1988 der 2. Vorsitzende des LA-Bezirks Niederbayern, von 1979 bis 1994 zunächst der 2. Vorsitzende des LA-Kreises Donau-Wald, ab 1994 bis 2009 dann dessen 1. Vorsitzender. Zudem war er von 1972 bis 1987 Vorsitzender des BLSV-Kreises Deggendorf. Dazu engagierte er sich auch fachlich beim Bau des Stadions an der Trat wie auch im Förderverein für die Eissporthalle. Zwar nicht als Trainer, jedoch als ehrenamtlicher Organisator von zahlreichen regionalen und überregionalen Leichtathletikwettkämpfen im Landkreis trat er dabei regelmäßig in Erscheinung.

Noch vor etwa einem Dreivierteljahr hatte der BLSV-Kreisvorsitzende Otto Baumann Freyer anlässlich dessen 90. Geburtstags die „Verdienstnadel in Gold mit Brillanten und Großem Kranz“ die höchste BLSV-Auszeichnung in Deggendorf ausgehändigt und ihn mit einer Laudatio gewürdigt.

Bereits zuvor hatte er schon zahlreiche Ehrungen wie die Verleihung des Ehrenamts-Ehrenzeichens des Bayerischen Ministerpräsidenten (2003) wie auch durch den Freistaat Bayern die Verdienstmedaille im Sport (2006) erhalten; auch seitens des Deutschen- wie auch des Bayerischen Leichtathletikverbandes wurden ihm Goldnadeln verliehen. Die damalige Oberbürgermeisterin Anna Eder hatte ihm bereits im Jahr 2003 den Bürgerbrief der Stadt Deggendorf als besondere Auszeichnung zuerkannt.

Die kompetente Förderung einer Vielzahl von Nachwuchstalenten auf Breitensportbasis wie auch im Leistungssport war ihm ein stetes Herzensanliegen, bis zuletzt bestimmte der Sport den Lebensinhalt eines TSV-Ehrenmitgliedes mit über 50-jähriger Vereinstreue. In Erinnerung bleibt ein verantwortungsfreudiger Entscheidungsträger und aufrichtiger Macher, einer, der energisch zupackte, wenn es galt, sich für Gesundheit durch den Sport nicht nur im Nachwuchsbereich einzusetzen. Der Verein und die von ihm betreuten Sportler werden ihm in Dankbarkeit ein ehrendes Andenken bewahren.

− schw