Transferkracher schlägt hohe Wellen
Euphorie hier, Unverständnis dort: Top-Stürmer Marcel Müller wechselt von Seebach nach Niederalteich

29.11.2023 | Stand 30.11.2023, 7:34 Uhr

Ein Wechsel mit vielen Emotionen: Marcel Müller (l.) verabschiedet sich schon im Winter aus Seebach und schließt sich Bezirksligist Niederalteich an. − Foto: Helmut Müller

Er zählt zu den größten Entdeckungen im niederbayerischen Fußball in den vergangenen Jahren: Marcel Müller, 22 Jahre alt, hat sich mit seinen Toren für den TSV Seebach in ganz Ostbayern einen Namen gemacht. Für den ambitionierten Landesligisten erzielte der schnelle Stürmer in den vergangenen vier Spielzeiten 39 Treffer in 86 Partien. Auch in der laufenden Spielzeit hat Müller mit zehn Saisontoren großen Anteil daran, dass der Deggendorfer Stadtteilclub wieder um den Bayernliga-Aufstieg mitspielt. Doch am Mittwochabend platzte die Bombe. Die jahrelange fruchtbare Zusammenarbeit ist jetzt vorbei. Müller wechselt schon im Winter – zurück zu seinem Ausbildungsverein Niederalteich.

Stadler: „Er wird uns gut tun“



Beim Bezirksliga-Aufsteiger kickte Müller die meiste Zeit seines Fußballerlebens, durchlief ab der D-Jugend sämtliche Juniorenmannschaften und machte als Erwachsener seine ersten Schritte im Herrenbereich. Nun also die Rückkehr zu den Wurzeln, über die sich insbesondere Niederalteichs Trainer Tobias Stadler freut. „Marcel zählt zu den Topstürmern in der Landesliga und bringt enorme Qualitäten mit. Der Kontakt zu ihm ist in den Jahren nie abgerissen, er kennt die Mannschaft und hat uns oft zugeschaut. Für uns ist der Wechsel eine tolle Sache, er wird uns gut tun.“

Der Bezirksliga-Aufsteiger überwintert mit 29 Zählern auf dem neunten Platz und will im Frühjahr schnellstmöglich den Klassenerhalt unter Dach und Fach bringen. Damit nicht genug: Weil mit Müller nun ein neuer Angreifer im Kader steht, trennt sich die Spielvereinigung mit sofortiger Wirkung von Lukas Jiran. Der 30-jährige Tscheche wurde nach dem Aufstieg verpflichtet, traf in 18 Spielen acht Mal.

Ebner: „Dann nimmt man wenigstens noch die Ablöse mit.“



In Seebach herrscht großes Unverständnis darüber, warum sich der jahrelange Toptorjäger ausgerechnet in der jetzigen Situation verabschiedet. Immerhin überwintert der TSV mit guten Aufstiegsaussichten auf Rang drei in der Landesliga und Müller ist mit zehn Einschüssen hinter Patrick Pfisterer (11) der zweitbeste Torjäger im Team. „Wir haben natürlich alles probiert, um ihn zu halten. Aber letztlich waren wir machtlos“, sagt der hörbar enttäuschte Teammanager Manuel Ebner. Wie in vielen anderen Clubs, gibt es auch in Seebach die Devise, im Winter keine Spieler abzugeben. In diesem Fall waren dem Verein aber die Hände gebunden. „Was soll man machen, wenn ein Spieler ankündigt, nicht mehr zu kommen? Dann nimmt man wenigstens noch die Ablöse mit.“ Zähneknirschend habe man also die Freigabe zum Wechsel erteilt. Ein Nachfolger, darüber ist sich Ebner bewusst, ist gerade im Winter schwer zu bekommen. „Dennoch sehen wir uns natürlich um. Klar ist aber auch: Unser Kader ist so gut besetzt, dass wir den Abgang auch intern auffangen können.“

Müller: „Aufwand und Ertrag haben nicht mehr gepasst“



Müller selbst kann die Emotionen, die mit seinem Wechsel einhergehen, nachvollziehen – sagt aber auch: „Für mich haben Aufwand und Ertrag einfach nicht mehr gepasst.“ Da er in Landshut wohnt und im Außendienst arbeitet, habe er zuletzt nicht immer trainieren können. Die Folge: Ähnlich wie sein Namensvetter Thomas derzeit beim FC Bayern musste auch Marcel immer häufiger mit der Jokerrolle vorliebnehmen. Trainer Manfred Stern brachte ihn in den vergangenen vier Partien von der Bank. Umso mehr freut sich Müller nun auf mehr Einsatzzeiten in der Bezirksliga. „Es ist toll, mit meinen alten Kumpels wieder gemeinsam auf dem Platz zu stehen.“ Dennoch möchte Müller die Zeit in Seebach nicht missen. „Ich bin mit allen super ausgekommen und bin dem Verein sehr dankbar, dass er mir die Freigabe erteilt hat.“