Drohung an die Redaktion
Erpressung per E-Mail: Angeblich beim Masturbieren gefilmt − So kann sich jeder schützen

25.05.2024 | Stand 25.05.2024, 21:14 Uhr

Dieser Ausschnitt aus der Nachricht zeigt, wie der Erpresser vorgegangen ist. − Foto: Screenshot Vietze

Zur Zeit kursieren wieder betrügerische Nachrichten im Netz. Kriminelle behaupten in einer E-Mail, den Nutzer beim Masturbieren gefilmt zu haben. Der unbekannte Absender verlangt Schutzgeld in Form von Bitcoins. Andernfalls erreicht dieses angebliche Video alle Kontakte.



Wie können es die Redakteure der Mediengruppe Bayern nur wagen, sich am Arbeitsplatz Pornos anzugucken und obendrein zu masturbieren? Ausgerechnet ein unbekannter Hacker hat auch noch gefilmt, wie sie sich vor den Bildschirmen befriedigen.

Die einen bauen Druck ab, der Hacker baut ihn auf: In einer E-Mail droht er der Redaktion, diese Schandtaten im Internet hochzuladen. Der anonyme Absender hat aber ein Herz. Er löscht das Video, wenn er innerhalb der nächsten acht Stunden 900 Dollar in Form von Bitcoins bekommt.

Persönliche Daten können auftauchen



Natürlich hat hier niemand masturbiert. Die Geschichte ist frei erfunden. Zur Zeit kursieren wieder betrügerische Nachrichten im Netz. Der Verfasser hatte offensichtlich seine E-Mail-Adresse gefälscht, denn in der Absenderleiste tauchte die der Redaktion auf.

Das erklärt der Erpresser damit, dass er einen Virus installiert hätte, der den Zugriff auf das E-Mail-Konto ermögliche. Derartige Nachrichten können mit persönlichen Daten gespickt sein – beispielsweise Telefonnummer oder Adresse.

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Abender von der Universität Köln



Aufschluss über die echte Absenderadresse liefert der sogenannte E-Mail-Header. Demnach lässt sich der Absender auf ein Rechenzentrum der Universität Köln zurückführen. Der Link ist jedenfalls harmlos, ergab eine Überprüfung. Ob das ein Studentenstreich war, bleibt unklar. Eine schriftliche Anfrage der Mediengruppe Bayern bei der Pressestelle der Universität Köln zu diesem Vorfall blieb unbeantwortet.

In der Drohbotschaft teilt der Betrüger mit, er habe Zugriff auf Videokameras, E-Mails, soziale Netzwerke, Kontaktlisten und Chat-Verläufe. „Mein Virus aktualisiert ständig seine Signaturen (da er auf einem Treiber basiert) und bleibt so unsichtbar für Ihr Antivirusprogramm“, erklärt der Absender.

Betrüger rät davon ab, zur Polizei zu gehen



Dabei soll der Eindruck entstehen, dass alles nachvollziehbar erscheint, in Wirklichkeit aber nur Schwindel ist. Im nächsten Schritt setzt der Kriminelle potenzielle Opfer unter Druck. „Wenn Sie immer noch an meinen ernsten Absichten zweifeln, genügen nur wenige Mausklicks, um Ihre Videos mit Ihren Freunden, Ihrer Familie und sogar Ihren Kollegen zu teilen. Es ist für mich auch kein Problem, öffentlichen Zugang zu diesen Videos zu gewähren“, warnt er.

Der Betrüger rät davon ab, die Polizei oder weitere Sicherheitsdienste zu kontaktieren. Zu guter Letzt verspricht er, dass alles fair ablaufen wird, sobald das Geld überwiesen ist. Gefolgt von einem Ratschlag: „Versuchen Sie in Zukunft, nicht in solche Situationen zu geraten.“

Manche sind darauf hereingefallen



Diese Betrugsmasche kommt auch gelegentlich in den Landkreisen Berchtesgadener Land und Traunstein vor, wie ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd auf Nachfrage der Heimatzeitung informiert.

Konkrete Fallzahlen dazu fehlen. Sie lassen sich laut Polizeisprecher nicht gesondert darstellen, denn diese Betrugsmasche gehört nicht zum Schwerpunkt der Straftaten in der Region.

Tatverdächtiger fordert immer mehr Geld



Fest steht aber: Manche sind auf diese E-Mail hereingefallen. Aus Angst und Schamgefühl, dass ein Video hochgeladen wird, würden Opfer dazu verleitet, das Geld zu überweisen, so der Polizeisprecher. Der Tatverdächtige hört aber nicht auf, wie er versprochen hat. Stattdessen fordert er immer mehr Geld von seinem Opfer, weiß der Polizeisprecher.

So schützt man sich vor Betrügern



Wer solche Drohungen bekommt, soll sich umgehend an die Polizei wenden, denn Erpressung ist strafbar. Laut Polizeisprecher ist es übrigens auch eine Straftat, Bilder von anderen Personen ohne deren Erlaubnis zu veröffentlichen. Folgende Tipps helfen gegen die Betrugsmasche:

Man darf keinesfalls Geld überweisen, denn die Anschuldigungen sind meistens erfunden.Wenn der Nutzer eine derartige E-Mail erhält, sollte er keinesfalls auf die Forderungen eingehen. Der Nutzer sollte keine Anhänge öffnen und nicht antworten.

Anzeige bei der Polizei erstatten



Nur mit Anzeigen erscheint dieses Problem in der Kriminalstatistik und kann von den Ermittlungsbehörden ernsthaft verfolgt werden. Wer den Betrugsversuch anzeigen will, kann dies bei jeder örtlichen Polizeiwache oder bei einer Online-Wache unter www.polizei.de tun. Der Computer sollte auf Viren geprüft werden.

Auch Kameras abkleben kann schon helfen



Um sicherzugehen, dass die eigene Kamera nicht missbraucht werden kann, sollten Nutzer sie grundsätzlich abkleben und nur dann öffnen, wenn sie sie tatsächlich brauchen.