„Haben das so nicht kommen sehen“
„Siegfried“-Premiere am Landestheater Niederbayern in Landshut plötzlich abgebrochen

07.11.2022 | Stand 07.06.2024, 22:34 Uhr |

Von Raimund Meisenberger

Es sollte die große Fortsetzung von Richard Wagners „Ring des Nibelungen“ werden am Sonntagnachmittag im Theaterzelt des Landestheaters Niederbayern in Landshut. Doch im zweiten Akt tritt Siegfried-Darsteller Michael Heim plötzlich aus seiner Rolle heraus und wendet sich direkt ans Publikum.



Er singt nicht, er spricht: Es täte ihm sehr leid, er könne nicht mehr weiter machen. Unterstützender, tröstender Applaus, der Vorhang schließt sich, die Premiere endet, bevor Siegfried auf den Drachen trifft.

Intendant Stefan Tilch tritt vor den Vorhang und bittet um ein bisschen Geduld, man müsse sich erst beraten, was nun zu tun wäre. Wenig später, gegen 18.30 Uhr, verkündet der Intendant: „Wir haben das so nicht kommen sehen.“ Er erklärt die Vorstellung vorzeitig für beendet, das Publikum bekomme das Geld zurück oder könne die Karten umtauschen für eine spätere Aufführung der Oper.

Um den Abend nicht im Frust zu beenden, bietet er dem Publikum an, nach 20 Minuten Pause noch einmal ins Zelt zu kommen, man werde Auszüge aus dem dritten Akt aufführen, bei denen Siegfried nicht beteiligt ist.

Die Aussage des Intendanten, man habe den Abbruch nicht kommen sehen, überrascht insofern, als Stefan Tilch vor Beginn des ersten Aktes, und ebenso beim Empfang vor der Vorstellung, das Publikum bereits darauf hingewiesen hat, Michael Heim sei bereits seit einer Woche krank. Er habe sich in der Zugluft des Theaterzelts schwer erkältet, habe Husten und Fieber. Seine Stimme sei nicht betroffen, die Krankheit sei allerdings nicht abgeheilt.

Michael Heim hat diese Premiere krank angetreten und konnte sie nicht zu Ende führen. Wie Theater-Sprecher und Betriebsdirektor Konrad Krukowski auf Anfrage der PNP sagte, hätte das Haus einen Ersatzsänger besorgt oder die Vorstellung abgesagt, wenn Michael Heim vorab gesagt hätte, er könne nicht singen. Dies sei nicht der Fall gewesen. „Wir zwingen niemanden auf die Bühne.“