Erinnerung an die Entstehung
Vom Rand in die Mitte: 60 Jahre Christuskirche in Metten

21.12.2023 | Stand 21.12.2023, 20:00 Uhr
Jürgen Schwanitz

Pfarrer Klaus-Ulrich Bomhard. − Foto: Schwanitz

Am 22. Dezember 1963, damals der vierte Adventssonntag, ist die evangelisch-lutherische Christuskirche in Metten feierlich eingeweiht worden. Es war bitterkalt, selbst die Töne froren der Musikgruppe ein, die beim Auszug nach einem Abschiedsgottesdienst im Wittelsbachersaal bei den gastgebenden Benediktinern im Kloster Metten zum neuerbauten Gotteshaus an der Adalbert-Stifter-Straße den Einzug der Gläubigen begleiteten.

Insbesondere für die zahlreichen neu hinzugezogenen und aus ihrer angestammten Heimat vertriebenen Schlesier war damit ein langersehnter und mit zahlreichen Hürden gespickter Wunsch in Erfüllung gegangen, endlich über ein eigenes Gebäude in der Gemeinde Metten für Gottesdienste und Kasualien zu verfügen.

Der Wermutstropfen: Aus Spargründen fiel der Versammlungsraum deutlich kleiner aus als ursprünglich geplant und es wurde ein modernistischer Funktionsneubau im Stil jener Tage, der keinen erkennbaren Bezug mehr zur früheren Heimat der Schlesier bot.

Nur ähnlich wie die dortigen Bethauskirchen des 18. Jahrhunderts hatte das Bauwerk (noch) keinen Glockenturm; der kam erst am 27. September 1971 unter besonderen Umständen dazu – errichtet direkt am Ort aus einem Stück im Beton-Baustil des sogenannten Brutalismus. Bis dahin stand die Glocke der seit dem Jahr 1144 existierenden und seit 2013 für immer geschlossenen Glockengießerei Perner (Passau) auf einem Tisch stumm neben dem Altar.

Die Fertigstellung mit Einweihung des Anbaus eines notwendigen Gemeinderaums mit Infrastruktur, der nach dem in Breslau geborenen und im KZ Flossenbürg kurz vor Kriegsende im April 1945 hingerichteten Theologen Dietrich Bonhoeffer benannt ist, folgte am 7. Dezember 2003.

Pfarrer Klaus-Ulrich Bomhard lud zum Jubiläum zu einem Abendgebet in die adventliche Kirche ein, in dem er in seiner Predigt an die Probleme und Ereignisse aus der Anfangszeit erinnerte, ebenso anschließend bei einem kleinen Sektempfang die damalige Augenzeugin Ute Denk und das Ehepaar Neumann, das als erstes dort getraut worden war.

Der Geistliche wies darauf hin, dass die Lage des Gebäudes sich damals am Ortsrand der Marktgemeinde befand, wie auch die Neubürger sich gesellschaftlich noch außerhalb der alteingesessenen katholischen Einheimischen befanden; inzwischen ist sowohl das Bauwerk in die Mitte des Gesamtsiedlungsgebietes gerückt, wie auch die Schlesier und ihre Nachkommen nicht nur sprachlich soweit integriert sind, dass bestenfalls noch bei Todesanzeigen ihre Wurzeln erkennbar sind, jedoch immer mehr verwischt werden.

Und zugleich wurde das Gebäude seit 60 Jahren ein Ort für zahlreiche gottesdienstliche und sonstige kirchliche Begegnungen, Taufen, Konfirmationen und Hochzeiten, aber auch für Abschiede von geliebten Menschen.

In seiner Predigt erinnerte Bomhard unter Bezug auf den Text im Evangelium im 1. Buch Lukas, in dem die Rückkehr der Israeliten nach Jahrzehnten der Verbannung in Babylon wieder in ihre zerstörte Heimat und nach Jerusalem geschildert wird, dass es auch für die Schlesier der energischen Bewältigung einer gerne auf sich genommenen gewaltigen Kraftanstrengung für einen völligen Neuaufbau aus dem Nichts in einer für sie fremden Umgebung bedurfte. Die Errichtung einer neuen religiösen Heimstatt wurde erforderlich, nachdem sie in der Charta der Vertriebenen von 1951 für immer auf Rache und Vergeltung verzichtet hatten und politisch endgültig klar geworden war, dass sie nie mehr wieder in ihr Elternhaus würden zurückkehren können.

Der Gottesdienst wurde auf der am 13. Dezember 2009 neuinstallierten "elektronischen Silbermann-Orgel" mit einem Abendlied sowie drei Weihnachtsliedern musikalisch begleitet, deren Melodien von Veronika Herzinger intoniert wurden.

Im nächsten Jahr steht für die protestantische Gemeinde ein neuerliches Jubelfest an. Am 7. Juli wird die 125-jährige Kirchweihe der Auferstehungskirche in Deggendorf mit einem Festgottesdienst und Gemeindefest begangen werden; für die Festpredigt hat bereits Regionalbischof Stiegler zugesagt.

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