Multi-Millionen-Projekt tot
EU-Förderung blieb aus: Wacker beendet „Rhyme“

Chemiekonzern dementiert Zusammenhang mit Mehringer Nein zum Windpark

21.02.2024 | Stand 21.02.2024, 16:43 Uhr

Das Projekt hätte Investitionen in Höhe von 100 Millionen Euro am Standort Burghausen bedeutet. − Foto: Wacker

Es hätte Investitionen in Höhe von 100 Millionen Euro für den Standort Burghausen bedeutet – nun zieht Wacker vorerst einen Schlussstrich unter dem 2020 gestarteten Wasserstoff- und Methanol-Projekt „Rhyme“. Das verkündete der Chemiekonzern am Mittwoch auf seiner Homepage. Grund seien „die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen“.

Konkret schreibt Wacker: „Die Herstellung von erneuerbarem Methanol ist aufgrund des hohen Strombedarfs und den hohen Stromkosten momentan nicht wettbewerbsfähig gegenüber fossiler Produktion. Um das Projekt heute umzusetzen, bedarf es in den ersten Jahren einer Förderung der Betriebskosten.“

Zweimal in Brüssel mit Anträgen gescheitert

Eine Reihe von Förderanträgen, die das zum Ziel hatten, war nicht erfolgreich“, so der Chemiekonzern, der damit unter anderem auf zwei erfolglose Förderanträge bei der EU anspielt (wir berichteten mehrfach). Wacker hatte viele Hoffnungen in diese Förderanträge gesteckt, deren Einreichung nicht nur eine Menge Aufwand, sondern auch viel Zeit gekostet hatte – bevor jedes Mal dann Brüssel doch wieder eine Absage erteilte.

Nun ist die Zeit laut Wacker aber abgelaufen: „Aus regulatorischen Gründen“ wäre es für das Projekt erforderlich gewesen, vor dem Jahr 2028 in Betrieb zu gehen. „Dies ist aufgrund der fehlenden Förderung zeitlich nun nicht mehr realisierbar.“

Es ist ein herber Schlag für die Bemühungen der heimischen Industrie um eine erfolgreiche Transformation, für die Wasserstoff und Methanol aus nachhaltiger Erzeugung wichtige Bausteine sind. Beides hätte das Projekt „Rhyme Bavaria“ geliefert.: Mit grünem Wasserstoff sollten unvermeidbare CO2-Emissionen dazu genutzt werden, klimaneutrales Methanol für die Produktion von Siliconen herzustellen. Hierfür plante Wacker am Standort Burghausen den Aufbau einer Wasserelektrolyse und einer Methanolanlage. Das Projekt sollte einen ersten Schritt zur Defossilisierung chemischer Prozesse und Produkte demonstrieren.

Kein Zusammenhang mit Windkraft-Abstimmung

Dass diese Pläne nun nicht umgesetzt werden, sorgte im Anschluss an die Bekanntgabe durch Wacker prompt für Spekulationen: Gibt es etwa einen Zusammenhang zwischen dem Rhyme-Aus und dem Nein der Mehringer Bevölkerung zum Windpark im Öttinger Forst? Wacker hatte schließlich auf den hohen Strombedarf hingewiesen, der für das Projekt erforderlich gewesen wäre.

Tatsächlich besteht aber kein Zusammenhang, so ein Sprecher – der Zeitpunkt sei völliger Zufall. Vielmehr hoffe Wacker trotz allem, das Projekt in der Zukunft umsetzen zu können. „Hierfür braucht es veränderte Rahmenbedingungen, insbesondere erneuerbaren Strom in großen Mengen zu wettbewerbsfähigen Preisen sowie eine entsprechende Infrastruktur für Strom und Wasserstoff, zudem regulatorisch niedrigere Umsetzungsbarrieren und unbürokratische Förderprogramme“, schreibt der Chemiekonzern, der verspricht: „Unabhängig von Rhyme Bavaria wird Wacker seinen Weg zur Klimaneutralität konsequent weiterverfolgen.“

− jag/hw