„Artist in Residence“
Pianist Joseph Moog im Interview: Solist bei den Reichenhaller Philharmonikern

15.05.2024 | Stand 17.05.2024, 14:34 Uhr
Elisabeth Aumiller

„Wenn ich am Instrument sitze, vergesse ich die Zeit und empfinde es als Glück“ – Joseph Moog, Solist beim Konzert diesen Freitag. − F.: Agentur

Es geht um Farben beim nächsten großen Konzert der Bad Reichenhaller Philharmoniker: „Couleurs“ ist der Titel des Programms, das sich der Musik aus Frankreich vom späten 19. Jahrhundert bis in die Moderne widmet und von fantastischen Klangfarben geprägt ist. Der „Artist in Residence“ des Orchesters, Pianist Joseph Moog, ist kommenden Freitagabend Solist in Francis Poulencs einzigem Konzert für Klavier und Orchester. Weiter auf dem Programm stehen Jacques Iberts Louisville-Konzert und eine von Haydns Pariser Sinfonien, die Nr. 86 in D-Dur.

„Spaw liebt das Stück“

Herr Moog, Sie sind ein international viel reisender Künstler. Wie fühlt sich Ihr hiesiger Einsatz als „Artist in Residence“ an?
Joseph Moog: Ich war noch nie Artist in Residence, es ist ein Debüt für mich. Ja, man ist ein Wandervogel und zieht von Ort zu Ort. Hier indes kann man mehrfach wiederkehren und schafft damit eine Verbindung zum Orchester und zum Ort. Ich finde die Idee sehr schön. Es war ein Vorschlag von Daniel Spaw, den ich durch meinen australischen Freund, den Dirigenten Nicolas Milton, kennenlernte.

Sie spielen das Konzert cis-Moll von Francis Poulenc aus dem Jahr 1949. Welche Beziehung haben Sie dazu?
Moog: Ich spiele es zum ersten Mal. Es wird selten aufgeführt. Es gibt viele Werke für Klavier und Orchester, die ich schon lange kenne und die mich sehr reizen, so auch das Poulenc-Konzert. Aber man braucht immer den richtigen Partner und einen gemeinsamen Anreiz dafür. Spaw liebt das Stück und so fragte er mich, ob ich mir vorstellen könne, dieses Konzert aufzuführen. Es ist ein unglaublich farbiges und abwechslungsreiches Stück. Es quillt über vor Ideen mit Anklängen an Wiener Klassik, an impressionistische Einflüsse, teilweise Richtung Prokofiew. Dennoch ist es sehr eigenständig und kurzweilig, weil Poulenc ein absoluter Meister der Orchestrierung ist. Er verfolgt eine Idee und kaum hat man sie erfasst, wechselt er zur nächsten. Es passiert viel in kurzer Zeit. Es lohnt sich, es zu spielen und zu hören.

Sie haben mit vier Jahren das Klavierspielen begonnen. Wann war Ihnen klar, dass eine Solistenkarriere Ihr Lebensweg sein würde?
Moog: Die Affinität zur Musik war mir sozusagen in die Wiege gelegt. Meine Mutter ist Geigerin, mein Vater Klarinettist, aber ich war von Anfang an behext von dem Flügel in der Wohnung, obwohl ich anfangs noch nichts spielen konnte. Mit dem Klavier hatte ich mein eigenes Instrument im Haus, genau die richtige Nähe und Distanz zu den Eltern. Erst sehr viel später wurde mir klar, dass man ein Leben bestreiten muss und kann mit der Musik. Ich war sehr naiv und in meiner Traumwelt gefangen. Für mich war klar, dass ich Klavier spiele, war aber weit weg von irgendwelchen beruflichen und künftigen Überlegungen. Mit 15, 16 Jahren war mir das erste Mal klar, dass das mein Berufsweg sein würde.

Gibt es Lieblingsstücke?
Moog: Es ist schwierig sich festzulegen, aber wenn ich es ausdrücken müsste, wäre Alexander Skrjabin mein Favorit. Seine Musik bewegt mich und macht viel mit mir, verschafft mir nach wie vor Gänsehaut-Effekt.

„Ich liebe es, zu komponieren“

Sie komponieren auch selbst?
Moog: Ja ich liebe es, zu komponieren, habe aber nicht vor, eine Karriere daraus zu machen. Mich reizt es mehr, für andere Instrumente zu schreiben.

Welches sind die nächsten wichtigen Projekte, und wie bewältigen Sie die vielen Reisen?
Moog: Demnächst spiele ich in der Tonhalle Zürich, in Stuttgart, Katar, Großbritannien, jüngst in der New Yorker Carnegie Hall. In Paris entsteht eine neue CD-Aufnahme... Das Reisen ist selbstverständlich für mich, aber es ist zur Zeit sehr viel los in der Welt, was besorgniserregend ist und das Reisen erschwert. Aber es gehört eben dazu. Und ich habe immer noch den spielerischen Zugang und wenn ich am Instrument sitze, vergesse ich die Zeit und empfinde es als Glück, auf diese Weise Musik machen zu können.

Elisabeth Aumiller


•Konzert am Freitag, 17. Mai, 19.30 Uhr im Theater Bad Reichenhall, Wittelsbacherstraße 15, Info auf www.brphil.de