Die Stimmen zur Meisterschaft
„Elf Freunde“ verzaubern: Erlbachs Erfolgsgeheimnis − und warum man trotz acht Abgängen optimistisch nach vorne blick

21.05.2024 | Stand 21.05.2024, 11:33 Uhr

Der Überflieger SV Erlbach präsentierte sich freudestrahlend mit Meisterwimpel und Medaillen den überglücklichen Fans in der Holzbau Grübl Arena. − Fotos: Zucker

Der SV Erlbach ist der Überflieger in der Fußball-Bayernliga Süd – und erhielt nach dem 2:1-Heimsieg im Saisonfinale vor über 700 begeisterten Zuschauern über den Ex-Regionalligisten TSV Rain überschwängliches Lob von allen Seiten.

Im Mittelpunkt stand beim Meister die „Mannschaft aus elf Freunden“, wie der scheidende Kapitän Johannes Maier sagte. Anscheinend hat es der Dorfverein verstanden, ein regelrechtes Wohlfühlklima zu erzeugen und das hat die „Mannschaft wie wir sie so noch nie hatten“ (Rudi Maier, einer von drei Sportlichen Leitern neben Ralf Peiß und Christoph Huber) regelrecht beflügelt und zu diesem Höhenflug animiert.

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- So ausgelassen feiert Erlbach den Titel

- Erlbachs Sieg zum Titel: Die Szenen

Die Truppe von Chefcoach Lukas Lechner, der die fünfte Meisterschaft seiner Karriere als Trainer und die zweite mit Erlbach nach 2021/22 in der Landesliga Südost gefeiert hat, zeigte eine „magische Saison“ (BLSV-Kreisvorsitzender Dieter Wüst) und sorgte mit dem größten Erfolg der Vereinsgeschichte für „einen unvergesslichen Tag“ (Vorstand Manfred Grabmeier). Das Kollektiv um den 18-fachen Torschützen Leonhard „Lenny“ Thiel, das „durch Zusammenhalt und Mentalität glänzt“ (Lukas Lechner), hat sich „brutal weiterentwickelt und einen Riesensprung gemacht“ (Leonhard Thiel).

Als „Beweis der hervorragenden Arbeit“ wertete Dieter Wüst, „wenn sogar Wacker Burghausen auf Spieler aus Erlbach zurückgreift“. Alexander Gordok und Tobias Hofbauer, die es zum großen Nachbarn an die Salzach zieht, waren aber nicht die beiden einzigen Aktiven, die bei der Meisterfeier aus „dem Aushängeschild der Gemeinde“ (Bürgermeisterin Monika Meyer) verabschiedet wurden. Insgesamt muss der „eingeschworene Haufen“ (Lukas Lechner) acht Spieler ersetzen, darunter mit Kapitän Johannes Maier den „Mister Erlbach“, wie Ralf Peiß würdigte. „Man kann nicht in Worte fassen, was Du für den SV Erlbach warst“, sagte der Funktionär in Richtung des 30-Jährigen, der seine Karriere bei seinem Heimatverein beendet und Mitte Juni seinen Kreuzbandriss operieren lässt.

Neben Maier hängt auch Bernd Eimannsberger die Fußballschuhe an den Nagel. Welder de Souza Lima beendet zwar ebenso seine aktive Laufbahn, bleibt dem Klub aber als Torwart-Trainer erhalten. Alexander Gordok und Tobias Hofbauer wechseln zum SV Wacker Burghausen, Julian Scherer zieht es zurück zum FC Töging und Stefan Loher sowie Julian Dolenga gehen mit unbekanntem Ziel.

Peiß blickte dennoch optimistisch nach vorne und versprach: „Wir werden trotz der Abgänge nächste Saison eine sehr gute Mannschaft haben, auch von den Typen her.“ Die ersten Verstärkungen, von denen einige mit ihren bisherigen Klubs noch in der Relegation gefordert sind, sollen in den nächsten Tagen bekannt gegeben werden. Man darf gespannt sein auf die neue Truppe, die Lechner und sein Trainerstab am 14. Juni zum Aufgalopp bitten.

