Besuch auf der Baustelle
Sanierung des Gasthauses: So wird die neue Schauflinger Dorfmitte

14.06.2024 | Stand 14.06.2024, 11:00 Uhr |

Bürgermeister Robert Bauer im Bürgerstadel: Der große Raum bietet Platz für große Feiern, aber auch kulturelle Veranstaltungen. − F.: Trs

Das Gasthaus im Herzen von Schaufling war immer schon für viele eine Heimat. Da wurde geheiratet, gefeiert und am Stammtisch parliert, dort gab es auch einmal eine Metzgerei, einen Laden, sogar eine Wäscherei war schon drinnen. Multifunktionell würde man auf Neudeutsch sagen. Doch auch der neue „Schauflinger Hof“ (vielleicht heißt er so) hat es in sich und wird auf gut Bairisch vielen Schauflingern garantiert eine zweite Hoamat sein.

Sanierung und Neubau in der Dorfmitte schreiten seit zwei Jahren stetig voran, und die künftigen Wirtsleute stehen auch schon fest. Mit Bürgermeister Robert Bauer hat die DZ einen vielversprechenden Blick ins Innere geworfen.

Als großzügiger, lichtdurchfluteter Raum für Feiern und kulturelle Veranstaltungen präsentiert sich der künftige Bürgersaal, der in Holzständerbauweise im Süden an das ehemalige Anwesen angebaut ist und am Dorfplatz das Gegenstück zum Schulgebäude bildet. Bodentiefe Fenster und eine lichte Höhe von rund neun Metern geben dem Raum viel Dimension. Je nach Bestuhlung dürften dort bis zu 300 Leute Platz finden, schätzt der Bürgermeister. Der Raum hat eine Gesamtfläche von knapp 230 Quadratmeter, dazu kommt auf gut halber Höhe unter dem Sichtdachstuhl eine 50 Quadratmeter große Galerie. Ausgestattet mit moderner Veranstaltungstechnik und mobilen Bühnenelementen kann man sich dafür viele Verwendungen vorstellen. Innen und außen wird der Anbau mit Holz vertäfelt, weshalb Bauer auch lieber von einem „Bürgerstadel“ statt einem Bürgersaal spricht.

Ein Bürgerstadel für bis zu 300 Gäste

Über ein auch auf beiden Außenseiten zugängliches, mit viel Glas und Holz gestaltetes Foyer ist der Stadel mit dem eigentlichen Gasthaus verbunden. Die Gaststube befindet sich künftig auf der Gebäudeseite, wo bislang der Laden untergebracht war. 70 Plätze fasst der Raum, der zum Dorfplatz hin ebenfalls mit bodentiefen Fenstern Aussicht bietet, dazu kommen noch einmal 30 im hinteren Thekenbereich. Dazwischen können in einer vitrinenartigen Glaswand Pokale oder andere Erinnerungsstücke untergebracht werden. Ansonsten soll aber auch hier Holz die Inneneinrichtung dominieren. Die Böden werden mit Fliesen und Stäbchenparkett belegt. „Das soll alles den Charakter eines Dorfwirtshauses bekommen, gemütlich werden, nicht steril“, findet der Bürgermeister. Das gilt auch für den Biergarten, der sich bald draußen am Dorfplatz etwa bis zum Brunnen erstreckt.

Viel Platz für Küche, Lager- und Kühleinheiten gibt es in dem neuen Gasthaus dort, wo sich früher in etwa die Metzgerei befunden hat. Im Erdgeschoß werden unter anderem aber auch ein Raum für den VdK sowie für den Bürgersprechtag und ein Büro für den Bürgermeister Platz finden.

Doch damit nicht genug: Droben im ersten Stock, wo früher der Saal war, hat das Gebäude noch viel zu bieten. Eines der Prunkstücke dürfte ein großzügig geschnittener multifunktioneller Raum an der Ostseite sein, der beispielsweise für Trauungen genutzt werden kann. Ihm schließen sich weitere Räume an, die von der Eltern-Kind-Gruppe, dem Seniorenclub, den Tänzern oder für Seminare genutzt werden können. Im Keller sind die Technikräume für Lüftung, Heizung sowie die Toiletten – auch öffentlich von außen sowie über einen Lift aus den oberen Geschoßen barrierefrei zugänglich – untergebracht.

