Blühpakt Bayern
Der Deggendorfer Friedhof steht in voller Blüte

27.05.2024 | Stand 27.05.2024, 19:00 Uhr |

Sorgen für Farbe rund um die Steinstelen auf dem Deggendorfer Friedhof: Die Wildblumenwiese bietet außerdem ein üppiges Blütenbuffet für Insekten. − Fotos: Theis

Vogelgezwitscher, farbenfrohe Blumen und hier und da ein Summen – der Deggendorfer Friedhof ähnelt einem großen Park, der aktuell wortwörtlich aufblüht.

Von Anfang März bis Ende April haben die Mitarbeiter der Stadtgärtnerei und des Baubetriebshofs in Zusammenarbeit mit dem Stadtplanungsamt und den Beratern des Blühpakts Bayern die Grünflächen des Friedhofs in eine artenreiche und tierfreundliche Umgebung verwandelt. 5000 Euro sind der Stadt vergangenes Jahr neben fachlicher Beratung als Unterstützung zur Verfügung gestellt worden, nachdem sie sich erfolgreich für das „Starterkit – Blühende Kommune“ des Bayerischen Umweltministeriums beworben hatte.

„Hier wurde etwas Gutes geschaffen“, lautete das Fazit von zweitem Bürgermeister Günther Pammer, der sich bei einem Pressetermin vor Ort bei den Anwesenden für die geleistete Zusammenarbeit und Unterstützung bedankte. „Deggendorf ist ein Vorbild, was das Grün angeht.“ Auch wenn es komisch klänge, so Pammer, sei ein Friedhof doch auch eine Art Aushängeschild für eine Stadt.

Sträucher, Blumen und tierische Bewohner



Zufrieden zeigte sich auch Blühpakt-Beraterin Merle Raulfs: „Ein Lob an alle Beteiligten, die Umsetzung ist hervorragend geworden.“ Landschaftsarchitektin Stefanie Arneth klärte über die verschiedenen Pflanzen, Sträucher und Blumen sowie deren Nutzen für die tierischen Bewohner auf. „Hier wuchs vorher nichts Blühendes, überwiegend Efeu. Nun sind hier 20 verschiedene Schattenstauden wie Glockenblumen, Fingerhut oder vielblütige Weisswurz“, beschrieb Arneth das Staudenbeet nähe der Urnenwand im Friedhof VI, das vermutlich gegen Juni anfängt zu blühen.

Weiter oben, im Friedhof VII, ist es in den vergangenen Wochen farbenfroh geworden: Statt kurz gemähter Rasenflächen blühen zwei bunt durchmischte Wildblumenwiesen. „Die Blumen wurden alle mit regionalem und heimischem Saatgut angepflanzt. Dadurch finden die Bienen, Hummeln und anderen Insekten hier ihre bekannte Umgebung und Nahrung, sozusagen das Schlüssel-Schloss-Prinzip“, erklärte Blühpakt-Beraterin Raulfs. Auch eine Böschung in Friedhof VII ist neu bepflanzt worden: Wildrosen, Weißdorn, Mispel und Geißklee sorgen nun zusammen mit anderen Pflanzen für ein reichhaltiges Nektar- und Pollenangebot.

Eine Steintränke ermöglicht neben einem Vogelbad auch Insekten eine Erfrischung: „Damit da niemand ertrinkt, ist die Tränke für die Insekten flach genug, um wieder hinaus zu krabbeln“, sagt Landschaftsarchitektin Arneth.

Ein Sandarium für Insekten, die im Boden leben



In der Nähe der Tränke befindet sich schon der nächste insektenfreundliche Platz. Was auf den ersten Blick an ein Stück Sandkasten erinnert, ist ein Nistplatz für bodenbewohnende Insekten – auch Bienen. „Insektenhotels haben einen richtigen Boom erlebt, doch was die meisten gar nicht wissen, ist, dass 70 bis 80 Prozent der Insekten im Boden nisten“, sagte Merle Raulfs. Mit seiner trockenen, vegetationsarmen Sandfläche bietet das knapp einen mal drei Meter große Sandarium einen optimalen Nistplatz. In unmittelbarer Nähe zu der nahrungsreichen Wildblumenwiese außerdem ein idealer Standort für die zukünftigen Bewohner. Die Teilnehmer am Presstermin konnten noch nicht allzu viele Insekten in dem Sand entdecken. „Man muss dem Ganzen etwas Zeit geben“, sagte Arneth, guter Dinge, dass auch hier bald die eine oder andere Biene ein neues Zuhause findet.

Einen weiteren Unterschlupf und Nistplatz bietet auch die Käferwiege – eine erdigere Sandmulde, deren Form etwas an einen großen Schwimmring erinnert, gefüllt mit Reisig, Totholz und Moos. Die einzelnen Plätze werden demnächst noch mit Schildern ausgestattet, um Interessierten ein paar Infos zu den neuen Grünflächen zu geben und „damit niemand versehentlich über das Sandarium drüberläuft“, so zweiter Bürgermeister Pammer.