Maßnahmen wirken

Neue PFOA-Werte für Altötting: Gehalte im Blut haben sich halbiert

Ergebnisse des zweiten Humanbiomonitorings des LGL zeigen die erwarteten Verbesserungen

28.12.2022 | Stand 28.12.2022, 12:48 Uhr

DIe Aktivkohle-Filteranlagen – im Bild jene bei Neuötting – sorgen dafür, dass das Trinkwasser PFOA-frei ist. Das schlägt sich laut LGL in den Ergebnissen des Humanbiomonitorings nieder, das die erwartete Halbierung des PFOA-Gehalts im menschlichen Blut erbracht hat. −Foto: Mayer

Die Maßnahmen gegen die erhöhte Belastung der Bevölkerung in Altötting mit Perfluoroctansäure (PFOA) waren erfolgreich.



Das bestätigen die Ergebnisse des vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) durchgeführten zweiten Humanbiomonitorings (HBM), bei dem Blutproben von 764 Personen auf per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) untersucht wurden. Demzufolge sanken die PFOA-Gehalte im Blut der Teilnehmerinnen und Teilnehmer seit 2018 durchschnittlich um mehr als die Hälfte. Ein solcher Rückgang wird nach Ablauf der Halbwertszeit von zwei bis vier Jahren, und wenn keine weitere relevante Aufnahme von PFOA mehr erfolgt, erwartet. Das hat am Mittwoch das LGL mitgeteilt.

Weitere Berichte zum Thema PFOA finden Sie hier auf unserer Sonderseite.

Die nun vorliegenden Daten zeigten, dass die getroffenen Maßnahmen zur Sanierung der Trinkwasserversorgung in Altötting zielgerichtet wirkten. Als Hauptaufnahmepfad für die PFOA-Belastung war das Trinkwasser identifiziert worden. Durch den Einbau von Aktivkohlefiltern und die zeitweise Umstellung auf unbelastete Brunnen ist dieser Haupteintragspfad für PFOA seit Herbst 2018 für alle öffentlichen Trinkwasserversorger in der betroffenen Region beseitigt.

Erhöhte Werte durch Umweltkontamination



Die erhöhten PFOA-Werte werden mit der bekannten Umweltkontamination im Umfeld des Chemieparks Gendorf vor dem Jahr 2008 in Verbindung gebracht. Als Verursacherin ist die Firma Dyneon ausgemacht. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des zweiten HBM wurden über die Ergebnisse bereits individuell informiert – mit dem Angebot, sich im Falle noch offener Fragen an die umweltmedizinische Beratung des LGL zu wenden. Nach aktuellem Kenntnisstand bestehe auch im Falle einer Überschreitung des sogenannten HBM-II-Wertes keine konkrete gesundheitliche Gefährdung.

Verglichen mit den 965 Teilnehmerinnen und Teilnehmern des ersten PFOA-Bluttests im Jahr 2018 entsprach die Teilnahmequote bei der diesjährigen Wiederholung der Blutuntersuchung im Frühsommer dieses Jahres knapp 75 Prozent. Das Durchschnittsalter der Probanden lag bei 51 Jahren, das Geschlechterverhältnis fiel unter den Teilnehmenden mit 55,2 Prozent Frauen und 44,8 Prozent Männer annähernd gleich aus.

LGL-Zahlen belegen Reduktion



Die deutliche Reduktion des PFOA-Konzentrationen im Blut zeige sich in allen betrachteten Untersuchungsgruppen, berichtet das LGL: So fielen die PFOA-Gehalte im Blut beim Vergleich der Teilnehmenden aus der Allgemeinbevölkerung um 56 Prozent (Median von 23,2 Mikrogramm pro Liter Blut (μg/l) im Jahr 2018 auf 10,0 μg/l Blut im Jahr 2022), bei Frauen im gebärfähigen Alter zwischen 15 und 49 Jahren sanken sie um 59,6 Prozent (Median von 10,9 μg/l im Jahr 2018 auf 4,4 μg/l im Jahr 2022).

Gleichzeitig lagen damit die PFOA-Gehalte im Blut nur noch bei 280 untersuchten Personen aus der Allgemeinbevölkerung über dem entsprechenden HBM-II-Wert von 10 μg/l Blutplasma, 2018 waren es noch 475 Personen. Bei Frauen im gebärfähigen Alter zeigte sich ebenfalls ein deutlicher Rückgang: So lagen die PFOA-Gehalte im Blut in 49 Fällen über dem HBM-II-Wert von 5 μg/l Blutplasma für gebärfähige Frauen, 2018 waren es noch 95 Fälle. Alle weiteren vom LGL mituntersuchten PFAS-Gehalte im Blut der Probanden lagen auf dem Niveau der allgemeinen Hintergrundbelastung ohne bekannte Expositionsquellen.

Bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des zweiten HBM ist noch eine Untersuchung der Blutproben auf Impfantikörper vorgesehen. Die Gesamtauswertung, die neben der Auswertung der PFAS-Blutgehalte/Impfantikörper auch Ergebnisse der Fragebögen der Studienteilnehmer umfasst, wird vom LGL in einem Bericht veröffentlicht. Dies wird im Laufe des kommenden Jahres erfolgen, teilt das LGL mit.

− ecs


Auch Bürgerinnen und Bürger aus dem Landkreis Altötting, die nicht am Humanbiomonitoring teilnahmen, können jederzeit die umweltmedizinische Beratung zum Thema PFAS durch die PFC-Infoline des LGL in Anspruch nehmen. Die Kontaktdaten und Informationen zur Erreichbarkeit sind auf der Homepage des LGL zu finden: www.lgl.bayern.de, ebenso der allgemeine Sachstand zum Thema Umweltkontamination durch Freisetzung von PFOA im Landkreis Altötting sowie anderer per- und polyfluorierter Substanzen.