„Rettungsdienst für unwegsames Gelände“
Warum die Bergwacht beim Hochwasser an der Donau im Einsatz war?

14.06.2024 | Stand 14.06.2024, 5:00 Uhr |

Die Bergwacht im Einsatz im Deggendorfer Donauhafen: Für diese Krankentrage ist eine Sandsackbarriere kein Problem. − Fotos: Stefan Schmidbauer

Denkt man an Hilfskräfte im Hochwassereinsatz, hat man für gewöhnlich die Feuerwehr, das THW, den Rettungsdienst oder die Wasserwacht vor Augen. Die Bergwacht hingegen kommt dem Laien nicht sofort in den Sinn. Umso bemerkenswerter wirkte deshalb das Bild zweier Bergwachtler, die beim Großeinsatz im Deggendorfer Hafen im Dienst waren. Im Gespräch mit der DZ erklärt Regionalgeschäftsführer Michael Pammer, warum die Bergretter auch am Wasser wertvolle Hilfe leisten.

„Die Bergwacht ist der Rettungsdienst für unwegsames Gelände“, erklärt Michael Pammer. Das beginne dort, wo der normale Rettungsdienst nicht weiterkomme. Im Fall des Deggendorfer Hafens seien das Sandsackbarrieren und Wasser, die für normale Krankentragen, die heutzutage auch elektrisch betrieben werden, Hindernisse darstellen. Für die geländegängige Ausrüstung der Bergwacht sei das allerdings kein Problem, so Pammer. Also sei man, als Teil des Katastrophenschutzes, beim Einsatz im Donauhafen zusammen mit der Wasserwacht für die Sicherheit der Einsatzkräfte bereitgestanden.

Doch damit nicht genug. Die Helfer von der Bergwacht haben im Donauhafen ein 400 Meter langes Seilgeländer installiert. „Das kann man sich vorstellen wie einen Klettersteig“, veranschaulicht Pammer. Wäre das Grundwasser schlagartig hochgekommen oder die Kaimauer gebrochen, dann hätte die Gefahr bestanden, dass die Einsatzkräfte im Hafengelände in die Donau gespült werden. Das Seilgeländer der Bergwacht diente hier als „Lifeline“ – eine zusätzliche Sicherung für die Helfer von Feuerwehr und THW.

Eine weitere wichtige Funktion der Bergwacht, die allerdings beim aktuellen Hochwasser nicht gebraucht wurde: das Können als Luftretter. Die Männer und Frauen sind ausgebildet, sich über Winden von Hubschraubern abzuseilen, um an unerreichbare Einsatzorte zu kommen.

Wichtig auch bei Arbeitsunfällen im Wald



Zugegeben, Hochwassereinsätze sind nicht das Tagesgeschäft der Bergwacht. „Hauptsächlich sind wir im Bereich Bayerwald am Geißkopf und am Großen Arber gefordert“, führt Pammer aus. Im Sommer seien es oft Mountainbiker, die im unwegsamen Gelände stürzen. Oder Unfälle bei Waldarbeiten. „Dabei handelt es sich dann oft um schwerste Verletzungen, die schnellstmöglich professionelle Hilfe erfordern“, so Pammer.

Im Winter wiederum seien es meist die Skifahrer, die die Hilfe der Bergwachtler brauchen. Und genau dafür stehen in der Region Bayerischer Wald rund 800 Bergwachtler Tag und Nacht bereit. Auch bei Hochwasser.