Naturschützer schalten Anwalt ein
Gegen Erweiterung des Steinbruchs am Fuße des Untersbergs

06.09.2023 | Stand 12.09.2023, 16:22 Uhr

Der Steinbruch in Bischofswiesen soll erweitert werden. Zwei Millionen Kubikmeter Dolomit will der Betreiber bis 2045 dort abbauen. −Foto: Kilian Pfeiffer

Die geplante Erweiterung eines Steinbruchs in Bischofswiesen (Landkreis Berchtesgadener Land) hat den Bund Naturschutz auf den Plan gerufen. „Man wird erst Ruhe geben, wenn der ganze Berg verschwunden ist“, sagt BN-Vertreter Paul Grafwallner.

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Im Greinswiesen wird regionales Dolomitgestein abgebaut. Die Naturschützer rügen, dass das Material nicht ausschließlich in der Region verbleibt. Zwei Millionen zusätzliche Kubikmeter sollen nun abgebaut werden. Grafwallner kommt zum Schluss: Das Landschaftsbild am Fuße des Untersbergs ist in Gefahr

Mehr als ein Viertel verlässt die Region – auch in Richtung China?

28 Seiten lang ist das Schreiben der Kanzlei, die im Auftrag der Kreisgruppe des Bund Naturschutzes das „immissionsschutzrechtliche Vorhaben als nicht genehmigungsfähig“ darstellt. Einerseits genügten die vorgelegten Unterlagen nicht, um darzulegen, dass das Vorhaben keinen öffentlich-rechtlichen Vorschriften widerspricht. Andererseits stünden insbesondere naturschutzrechtliche Vorschriften der Genehmigung des Vorhabens entgegen, heißt es in dem Schreiben.

Mit der immissionsschutzrechtlichen Genehmigung aus dem Jahr 2006 wurde der Abbau auf 25 Jahre genehmigt – mit einem Volumen von 600000 Kubikmetern Dolomitgestein. Prognostiziert wurde damals eine jährliche Abbaumenge von rund 25000 Kubikmetern. Der Abbau der gesamten Menge erfolgte nun bereits nach 18 Jahren, die Abbaumengen seien allein von 2016 bis 2018 auf jährlich knapp 69000 Kubikmeter erweitert worden, so die Naturschützer. Mehr als ein Viertel der abgebauten Menge würde die Region verlassen und damit „aus dem regionalen Bezug fallen“. Bei den Kompensations- und Rekultivierungsauflagen gebe es erhebliche Defizite, heißt es. „Hier wurde nicht an einer Rekultivierung gearbeitet, sondern daran, dass der Steinbruch erweitert wird.“

Mit Dolomit lässt sich viel Geld verdienen



Nun soll alles eine Dimension größer ausfallen: In den kommenden 45 Jahren will der Steinbruch-Betreiber zwei Millionen weitere Kubikmeter entnehmen, bis in eine Abbautiefe von bis zu 90 Metern. Auf die Laufzeit gerechnet sind das jährlich mehr als 44000 Kubikmeter und damit im Jahresdurchschnitt deutlich mehr als bislang. „Die Cheops-Pyramide hat 2,6 Millionen Kubikmeter“, sagt Paul Grafwallner und zeigt anhand dessen die Dimensionen der Masse an Dolomit, die im Laufe der Zeit verschwinden soll – und das Landschaftsbild dadurch nachhaltig verändert. „Den Schutz der Landschaft möchte man eliminieren“, so Grafwallner.

Im Anwaltschreiben heißt es, es stelle sich die Frage, „ob dieser Bedarf im lokalen Raum tatsächlich vorhanden ist oder ob vielmehr ein überörtlicher Verkauf des Materials erfolgt“. Wird der Dolomit aus der Heimat zu hohen Preisen ins Ausland verkauft? „Damit lässt sich viel Geld verdienen“, sagt zumindest Rita Poser, Kreisvorsitzende des Bund Naturschutz Berchtesgadener Land. Bis nach China sei das Material bereits veräußert worden. Der stattgefundene Export nach China werde aber geschickt kaschiert, meint sie. Im Sinne der Region könnte das nicht sein. „Bei der Annahme, man würde das Material für den hiesigen Straßenbau verwenden, fragt man sich schon, wie viele Straßen hier eigentlich gebaut werden sollen“, unterstreichen die Naturschützer zugespitzt. Telefonisch wollte Unternehmer Bernhard Heitauer, für den Steinbruch zuständig, dazu auf wiederholte Anfrage keine Auskunft geben.

Alpenkonvention einhalten und Dimension visualisieren



Mitteilungsfreudiger ist der Bund Naturschutz: Man ersetze hier Landschaft durch Rohstoffabbau – in einem Landschaftsschutzgebiet, viel Geld werde mit dem „wertvollen Material“ verdient und vergleichbar gutes Material gebe es erst wieder in Portugal, sagen die BN-Vertreter, die nach eigenen Angaben ihr Wissen aus den Antragsunterlagen zur Erweiterung haben. Der Antrag zur Steinbruch-Erweiterung füllt einen dicken Leitz-Ordner.

Mehrere Verfahrensfehler wirft der BN den Antragstellern vor, etwa zur Umweltverträglichkeit. Ein Raumordnungsverfahren sei notwendig, „da raumordnerische Vorgaben gemäß Alpenplan, Alpenkonvention und Regionalplan entgegenstehen“, argumentieren die Naturschützer. „Ganz besonders notwendig ist die Visualisierung der geplanten Abbaukante in Höhe von 780 Metern mit Heliumballons (...), um die Auswirkungen auf das Landschaftsbild überhaupt erst beurteilen zu können“, lautet das Urteil, das die den Bund Naturschutz vertretende Fachanwältin festhält.