Es sollen weiter „im Umfeld Emotionen geweckt werden“ (Rudi Maier). Vielleicht schon beim Auftaktspiel der Saison 2024/25, für das sich der Titelträger beworben hat (Termin 19. Juli). Ein Wunschgegner stand im Vorfeld mit dem TSV Buchbach auch schon fest, vielleicht schwenkt man ja jetzt um und entscheidet sich für den Absteiger SV Schalding-Heining.

Stimmen zur Meisterschaft



Manfred Grabmeier (Vorstand): Dieser Titel ist nicht hoch genug anzurechnen, diese Leistung kann man nicht hoch genug würdigen. Wir sind sehr stolz und danken der Mannschaft für viele unvergessliche Momente und für diesen unvergesslichen Tag. Wir sind nicht nur Spitzenreiter in der Tabelle, sondern auch in der Zuschauertabelle.

Lukas Lechner (Spielertrainer, die fünfte Saison in Erlbach): Die Jungs sind durch Einsatz, Wille und Spielintelligenz verdient Meister. Unser Erfolgsgeheimnis ist aber auch das Drumherum. Keiner hätte das gedacht. Die Mannschaft glänzt durch Zusammenhalt und Mentalität. Das ist ein eingeschworener Haufen, jeder will den maximalen Erfolg. Es ist einzigartig, wie wir manche Spiele auf unsere Seite gezogen haben. In Erlbach ist alles so familiär. Der Platz ist immer top und jeder Gegner spielt gerne hier. Ich denke, den Erfolg gönnen uns viele.

Hans Grabmeier (Teamchef): Ich habe schon einige Aufstiege mit Erlbach erlebt, aber das ist die Krönung. Das ist ein unglaublicher Erfolg der Mannschaft, die extrem fit ist. Sie setzt die Vorgaben körperlich brutal gut um und holt alles aus sich raus. Wir haben so stabil und mit Struktur nach vorne gespielt, sind immer ans Maximum gegangen. Dann haben wir den Flow erwischt und durchgezogen. Das hat uns keiner zugetraut, umso schöner ist jetzt dieser einmalige Erfolg.

Johannes Maier (Vereinsurgestein und scheidender Kapitän): Das letzte Spiel war eine emotionale Achterbahnfahrt. Niemand hat mit uns vor der Saison gerechnet, wir wurden als Absteiger gehandelt. Aber wir sind eine Mannschaft aus elf Freunden, auf diesem Niveau ist das was Besonderes. Und umso besonderer ist es, wenn man ganz oben aufhören darf. Diese Mannschaft hat Qualität. Wir haben eine starke Defensive und mit Lenny (Thiel, d. Red.) einen Stürmer, der die Saison seines Lebens gespielt und sich das alles erkämpft hat. Und wir haben eine starke Bank, konnten immer gut wechseln.

Alexander Fischer (Defensivmann, seit 2015/16 beim SVE und damit dienstältester Spieler): Wir haben einen brutalen Zusammenhalt im Team und intelligente Spieler. Und wir haben eine große Konstanz gezeigt. Wir wollten eigentlich nur möglichst früh den Klassenerhalt fix machen, aber dann hat sich eine Eigendynamik entwickelt und wir sind durchmarschiert – auch wenn sich im letzten Spiel noch etwas der Kopf eingeschaltet hat. Die Mannschaft war immer diszipliniert in Training und Spiel. Jeder pusht sich, es passt einfach.

Andreas Steer (Torhüter und vor der Saison vom TSV Buchbach gekommen): Wahnsinn, was hier abgeht. Es passt einfach menschlich perfekt hier. Es war die beste Entscheidung, hierher zu kommen. Wir haben mit Abstand die wenigsten Gegentore, das ist ein Verdienst der gesamten Mannschaft. Es ackern alle, von vorne bis hinten. Wir sind so stabil und haben wenig zugelassen. Zunächst haben wir nur von Spiel zu Spiel geschaut. Vor dem vorletzten Spiel haben wir dann an den Titel geglaubt. Und selbst nach dem Ausgleich gegen Rain war der Glaube da. Dann haben wir es mit einem echten Teamtor geschafft.


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