Umstrittene Liegestelle
So soll der „Schiffsparkplatz“ gegenüber von Deggendorf aussehen

09.07.2024 | Stand 09.07.2024, 11:00 Uhr |

Ein Luftbild, in das die geplante Schiffsliegestelle montiert ist. Genau zwischen Maximiliansbrücke und Autobahn sollen auf 400 Meter Länge 14 Dalben in den Flussboden gerammt werden, damit dort Schiffe festmachen können. An drei Stegen können Fußgänger an Land gehen, an einer Stelle können Autos ans Ufer gebracht werden.  − Fotos: Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt

Die Wiges hat erstmals Visualisierungen der am Fischerdorfer Donauufer geplanten Schiffsliegestelle veröffentlicht. Für das Vorhaben, das von Stadt und Landkreis kritisiert wird, läuft derzeit das Planfeststellungsverfahren.

Ein Schiffsliegestelle ist so etwas wie ein Autobahnparkplatz an der Bundeswasserstraße. Zwischen Vilshofen und Straubing sei so eine Liegestelle dringend notwendig, sagt die Schifffahrtsverwaltung des Bundes. Mit der Umsetzung beauftragt ist die Wiges (Wasserbauliche Infrastukturgesellschaft), eine Tochterfirma des Freistaats, die den Donauausbau und den Hochwasserschutz umsetzt. Derzeit läuft das Planfeststellungsverfahren, also das Verfahren zur Genehmigung, bei der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt in Würzburg.

Stadt und Landkreis verweisen auf den Hafen



Stadt und Landkreis halten die Schiffsliegestelle für überflüssig, weil gegenüber im Hafen mehr als genug Platz sei für Schiffe, die eine Pause machen oder eine Sperre abwarten müssen. Stadtrat und Kreistag haben entsprechende Stellungnahmen für das Planfeststellungsverfahren beschlossen. Ende Juni fand nun in Deggendorf ein Erörterungstermin statt. Wer Einwände gegen das Vorhaben vorgebracht hatte, konnte diese noch einmal ausführlich erläutern. Neben Stadt und Landkreis sowie weiteren „Trägern öffentlicher Belange“ gab es auch Einwendungen von Vereinen und Verbänden sowie von Privatpersonen, die an zwei Tagen angehört wurden, informierte die Wiges in einer Pressemitteilung. Für die Stadt Deggendorf war Stadtplaner Klaus Busch dabei. Ob die Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt auf die Deggendorfer Argumente eingehen wird, konnte Busch nach dem Erörterungstermin noch nicht sagen. Die Bewertung werde die Planfeststellungsbehörde erst im Anschluss vornehmen, erläuterte Busch das Verfahren.

Bei dem Erörterungstermin wurden erstmals Visualisierungen gezeigt, die nun auch veröffentlicht wurden. Was fehlt, ist eine Ansicht vom Fischerdorfer Deich aus. Das habe er kritisierte, berichtete Busch, „weil das meiner Auffassung nach die kritische ist.“

Platz für neun Güterschiffe



In Fischerdorf geplant ist eine Dalbenliegestelle. Dalben sind ins Wasser gerammte Stahlpfähle. Auf einer Länge von rund 400 Meter sind 14 solche Dalben vorgesehen. Außerdem sollen drei Landgangstege für Fußgänger erreichtet werden und eine Pkw-Umsetzstelle, wo mitgeführte Autos an Land gebraucht werden können. Am Ufer sollen die nötigen Zufahrten gebaut werden. Laut Wiges sollen hier maximal neun Güterschiffe liegen können – jeweils drei Schiffe in drei Reihen.

Wie die Wiges in einer Präsentation beim Erörterungstermin erläuterte, beträgt die Fahrzeit von Straubing nach Vilshofen vier bis fünf Stunden, flussaufwärts von Vilshofen bis Straubing dagegen zwölf Stunden. Deshalb brauche es dringend eine Möglichkeit, die Fahrt zu unterbrechen. Die Liegestelle werde also in der Regel von Bergfahrern angesteuert werden. Vorgesehen sei sie für die Güterschifffahrt, nicht für die Personenschifffahrt.

Schifffahrtsverwaltung und Wiges: Was im Hafen nicht passt



Die „Bauherrn“, also die Wiges und das „Wasser- und Schifffahrtsamt Donau MDK“ des Bundes, lassen das Argument von Stadt und Landkreis nicht gelten, dass die Schiffe doch auch im Hafen parken könnten. Im Februar veröffentlichten sie eine Stellungnahme zu den Einwänden, in der ausführlich dargelegt wurde, was im Hafen alles gemacht werden müsste, um dort eine Liegestelle nach den aktuellen Standards für Bundeswasserstraßen zu schaffen. So brauche es Treppen und Podeste statt der im Hafen vorhandenen Kaileitern, ebenso einen Betriebsweg mit Straßenanbindung. Auch seien die bestehenden Festmacheinrichtungen im Hafen drei Meter zu niedrig.

− stg