Außen sind an der südseitigen Böschung Spielgeräte vorgesehen, die aber bei Bedarf ohne Schwierigkeiten versetzt werden können, sollte sich doch noch eine Möglichkeit für die gewünschte Ansiedlung eines Nahversorgers ergeben. Auf der Westseite des Stadels soll der Außenbereich terrassenartig zum Dorfplatz hin abfallen. Auch der Platz selbst soll im Zuge der Sanierung erneuert werden. Als Elemente nennt Bauer verschiedenartiges Granitpflaster und ein attraktiveres Bushäusl.

In dem von der Städtebauförderung großzügig unterstützten Projekt muss so viel alte Substanz wie möglich erhalten werden. Das bringt die Planer bei den alten, schiefen Mauern manchmal auch an die Grenzen. Ein alter Wandabschnitt im Erdgeschoß zum Beispiel wird mit hinterlüfteten Trockenbauwänden verkleidet, weil man beim Verputzen so viel Material auftragen müsste, um eine plane Fläche zu erhalten, dass der Putz kaum trocknen würde. Andererseits macht der Mix aus Alt und Neu auch den Charme des Gebäudes aus.

Eröffnung für Frühjahr geplant

Der Bau liegt zeitlich im Rahmen. Bauer rechnet damit, dass im kommenden Frühjahr die Hochbauarbeiten so weit abgeschlossen sind, dass die Gastronomie eröffnen kann. Komplett fertig dürften die Arbeiten im August oder September 2025 sein. Auch finanziell liegt das Projekt im Plan. Am Ende werden laut Bauer zehn bis elf Millionen Euro an Gesamtkosten herauskommen. Neben der Städtebauförderung versucht Bauer zusätzlich noch etwa bis zu 150000 Euro an Leader-Förderung für die Einrichtung lockerzumachen. Den gesamten Eigenanteil für die Gemeinde schätzt er auf 3,5 Millionen Euro. „Das ist sicher für uns ein großer Brocken. Aber was wäre die Alternative? Dass wir es verkaufen, und jemand stellt einen Wohnblock hin?“, argumentiert Bauer. Stattdessen bekommen die Schauflinger eine neue Dorfmitte. „Der Mehrwert für die Bürger ist unbestritten“, freut sich Robert Bauer, dass bald wieder Leben einzieht. Weil die neue Anlage den Charakter eines Hofs erhält, fände er „Schauflinger Hof“ einen passenden Namen. „Aber da sind wir noch in der Findungsphase“, sagt er.

Bereits abgeschlossen ist die Suche nach einem Pächter für die Gastronomie. Der Pachtvertrag ist bereits im Oktober 2023 unterzeichnet worden. Bauer steht in ständigem Austausch mit den zukünftigen Wirtsleuten Karl und Andi Jakob. Vor kurzem erst fand ein erneutes Treffen statt, um die Detailplanungen in Sachen Innenraumgestaltung der Gastroräume gemeinsam fortzuführen. Kürzlich folgte Bauer zur Besprechung einer Einladung der Brüder Jakob nach Eging am See, wo sie das Lokal „ELLA’s“ eröffnet haben, auch „um bei den Personalplanungen mehr Handlungssicherheit zu generieren“, führt Andreas Jakob auf Nachfrage aus. „So kann Personal auch weiterhin sicher gehalten, gegebenenfalls sogar weiter sinnvoll aufgebaut werden, um zum Start im gerade entstehenden Schauflinger Hof bekannt qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an der Seite zu wissen“, ergänzt sein Bruder Karl. Die beiden Brüder planen für Schaufling eine junge, gut bürgerliche, moderne Küche mit vielen Variationsmöglichkeiten – gerade im bayerisch-böhmischen Bereich – und freuen sich darauf im kommenden Jahr loslegen zu können.