Inszenierung von Claus Tröger
Der Sturz der Lehman Brothers: Wirtschaftskrimi am Salzburger Landestheater

05.02.2023 | Stand 17.09.2023, 3:47 Uhr
Kirsten Benekam

Auf dem Weg nach oben: Die Gebrüder Lehman, gespielt von Axel Meinhardt (v.l.), Matthias Hermann und Britta Bayer. −Foto: Tobias Witzgall

Die Geschichte der Lehman-Brüder begann im 19. Jahrhundert im bayerischen Rimpar und nahm sein Ende mit der spektakulären Firmenpleite eines Wall-Street-Giganten – und einer weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise im Jahr 2008. In der Inszenierung von Claus Tröger brachte das Salzburger Landestheater mit einem dreiköpfigen Ensemble die epische Saga von Stefano Massini auf die Bühne der Kammerspiele.

Das Stück ist Resultat einer dreijährigen Recherche Massinis. Es verbindet Privates elegant mit Gesellschaftsthemen und Historie, und es fokussiert auf die Menschen hinter dem Label, das zum Mythos des Zusammenbruchs geworden ist.

Wenn drei Schauspieler eine Familiensaga erzählen, höchst wandlungsfähig 40 Rollen spielen und keine Minute Langeweile aufkommt, dann müssen es Meister ihres Faches sein. Axel Meinhardt, Matthias Hermann und Britta Bayer stemmten eine Herkulesaufgabe. Massini unterteilte seinen Text in drei Bücher. Der Text irritiert zunächst, erscheint etwas sperrig, erweist sich aber bald als besonderer Clou. Die Sprechrhythmen, ein enormes Tempo mit schnellen Anschlüssen und akzentuierten Pausen, ziehen das Publikum förmlich in das Epos hinein. Emotionale Ausbrüche gibt es kaum. Nüchtern, zuweilen distanziert, kommt die Affäre eher als dokumentarischer Bericht daher.

Der aber erhält Würze durch gut gestellte und noch besser gespielte szenische Handlungen, die in liebevoller Detailarbeit dem Text assistieren. Obwohl von Höhen und Tiefen der drei Generationen überspannenden Familiengeschichte erzählt wird, mag sich der zugrundeliegende zwischenmenschliche Sprengstoff nicht so recht entzünden – obwohl er spürbar ist. Ein Lodern, das Spannung erzeugt, zumal die eingespielte Musik von Julius von Maldeghem treffsicher den richtigen Ton beisteuert – witzig mit ironischem Unterton, dann wieder düster und ernst. Die wenigen dialogischen Sequenzen setzen Akzente und sorgen für komische Momente.

Zwei Pausen unterteilen den Theaterabend, der Saga entsprechend, in drei klug gestraffte Erzählstränge und geben dem Publikum die Möglichkeit, den immensen Textumfang zu verdauen. Bühnenausstattung (Erich Uiberlacker) und Kostüme (Stephanie Bäuerle) verorten die Figuren auch optisch in Ort und Zeit. In rasantem Erzähltempo führt das Schauspieltrio durch die Saga: Alles begann mit dem jüdische Viehhändlersohn Heyum Lehman, der 1844 in New York an Land ging, dort zu Henry wurde und einen Stoffladen eröffnete. „Wer Geld machen will, muss auf die einfachen Dinge kommen, bevor sie einfach werden.“

Gemeinsam mit den nachgereisten Brüdern Emanuel und Mayer, baute er ein Handelsimperium auf, dann eine Investmentbank – „Another day, another dollar“. Auf ihrem Weg nach oben überwinden sie Brand und Krieg, gehen gestärkt aus Krisen hervor, expandieren, erobern den Eisen-, Öl-, Kaffee- und Tabakmarkt an einem einzigen Ort: der Börse. Nach über 150 Jahren untadeliger Bilanzen gehen ihre Nachfahren spektakulär baden. Den Riesenapplaus hat sich das hochkarätige Ensemble für seine immer spannende theatrale Umsetzung der Lehman-Story verdient.

Kirsten Benekam


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