Glänzender Lack und klingendes Blech
Bulldog-Rallye, Handwerkskunst und Volksmusik bei Inzeller Pfingstroas

21.05.2024 | Stand 21.05.2024, 17:53 Uhr
Helmuth Wegscheider

Eigentlich fahren die Oldtimer hintereinander, doch die beiden alten Schlüter lieferten sich ein Rennen.

Bei der 14. „Musikalisch-kulinarischen Pfingstroas“ verwandelte sich die Gemeinde Inzell in ein Zentrum der bayerischen Volksmusik. 20 Gruppen, organisiert über Martin Wellinger, spielten an verschiedenen Plätzen auf.

„Wer nicht da war, hat was verpasst“, so das Fazit von Pfingstroas-Mitbegründer und Gewerbevereinsvorsitzendem Bernhard Jung. Das Lächeln war den Verantwortlichen und Gästen am Sonntag ins Gesicht geschrieben.

Viele tausend Besucher hatten den Weg in die Eisschnelllaufmetropole gefunden, von nah und fern kamen sie, überwiegend in Tracht gekleidet. „Hier bei der Pfingstroas ist immer viel los, wir treffen viele Bekannte und Freunde und durch die ganzen Musikgruppen im Ort gibt es beste Unterhaltung und viel Abwechslung“, erzählte eine Gruppe Jugendlicher aus Bischofswiesen, die jedes Jahr nach Inzell fährt.

„Hochwertiges Musikfestival“

Nach dem Gottesdienst eröffnete die Musikkapelle Inzell pünktlich um 11 Uhr am Rathaus. Bürgermeister Michael Lorenz, zugleich Schirmherr der Veranstaltung, sagte: „Die Pfingstroas ist heute ein hochwertiges Musikfestival, das überall in der Region beliebt ist.“ Auch Landrat Sigi Walch zeigte sich erfreut. „An so einem Tag wie heute Heimat erleben mit einem überragenden musikalischen-kulinarischen Angebot ist einfach gewaltig. Die wahre Dorfgemeinschaft kommt hier zum Ausdruck und des is einfach wos Scheens.“

Nachdem das erste Fass angestochen war, konnte das Treiben beginnen. Vereine und Wirte servierten Hausgemachtes und Spezialitäten aus der Region. Um 13 Uhr startete dann die Bulldog-Rundfahrt durch den Ort, mit diesmal 326 Fahrzeugen. Ein Traktor war eigens aus Darmstadt angereist. Zugelassen waren nur Gefährte, die vor 1975 das Licht der Welt erblickten und im Straßenverkehr angemeldet sind.

Abgase und laute Motoren

Wie an einer Perlenschnur aufgereiht und angeführt von den Ausrichtern, den Inzeller „Oid-Traggei-Freind“, fuhren die Oldtimer eine Runde und zurück zum Schwimmbadparkplatz. Über eine Stunde waren sie dabei unterwegs. Die Lautstärke so mancher PS Boliden zeugte von kräftigem Antrieb und die Abgase waren dementsprechend angepasst. Besonders unter den Unterführungen am Busbahnhof und der Fritz Gastager Straße wurde so richtig auf „die Tube gedrückt“, um Eindruck zu schinden. Einige kutschierten auch landwirtschaftliches Gerät mit sich und manche Anhänger dienten schlichtweg dazu, Passanten und Freunde mit zu befördern. Die Besitzer hatten ihre „Lieblinge“ fein herausgeputzt, geschmückt, teilweise neu lackiert und meist von Schmutz befreit. Die Bandbreite der verschiedenen Fabrikate war riesig, auch wenn die Eicher-Bulldogs neben den Modellen von Hanomag, Lanz, MAN und Co. doch leicht in der Überzahl waren.

Dichtes Gedränge herrschte währenddessen auch in der Ausstellung im Inzeller Festsaal, der ständig mit Besuchern gefüllt war, und beim Handwerkermarkt in der Adlgasser Straße. 30 Anbieter aus dem Chiemgau, der Region München und dem Salzburger Land präsentierten ihre Arbeiten, einige wie die Goldstickerin oder auch die Korbflechter ließen sich über die Schulter schauen. Von einer Kräuterpädagogin, über Schnapsbrenner, Hutmacher bis zu Glasgraveuren, Töpferkünstlern, Besen- und Gamsbartbindern waren viele Metiers vertreten, die eines gemein hatten: „Wir versuchen nur echte Handwerkskunst bei uns in Inzell zu präsentieren“, so Organisatorin Petra Kamml.

Mit Hoagart ins Pfingst-Wochenende gestartet

Ebenfalls an der Adlgasser Straße war die Absperrung fürs Ponyreiten aufgebaut. Hoch im Kurs bei den Kindern stand außerdem die Feuerwehr-Hüpfburg mit großer Rutsche. Darüber hinaus gab es eine „offene Bühne“ unter Leitung von Markus Gromes für die Nachwuchsmusikanten, die ihr Gelerntes zeigten.

Schon am Freitag konnten Musikfreunde mit einem Hoagart ins Pfingst-Wochenende starten. Im Festsaal traten heuer nahezu nur Gruppen aus der Gemeinde auf. „Wir haben auch gute Musiker bei uns zu Hause und die sollen die Möglichkeit haben, sich zu präsentieren“, so Bernhard Jung.

Der diesjährige Hoagart war in zwei Abschnitte aufgeteilt. Im ersten Teil war die Jugend – darunter die Inzeller Tanzlmusi, die Jugendkapelle und der Jochberger Saitenklang – an der Reihe, nach der Pause machten sich die Arrivierten ans Werk. Die „Querfeldeinmusi“, das Harfenduo Holzner, die Diwan Musi, das Gesangsduo Du und I und die Inzeller Alphornbläser spielten auf. Nach Ende des offiziellen Teils unterhielten die Zwiesler Buam die Gäste und dabei durfte auch ausgiebig getanzt werden.