„Ohne Wirtshaus ist Gemeinde tot“
Altöttings DEHOGA-Kreisverband kritisiert erneut Mehrwertsteuererhöhung

12.04.2024 | Stand 12.04.2024, 17:00 Uhr
Alfons Maier

Sie trafen sich bei der der InfraServ (v.l.): Kreisvorsitzender Ernst Raspl, die Referenten Viktoria Zunterer, Doris Kallinger, Christian Wieser, Thomas Quiram und Thomas Wiesbauer. − Foto: Maier

Das Betriebsrestaurant der InfraServ Burgkirchen war am Mittwochabend der Treffpunkt für die diesjährige Versammlung des Altöttinger Kreisverbandes des Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA).

Zuvor besichtigten die Mitglieder die Großküche, in der täglich 800 Mittagessen für die Mitarbeiter der InfraServ zubereitet werden, mit Küchenbetriebsleiter Christian Wieser an.

Er ist maßlos enttäuscht, dass die Regierung den Mehrwertsteuersatz – trotz heftiger Proteste der Betriebe – wieder erhöht hat, sagte DEHOGA-Kreisvorsitzender Ernst Raspl. „Wir dürfen unsere Arbeit in der Gastronomie nicht unter Wert verkaufen, denn der Service, die Qualität der Speisen und die Gastfreundschaft ist das Plus unserer heimischen Gastronomie.“ Denn: „Ohne Wirtshaus ist die Gemeinde tot“, betonte er.

Gschwendtner: „Der Landkreis braucht seine Wirtshäuser“



Die heimischen Gastronomiebetriebe hätten in den vergangenen Jahren gelernt, dass sie für jede Herausforderung bereit sind, sagte stellvertretender Landrat Hubert Gschwendtner. Kaum eine Branche sei so stark von der Flexibilität gekennzeichnet, wie die Gastro- und Hotelbranche. „Der Landkreis braucht seine Wirtshäuser und zwar nicht nur als Ort, an dem man gut essen und trinken kann, sondern auch als sozialen Treffpunkt in der Gemeinde sowie als Ort des Zusammengehörigkeitsgefühls“, stellte der stellvertretende Landrat heraus.

Gute Nachrichten für den DEHOGA-Kreisverband sind hingegen, dass die Mitgliedsbetriebe zusammenhielten die Ausbildungszahlen stiegen, so Kreisvorsitzender Ernst Raspl.

Zwei große Gastronomie-Klassen im ersten Ausbildungsjahr



Das berichtete auch Oberstudienrätin Doris Kallinger von der Gastronomie-Abteilung der Beruflichen Schulen Altötting. So konnten im Schuljahr 2023/2024 konnten zwei große Gastronomie-Klassen im ersten Ausbildungsjahr mit jeweils 25 Schülern gebildet werden. Neben zwei 11. Hotelfach- und Köche-Klassen, wird die 12. Klasse zum letzten Mal als Berufsgruppe beschult. Kallinger erklärte auch kurz die neue, gestreckte Abschlussprüfung der Hotelfachleute und Köche. Sie erwähnte, dass die praxisbezogene Fachaufgabe bei den Hotelfachleuten nun auch an der Berufsschule in Altötting abgehalten werden kann.

Beim diesjährigen Jugendwettbewerb erwies sich die Investition des Landkreises in ein neues Hotelzimmer als Vorteil. Um weiterhin Jugendliche für einen Ausbildungsberuf in der Gastronomie zu begeistern, organisiert der DEHOGA-Kreisverband mit Unterstützung von Lehrkräften der Gastro-Abteilung und in Kooperation mit Mittelschulen Berufsinformationstage in den heimischen Betrieben.

Das heimische Gastgewerbe sei „die Visitenkarte Bayerns“, meinte Thomas Quiram, Regionalgeschäftsführer der DEHOGA. Auch er plädiert er für die Rücknahme der Steuererhöhung auf Speisen. „Nur sieben Prozent Mehrwertsteuer auf Speisen wären fair und gerecht“, sagte Quiram. Des Weiteren gab der Regionalgeschäftsführer bekannt, dass in diesem Jahr wieder zahlreiche Veranstaltungen und Seminare für die Mitglieder stattfinden.

Informationen über die telefonische Krankschreibung



Wirtschaftsjuristin Viktoria Zunterer informierte ausführlich über die telefonische Krankschreibung, Erhöhungen von Mindestlohn und Minijobgrenze und die Beweiswirkung der Arbeitsunfähigkeit.

Über Betriebsprüfung und Kassennachschau sprach Dr. Christopher Arendt, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Steuerrecht und nannte auch Beispiele.

Einen Überblick darüber, wie Mitarbeiter mit Hilfe einer betrieblichen Krankenversicherung gewonnen und auch im Unternehmen gehalten werden können, gab Thomas Wiesbauer. Zudem stellte der Kaufmann für Versicherungen den Gesundheitsservice der Gothaer vor.

Abschließend verkündete DEHOGA-Kreisvorsitzender Ernst Raspl, dass die nächsten Termine mit dem Gastrofrühling und dem Wirt Stammtisch auf der Hof Dult stattfinden werden.

DIE GEEHRTEN

Einige langjährige Mitglieder sollten eigentlich bei der Kreisversammlung geehrt werden, weil diese verhindert waren, entfiel die Würdigung und wird nachgeholt.
Schon 20 Jahre Mitglied sind Reinhard Hangöbel (Mezzo’s, Burghausen) und Georg Schartner (Wirtssepperl, Garching/Alz). Bereits seit 70 Jahren dabei ist Johanna Deutzer-Mayer (Hotel Lindacher Hof, Burghausen).