Leben für Familie und Bauernstand
Ehrenkreisbäuerin und ehemalige Kreisrätin Franziska Ströber aus Feichten gestorben

20.05.2024 | Stand 20.05.2024, 14:45 Uhr
Maria Vogl-Reichenspurner

Franziska Ströber †

Als leidenschaftliche Bäuerin und Kommunalpolitikerin hat Landrat Erwin Schneider Ehrenkreisbäuerin Franziska Ströber gewürdigt. Eine große Trauergemeinde nahm am Freitag mit einem Requiem in der Pfarrkirche von Feichten Abschied von der am 4. Mai nach längerer schwerer Krankheit im 83. Lebensjahr Verstorbenen.

Pfarrer Michael Witti schilderte „Fannerl“, wie sie alle nannten, als eine tief im Glauben verwurzelte Frau, die wusste, wie es um sie stand: Sie hatte bei einer Vorsorgeuntersuchung erfahren, dass sie an einem bereits fortgeschrittenen Krebsleiden erkrankt war.

Kinder, Enkel, Hof und Geranienzucht waren Lebensinhalte



Als Franziska Wimmer war sie am 18. September 1941 in Gasteig, Gemeinde Unterneukirchen, zur Welt gekommen und mit einem Bruder aufgewachsen. Ihre Ausbildung in der ländlichen Hauswirtschaft hatte sie nicht abschließen können, weil ihre Mutter starb, als sie erst 15 Jahre alt war. Früh musste sie daher Verantwortung auf dem elterlichen Hof übernehmen und Haus- und Stallarbeit verrichten. Auf einer Hochzeit in Halsbach lernte sie ihren späteren Mann Mathias kennen, auf der Altöttinger Hofdult verfestigte sich der Kontakt und am 2. Oktober 1962 heirateten die beiden und übernahmen den Hof in Edelham. Ihre Kinder Hans und Maria und die beiden Enkel, der Hof mit Milchwirtschaft, den es später zu modernisieren galt, der Garten mit Obst und Gemüse und die Leidenschaft zur Geranienzucht waren ihre Lebensinhalte.

Aber auch das Gemeinwohl lag ihr am Herzen: Sie engagierte sich 35 Jahre als Ortsbäuerin, war 30 Jahre Kreisbäuerin und 24 Jahre Mitglied der CSU-Kreistagsfraktion. Sie war Gründungsmitglied des Landfrauenchors, und selbst im Ruhestand – nach der Übergabe des Hofs 2008 – engagierte sie sich für die Allgemeinheit, war fest eingebunden in die Pfarrgemeinde, schrieb ihre Familienchronik und übernahm ganz selbstverständlich und aus ihrem tragenden Glauben heraus, wie der Pfarrer betonte, die Pflege ihres Mannes bis zu dessen Tod im Januar 2024. „Mit Kraft und Gottvertrauen hat sie ihre letzte Wegstrecke geschafft, bis am 4. Mai ihr Herz zu schlagen aufgehört hat“, so Pfarrer Witti. Sein „Behüt’ Dich Gott“ griff die Familienmusik mit Chrissi und Hans Huber auf und trug beim Gottesdienst das dazu passende Lied vor. Mit dem von Dr. Günther Datz gesungenen „Ave Maria“ und einem Lied des Landfrauenchors endete der Trauergottesdienst, dem einige Ansprachen folgten.

Starke Stimme bei wichtigen Entscheidungen im Kreistag



Landrat Erwin Schneider würdigte die Verstorbene als eine Frau, die mit beiden Beinen in der Welt stand. Sie habe stets ein offenes Ohr für die Menschen und insbesondere für die Belange der Landwirtschaft und die Kontakte zu den Verbänden und Organisationen gepflegt. Aber nicht nur für die Belange der Landwirtschaft habe sich Ströber eingesetzt, sie habe auch in wichtigen Entscheidungen im Kreistag und in verschiedenen Ausschüssen eine starke Stimme gehabt. Besondere Anerkennung verdiene, so Schneider, dass das Wirken Ströbers in eine Zeit gefallen sei, in der die Landwirtschaft einen noch nie dagewesenen Umbruch erlebte. Mit Franziska Ströber sei eine leidenschaftliche Bäuerin und Kommunalpolitikerin und eine großartige Frau gegangen.

Fannerl Ströber, so Kreisbäuerin Gabriele Eberl, habe sich in ihrer Zeit als Orts- und Kreisbäuerin großartig für den Bauernstand engagiert. Ein besonderes Anliegen seien ihr die Landfrauentage und die Lehrfahrten für Bäuerinnen gewesen, enttäuscht sei sie über mangelnde Beteiligung in jüngerer Zeit gewesen, in der immer weniger Interesse am Ehrenamt bestehe. „Mit ihrem Wirken und Einsatz ist unser liebes Fannerl für alle ein Vorbild“, so Eberl. Ihre Verdienste um den Landfrauenchor würdigte Sprecherin Christa Baisl: „Bayerisches Liedgut zu erhalten und die Auftritte des Chors beim Landfrauentag waren ihr ein großes Anliegen.“ Fannerl Ströber habe ihren Glauben gelebt und die Landwirtschaft geliebt, so Baisl.

„Schee, dass wir dich bei uns g’habt ham“



Ehe sich die große Trauergemeinde am Grab unter Blasmusik des Musikvereins Feichten von der Verstorbenen verabschiedete, ergriff Regina Parzinger für den Frauenbund Feichten das Wort. Fannerl Ströber habe eine große Lücke im Verein hinterlassen. „Schee, dass wir dich bei uns g’habt ham“, so Parzinger.