Ostbayern-Premiere in Osterhofen
Sommernachtstraum im Feuerwehrhaus: Kritik zum Kulturmobil Niederbayern 2024

17.06.2024 | Stand 17.06.2024, 18:18 Uhr |

Im Feuerwehrhaus statt unter freiem Himmel war in Osterhofen Shakespeares „Sommernachtstraum“ zu erleben. Hier Korbinian Josef Müller als Demetrius und Eva Gottschaller als Helena. − Foto: Franziska Geer

Einen frühsommerlichen Theatertraum bringt das Kulturmobil Niederbayern derzeit auf die Bühnen des Bezirks. Erste Station im Verbreitungsgebiet unserer Zeitung war Samstagabend Osterhofen im Kreis Deggendorf. Hier fand aufgrund des abends zapfigen Wetters die Vorstellung im Feuerwehrhaus statt

Los ging es am Nachmittag mit dem von Sebastian Kamm sympathisch-bockig inszenierten Stück „Das Neinhorn“ für Kinder. Dabei wurden alle Rollen von den beiden Schauspielerinnen Laura Puschek und Britta Werksnis gespielt. Mit der Zeit gewann das Stück zunehmend an Humor, und spätestens, als der drollige Waschbär in Zeitlupe zur Musik von „Mission Impossible“ über die Bühne kullerte, um die Prinzessin zu retten, mussten auch die Erwachsenen mitlachen. Das Stück war zugunsten der Kinder sehr interaktiv gestaltet, sodass diese beispielsweise mit dem Neinhorn zusammen „Nein“ schreien oder die Leine des „Na-Hunds“ halten durften. Einzig schade war, dass teils dieselbe Rolle abwechselnd von beiden Schauspielern dargestellt wurde, was trotz der eindeutig erkennbaren Kostüme den Zuschauer im ersten Moment verwirren konnte.

„Die Liebe kann ja mal ein Irrtum sein“, hieß es am Abend bei „Ein Sommernachtstraum“, der sich in der Regie von Sebastian Goller magisch und urkomisch zugleich entfaltete. Die Schauspieler übernahmen jeweils mehrere Rollen. Der Wald bei Athen wurde durch zwischen Gerüsten gespannte grüne Stoffbahnen dargestellt, wodurch das Bühnenbild an Tiefe gewann. Die Installation wurde vielfach beispielt, die Akteure hangelten sich am Gerüst empor, schlugen sich durchs „Grünzeug“ oder verhedderten sich darin. Da der Raum während des Stücks dunkel gehalten wurde, rückte die umgebende und weniger magische Feuerwehrhalle in den Hintergrund.

Die Kostüme bestachen durch Kontraste, die die Figurengruppen und deren Handlungsstränge optisch voneinander abgrenzen: So trugen die jungen Athener moderne hellrote Kleidung. Die Elfen als magische Naturgeister hatten Gewinde aus Blumen auf dem Kopf und waren in gold-glitzernde, archaisch wirkende lange Gewänder mit grünem Muster gekleidet – wodurch sie als Teil und Herrscher des grünen Waldes ausgewiesen wurden. Der elfische Hochadel stand dabei im maximalen Gegensatz zu den Arbeitern in Blaumann und grellgelben Gummistiefeln, was beim Aufeinandertreffen visuelle Spannung erzeugte. Diese wurde ins Skurrile weitergesponnen, wenn die Arbeiter mit Luftpolsterfolie edle lange Gewänder imitierten.

Besonders unter den jungen Athener würzten teils herrlich bissige und sarkastische Kommentare die Gespräche, bei den Handwerkern herrschte eher handfester Humor vor. Etwa wenn einer von ihnen sich nonstop knurrend unter der Luftpolsterfolie aufplustert, um die Wand zwischen Pyramus und Thisbe zu spielen und dies zutiefst bereut, als sich seine Kollegen als die Liebenden „durch die Wand küssen“ und ihn dabei zwangsweise abschlabbern.

Die Elfen erschienen dagegen zänkisch, hinterlistig und mächtig, was auch durch die bedrohliche Musik im Hintergrund vermittelt wurde. Umso unterhaltsamer, wenn die zuvor hochtrabende Elfenkönigin Titania dem Handwerker mit Eselsohren und gelben Gummistiefeln verfällt. Aber auch Oberon bekommt am Ende sein Fett weg, als die Wirkung des Liebestranks verfliegt und Titania ihm seine Taten erfreulicherweise nicht einfach verzeiht, sondern aufbrausend nachsetzt.

Während der Vorstellung der Schauspieler Robert Erby, Eva Gottschaller, Kolja Heiß, Korbinian Josef Müller, Désirée Siyum und Laura Trischket war die Halle voll besetzt und unzählige Male vom Lachen der Theatergäste erfüllt. Zum Schluss bedankten sich die Zuschauer mit einem sehr langen Applaus.

Franziska Geer


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