Freilichtspektakel in Halsbach
„Das Schwarze Jahr“ auf Waldbühne wird im Juni zum 40. Mal aufgeführt

25.05.2024 | Stand 25.05.2024, 15:00 Uhr

Die Panduren überfallen die Schmiede. Die Schmiedfamilie (rechts) kann dem wilden Treiben nur tatenlos zusehen. − Fotos: Raphael Traup

Die Gemeinde Halsbach im südlichen Landkreis Altötting taucht wieder in die Vergangenheit ein. „Das Schwarze Jahr“, jenes Freilichtspiel, in dem die eigene Geschichte lebendig wird, die Erzählung von der Schmied-Familie in den Jahren 1742 und 1743, wird heuer im Juni gezeigt, zum 40. Mal.

Zwischen 14. und 22. Juni hebt sich der Vorhang viermal für das Freilicht-Spektakel auf der Waldbühne bei Spielhof in der Gemeinde Halsbach. 1984 war das Stück aus der Feder von Martin Winklbauer zum ersten Mal aufgeführt worden.

Es beruht auf einer überlieferten Begebenheit. Der Österreichische Erbfolgekrieg, in Österreich der Bayerische Erbfolgekrieg genannt, versetzte damals das gesamte Dorf Halsbach in großen Schrecken. Die Panduren, eine aus dem heutigen Ungarn stammende Freischärlereinheit, die an der Seite Maria Theresias kämpfte, plünderten und drangsalierten die Bevölkerung. Sie brachten außerdem eine sehr ansteckende Krankheit mit.

Votivbild in Halsbacher Pfarrkirche erinnert an Ereignisse



Ein großes Votivbild in der Halsbacher Pfarrkirche St. Martin erinnert noch heute an die Ereignisse von damals. Die Panduren lagerten in und um Halsbach. Sie waren ein Bestandteil der kaiserlich-habsburgischen Truppen, die weite Teile des Kurfürstentums Baiern besetzt hatten.

„Im Jahr des großen Sterbens“, so beginnt der Text unter dem großformatigen Ölgemälde, und es zeigt, wie die Truppen brandschatzten, raubten, vergewaltigten und auch töteten. Fast über ein Jahr peinigten sie die Einwohner des kleinen Ortes. Und sie brachten eine Krankheit mit, die Cholera, den „Sterb“, wie die Menschen damals sagten.

Regisseur machte vor 40 Jahren Theaterstück daraus



Martin Winklbauer, Autor, Regisseur und Mitspieler, hat aus diesem Stoff schon vor 40 Jahren ein Theater für alle Sinne gemacht. Denn in Halsbach auf der Waldbühne bei Spielhof wird nicht nur ein ergreifendes Theaterstück präsentiert,die Halsbacher spielen nicht, sie leben ihre Geschichte. Ein wichtiger Bestandteil des Freilichtspektakels ist das bunte Markt- und Lagertreiben, das die Zuschauer mit zeitgenössischen Gauklern, mit Kaufleuten und fahrendem Volk einstimmt auf die Zeit vor etwa 280 Jahren.

In manchen Halsbacher Familien sind mittlerweile bis zu drei Generationen auf der Bühne oder im zeitgenössischen Lagertreiben engagiert. Und Teil des Spektakels sind auch die wilden Reiterhorden der Panduren. So entsteht ein Sittengemälde einer längst vergangenen Zeit, das immer noch viele Parallelen in die Gegenwart hat.

Die Aufführungen finden auf der Waldbühne bei Spielhof in der Gemeinde Halsbach im südlichen Landkreis Altötting statt. Sie beginnen am Freitag, 14., Samstag, 15., Freitag, 21., und Sonntag, 22. Juni, jeweils ab 20.30 Uhr. Zuvor ab 18.30 Uhr stimmt das zeitgenössische Lagertreiben die Besucher auf die Zeit des Erbfolgekrieges ein.

− red


Karten gibt es beim „Kramer Martl“, in der ehemaligen Bäckerei Huml, an der Burgkirchener Straße in Halsbach oder unter www.theater-halsbach.de.