Moderne Version
Klassiker neu verfilmt: Berchtesgadener spielt Sisis Vater im TV

28.12.2021 | Stand 22.09.2023, 2:06 Uhr

Früher spielte er in "Traumschiff" und "Rosamunde Pilcher". In "Sisi" zeigt sich Marcus Grüsser als Herzog Max in Bayern schauspielerisch gereift. −Foto: ORF/Beta Film/RTL/Story House Pictures/Lukas Šalna

Der traditionelle Weihnachtsklassiker neu verfilmt: Der gebürtige Berchtesgadener Marcus Grüsser spielt in der RTL-Serie "Sisi" Herzog Max in Bayern, den Vater von Elisabeth, der späteren Kaisern von Österreich.

"Die Liebesbeziehung zwischen Franz und Sissi ist zwar der rote Faden, aber die Erzählweise ist der heutigen Zeit angepasst", sagt Grüsser im Gespräch mit dem Feuilleton unserer Zeitung. Gedreht wurde u.a. am Hintersee in Ramsau, am Wachterl und in Schwarzbach. Nachdem der Sechsteiler schon im kostenpflichtigen Bezahlangebot des Senders RTL+ zu sehen war, läuft die Produktion ab 28. Dezember im linearen Fernsehen auf RTL.



Die Drehbuchautoren haben sich für das Historiendrama in moderner Erzählart große Freiheiten genommen: Gleich zu Beginn erwischt der Zuschauer Sisi beim Masturbieren, während der noch junge Kaiser in Bordellen unterwegs ist. Die Handlung orientiert sich an der Historie, das Zwischenmenschliche wird frei erzählt. "Das alles ist der heutigen Zeit angepasst", sagt Grüsser. "Ein Touch von RTL, ein bisschen Nacktheit."

Bereits mit sechs Jahren war für Marcus Grüsser klar, dass er Schauspieler werden möchte, was mit einer gewissen Schwierigkeit verbunden war. Als Kind stotterte der heute 55-jährige, der in Berchtesgaden aufwuchs, die dortige Christophorusschule am Dürreck besuchte, später in Marquartstein und in Hessen zur Schule und aufs Internat ging, heute im Chiemgau zuhause ist: "Ich habe Schauspieler bewundert, die in ihrer Rolle sorglos über ihre Gefühle sprechen können", sagt er.

Schauspielerei als "Art von Therapie"

Im Internat trug er sich für die Theatergilde ein. Die Zuversicht, auf der Bühne zu stehen, war zunächst gering, da ihn seine Mitschüler auslachten. "Und siehe da: Als ich dann oben stand, war das Stottern verschwunden." Es sei für ihn fast eine Art von Therapie gewesen, sagt Grüsser, der in vielen deutschen TV-Produktionen mitwirkte: In den 90ern war er als junger Mittzwanziger in "Derrick" zu sehen. Es folgten Auftritte in "Forsthaus Falkenau", in der RTL-Serie "Hinter Gittern – Der Frauenknast", in "Soko 5113".

Marcus Grüsser hat die Bundeswehr besucht, "das war meine erste Schauspielschule", sagt er mit einem Grinsen. "Das war nichts für mich, und so lernte ich, sämtliche Krankheiten vorzutäuschen." Parallel dazu begann er als 19-Jähriger eine Ausbildung bei der Stuntschule "Professional Action Stunt Bavaria" in München als Stuntman, wirkte bei den Anfängen der "Bavaria Stunt Show" mit. Ein Foto, Grüsser auf dem Autodach, landete in einer Boulevardzeitung und – vom Vorgesetzten persönlich überbracht – auf dem Bundeswehr-Schreibtisch von Grüsser. "Das war fatal. Mein Chef war nicht sehr begeistert." Die Bundeswehr war passé: Es folgte eine Schauspielausbildung im Zinner Studio München, später besuchte er das Lee Strasberg Institut in Los Angeles.

Zahlreiche Rollen

Sein Aussehen war es schließlich, dass ihm die Rolle des charmanten Herzensbrechers zuwies. Gebucht wurde Marcus Grüsser für viele "Rosamunde Pilcher"- und "Inga Lindström"-Verfilmungen, für die Fernsehreihe "Im Tal der wilden Rosen", für das allseits bekannte "Traumschiff". Von 2010 bis 2017 übernahm er als Stefan Herbst in "Kreuzfahrt ins Glück" die Rolle des Hochzeitplaners, schipperte mehrere Monate im Jahr über die Weltmeere. Die Kreuzfahrt ins Glück war für Grüsser nach acht Jahren beendet.

Um sich weiterentwickeln zu können, mussten andere Rollen her. "Es ging dann super für mich weiter". Grüsser drehte 2019 "Die wahre Schönheit", er spielt Theo Kaufmann, einen von Versagensängsten geplagten Mann, dessen größter Wunsch es ist, Romanautor zu werden. "Ein Taugenichts, der im Schatten seiner Frau steht". Beim Near Nazareth Festival wurde der Beitrag dieses Jahr als bester Film ausgezeichnet.

Zum Teil 250 Personen am Set

Das Angebot, bei "Sisi" mitzuspielen war für Marcus Grüsser Chance und Beweis, schauspielerisch gereift in die Rolle des Vaters von Elisabeth schlüpfen zu können. "Es war eine Riesenproduktion", erinnert er sich an die im vergangenen Jahr abgedrehte Serie, die bereits ins Ausland verkauft ist. Allein bei der Hochzeitsszene seien 250 Leute am Set gewesen. Weite Teile der Fernsehserie wurden dabei in Lettland und Litauen gedreht, aber auch in Grüssers alter Heimat rund um Berchtesgaden.

2020 sei ein mageres Jahr gewesen, 2021 dagegen "ausgezeichnet", der Startschuss für so viele Serien und Filme wie kaum je zuvor. Marcus Grüsser ist seit Kurzem als Gastdarsteller in der deutschen Amazon-Prime-Produktion "Der Beischläfer" zu sehen. Groß soll es in jedem Fall weitergehen: RTL hat bereits angekündigt, dass es eine zweite Staffel von "Sisi" geben wird.

Kilian Pfeiffer

•Je zwei Folgen heute sowie Mi. und Do, 29. und 30. Dezember, je 20.15 Uhr (und auf RTL+)

•Trailer auf pnp.de/kultur