Nachwuchs-Handwerkertage
Schleifen, löten, Rohre befestigen: Plattlinger Realschüler schnuppern Handwerksluft

20.02.2024 | Stand 20.02.2024, 5:00 Uhr

Schleifen die Kanten ihrer Tabletständer: Lena Winkler (r.) und Elisa Miedl. Unter der Anleitung von Schreinermeister Hubert Feldmeier fertigen sie und ihre Mitschüler diese Werkstücke. − Fotos: Häusler

Elena Steinberger hat nach ihrem Realschulabschluss eine Lehre zur Anlagenmechanikerin für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik absolviert. Mit 24 Jahren hält sie ihren Meisterbrief in der Hand – und erklärt den Siebtklässlern der Conrad-Graf-Preysing-Realschule, worauf es beim Bauen von Rohrsystemen ankommt. Sie weiß schon im Kindesalter, was ein Heizungsbauer macht – schließlich führt ihr Vater den gleichnamigen Betrieb in Buchhofen. Doch die Realschüler haben oftmals weniger Kontakt zum Handwerk. Das Interesse dafür zu wecken und Chancen aufzuzeigen; das sind die Ziele der Nachwuchs-Handwerkertage an der Realschule.

Das ohmsche Gesetz und der Kuss-Tester

In einem anderen Zimmer erläutert Elektrikermeister Paul Kanzlsperger eine an die Tafel geschriebene Formel: das ohmsche Gesetz. Für ihn ist es völlig klar, wie er mit Spannung, Widerstand und Stromstärke umgehen muss – die Siebtklässler haben vorab wohl eher nicht daran geglaubt, dass ihnen der Elektrikermeister einen Einführungskurs in Physik geben würde. Der Fokus liegt an diesem Vormittag aber weniger auf den theoretischen Grundlagen, sondern auf der Praxis.

Der Geruch im Raum verrät, dass die Schüler verschiedene Bauteile gelötet haben, um schlussendlich einen sogenannten Kuss-Tester zu bauen. Auf das Bussi verzichten die Beteiligten. Es reicht auch, wenn sich Schüler Lukas Apfelbeck und Bürgermeister die Hand reichen, während sie jeweils einen Zeigefinger in einen Fingerhut stecken, der wiederum mit dem zusammengelöteten Batterie-Bausatz verbunden ist. Das Ergebnis: Das Lämpchen leuchtet und das Gerät gibt einen schrillen Piepton von sich. Wird der Stromkreislauf unterbrochen, herrscht Stille.

Ein Ständer fürs Tablet

Diese herrscht keinesfalls bei Lena Winkler und Elisa Miedl. Ritsch-ratsch schleifen sie die Kanten einer Holzplatte ab. Mit mehreren Holzbauteilen, Schrauben und einem Scharnier fertigen sie einen Tablet-Ständer unter der Anleitung von Schreinermeister Hubert Feldmeier.

Alle Profis bestätigen beim Rundgang am Montag, dass die Schüler aufmerksam bei der Sache seien, sich für den jeweiligen Beruf interessieren und nach Anleitung ihre Projekt-Pläne in die Tat umsetzen.

Darüber freut sich unter anderem stellvertretender Landrat Eugen Gegenfurtner, der vier Handwerksberufe erlernt hat: Elektriker, Kfz-Mechaniker, Kunststoffschlosser und Säureschutzfachwerker. „Ich bin ein Verfechter des Handwerks“, sagt er und empfiehlt den Jugendlichen, sich zumindest Gedanken über eine handwerkliche Lehre zu machen. Ähnliche Worte findet Bürgermeister Hans Schmalhofer und rät den jungen Menschen, Erfahrungen bei Praktika zu sammeln. „Wenn du dein Hobby zum Beruf machst, brauchst du nie zur Arbeit gehen“, habe einst jemand zu ihm gesagt.

Schulleiterin Eder zeigt Zukunftsperspektiven auf

Die Zukunftsperspektiven spricht Schulleiterin Waltraud Eder an: Viele Unternehmer seien auf der Suche nach fachkundigen und geeigneten Nachfolgern. In einigen Jahren einen laufenden Betrieb zu übernehmen – das könnte für den ein oder anderen der Weg zum eigenen Chef-Dasein darstellen.

Lehrerin Elisabeth Reimer, welche die Nachwuchs-Handwerkertage organisiert hat, bedankt sich bei den Partnern. Von der Aktion ebenso überzeugt zeigen sich Franz Niemeier, stellvertretender Kreishandwerksmeister, Stefan Griesbeck als Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, Matthias Keim von der Schreinerei Geiger-Keim, Markus Steinhuber vom Arbeitskreis Schule-Wirtschaft und Simone Starke vom Regionalmanagement Deggendorf.