Große Musik in der Bergkulisse
Juri Vallentin (33) ist Professor für Oboe und spielt mit Reichenhaller Philharmonikern

22.02.2024 | Stand 23.02.2024, 17:01 Uhr
Elisabeth Aumiller

„Die Liebe zum Klang war sofort da“, erinnert sich Juri Vallentin an den Moment, als er zum ersten Mal eine Oboe hörte. − Foto: Verena Bruening

Es entstand 1945 in Garmisch und gilt als eines der anspruchsvollsten Werke für Oboe: Das Konzert für Oboe und Orchester D-Dur von Richard Strauss steht am Freitag, 23. Februar, auf dem Programm beim ersten Abo-Konzert der Bad Reichenhaller Philharmoniker in diesem Jahr.

Solist Juri Vallentin reist dafür aus Karlsruhe an, wo der 33-Jährige Professor für Oboe ist. Die Kulturredaktion hat mit ihm über sein Instrument und seinen Werdegang gesprochen.

Herr Vallentin, Sie spielen mit den Reichenhaller Philharmonikern das Strauss-Konzert. Welche Beziehung haben Sie zum Werk?
Juri Vallentin: Es hat mich meine ganze Karriere begleitet. Ich habe es immer wieder gehört und gespielt. Es ist ein Repertoirestück, ein wichtiges Werk, das für jeden Solo-Oboisten auf dem Tisch liegt. Man packt es aus und findet immer wieder neue Facetten. Es ist sehr anspruchsvoll zu spielen, hat lange Linien, was vor allem atemtechnisch herausfordernd ist. Der Atem ist die Grundlage.

Wie kam das Engagement für das Konzert zustande?
Vallentin: Ich kenne Daniel Spaw, weil wir vor etwa zwei Jahren ein Mozartkonzert miteinander gemacht hatten. So haben wir zusammen überlegt, dass das Strauss-Konzert, das der Komponist 1945 als Spätwerk in Garmisch komponiert hatte, sich somit auch hier gut in die Bergkulisse fügen würde. Mit dem Orchester ist es sehr kammermusikalisch ineinander verwoben wie große Kammermusik.

Vor drei Jahren wurden Sie zum Professor für Oboe an die Hochschule für Musik in Karlsruhe berufen. Wie hat sich das ergeben?
Vallentin: Ich hatte das schon lange im Blick, es war mein Wunsch, eines Tages mein Wissen an junge Menschen weiterzugeben. Das Unterrichten liegt mir und verlangt und bietet mir Kreativität. Auch kann ich gleichzeitig meine Solistenkarriere ausbauen. Folglich habe ich die Stelle als Oboist im Staatsorchester der Oper Hannover und überhaupt die Orchesterarbeit aufgegeben. Die Professur lässt mir mehr Freiheit für meine solistischen Aktivitäten, während man im Orchester viel festgelegter ist bei der Planung.

Sie haben mehrere renommierte Wettbewerbe gewonnen. Wie wichtig sind Wettbewerbe?
Vallentin: Sie sind ein Weg, sich einen Namen zu machen und eine gute Art, Kontakte zu knüpfen. Man macht dadurch nicht sofort Karriere, aber Stück für Stück baut sich ein Netzwerk auf. Es sind Puzzlesteine zum Erfolg.

Wie kam es, dass Sie die Oboe erwählt haben?
Vallentin: Ich habe als Kind mit Blockflöte angefangen. Meine Eltern waren keine Musiker, aber Musikfans. Sie wollten, dass ich ein Orchesterinstrument erlerne. In der Musikschule haben wir verschiedene Instrumente angehört und dabei hat mir die Oboe am besten gefallen. Die Liebe zum Klang war sofort da. So war es klar, dass es mein Instrument werden würde. Aber ich musste noch lange warten. Es gab kein Leihinstrument und keinen Ausbildungsplatz. Also konnte ich erst mit zwölf Jahren beginnen.

Aus Mainz gebürtig haben Sie Ihre Ausbildung in Nürnberg und dann in Paris absolviert. Warum diese Wahl?
Vallentin: Der Studienplatz hängt immer mit dem Professor des Hauptfachs zusammen. In beiden Fällen haben für mich die Lehrer den Ausschlag gegeben.

Die Oboe ist hauptsächlich ein Orchesterinstrument. Gibt es auch genügend Sololiteratur?
Vallentin: Die Oboe ist ein Nischeninstrument für eine Solistenaktivität, sie wurde weit weniger bedacht als etwa die Violine. Aber es gibt dennoch genug Literatur, etwa bei Mozart, Bach, Richard Strauss, um als Solist und Kammermusiker zu leben.

Sie setzen sich auch für zeitgenössische Musik ein. Ist das ein Muss oder auch eine persönliche Überzeugung? Gibt es Komponisten, die speziell für Sie schreiben?
Vallentin: Das ist ein wahnsinnig weites Feld. Es ist ein absolutes Muss, sich mit Musik unserer Zeit auseinanderzusetzen. Ich versuche, pro Jahr eine Uraufführung zu spielen. Das ist natürlich ein besonderes Alleinstellungsmerkmal. Mit der Komponistin Sarah Nemtsov bin ich in Kontakt, für mich zu schreiben.

Sie haben zwei CDs, „Bridges“ und „Ebenbild“. Welche Werke haben Sie dafür eingespielt?
Vallentin: „Bridges“ war mein Debüt-Album. Es weist ein Spektrum von Musik aus fünf Jahrhunderten auf mit kammermusikalischer Besetzung. Es ist eine Art Showcase. „Ebenbild“ dreht sich um ein Liebesgedicht, um eine Verbindung von Lyrik und Musik in verschiedenen Fassungen, die sich auf den Bach-Choral „O Haupt voll Blut und Wunden“ beziehen. Das breite Spektrum von Barock bis zeitgenössisch ist ganz mein Ding.

Das Gespräch führte Elisabeth Aumiller.



• Konzert am Fr., 23.2., 19.30 Uhr, Theater Bad Reichenhall, 08652/ 2325, www.ticketscharf.de