Dritter Teil der Wöhrsee-Serie
Einst wurde am heutigen Burghauser Badesee Eis zur Kühlung verderblicher Güter abgebaut

20.05.2024 | Stand 20.05.2024, 16:57 Uhr |

Wenn es acht Tage lang kalt genug war, wurden die Eisplatten herausgesägt, mit Haken und Zangen ans Ufer geholt und mit Pferdefuhrwerken zu den Brauereien gebracht.  − Fotos: Haus der Fotografie

Im Sommer kühlen sich heutzutage täglich hunderte Menschen im Wöhrsee ab. In vergangener Zeit wurde sein Eis im Winter zum Kühlen genutzt. Bis zum 3. November hat im Stadtmuseums die Sonderausstellung „Der Wöhrsee – mehr als nur ein Badesee“ geöffnet. Sie erzählt die Geschichte des Sees, der einst eine eiszeitliche Schleife der Salzach war. Begleitend zur Ausstellung berichten Stadtmuseum und Anzeiger in einer Wöhrsee-Serie über die Vielfalt und Funktionen des Sees. Im dritten Teil geht es um die Zeit als am Wöhrsee Eis abgebaut wurde.

Bis zur Erfindung der künstlichen Kälte durch Carl von Linde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden verderbliche Güter mit Hilfe von Natureis und Schnee gekühlt. Neben Wirten, Metzgern und Krankenhäusern benötigten vor allem die Bierbrauer große Mengen an Eis. Es diente nicht nur zur Kühlung des Bieres, sondern war bei der Herstellung untergäriger Biere unerlässlich, da hierfür Temperaturen von 4-9 Grad Celsius benötigt werden. Bis 1865 war in Bayern das Brauen nur von Oktober bis April erlaubt. Damit das im Winter gebraute Bier bis in den Sommer genießbar blieb, wurde es stärker gehopft und in mit Eis befüllten Bierkellern gelagert. Erst die Ausweitung des Handels mit Natureis – das Eis wurde bei Bedarf bis aus Norwegen herangeschafft – machte es möglich, das sommerliche Sudverbot aufzuheben.

Im Jahr 1762 gab es in Burghausen zwölf Brauereien, im Jahr 1840 noch neun. Viele von ihnen besaßen Bierkeller, die in den Burghang hineingebaut waren. Das Eis zur Kühlung des Bieres lieferte der im Winter zugefrorene Wöhrsee. Lagen die Temperaturen acht Tage lang deutlich unter dem Gefrierpunkt, konnte mit der Eisgewinnung begonnen werden. Das „Abeisen“ oder „Eisen“ war eine gefährliche und Kräfte raubende Arbeit. Zunächst wurden bis zu einem Quadratmeter große und 20 Zentimeter dicke Eisplatten aus der Eisfläche herausgesägt. Danach zog man sie mit Haken und Zangen ans Ufer und lud sie auf Pferdefuhrwerke, die sie zu den Brauereien brachten.

Die weiteren Teile der Wöhrsee-Serie sowie weitere Artikel rund um den Lieblingssee der Burghauser finden sie hier.