Köln/Landkreis Erding
"Bauer sucht Frau"-Kandidat: I bin da Simon, aba wo bin i dahoam?

15.10.2015 | Stand 19.09.2023, 21:25 Uhr |

Ein Chiemgauer ist er zwar nicht, aber zumindest ein gestandener Bayer: Ferkelerzeuger Simon (40) mit den beiden Frauen, die er zum "Bauer sucht Frau"-Scheunenfest geladen hatte. Michi (links) nahm er im Anschluss mit auf seinen Hof. Im Hintergrund Moderatorin Inka Bause. − Foto: RTL/Stefan Gregorowius

"Sechs Jahre ging der Kelch an uns vorbei. Jetzt fängt die Gaudi wieder an", denkt sich die Heimatzeitung-Redakteurin, schnauft einmal tief durch, und beginnt mit der Recherche. Einer der aktuellen "Bauer sucht Frau"-Kandidaten soll also aus dem Chiemgau kommen. 2009 konnte der "fromme Milchbauer Josef" seine Narumol dank der RTL-Kuppelshow nach Pittenhart holen, jetzt sucht der "sanfte Schweinebauer Simon" das große Glück. Da stellt sich die Frage: Who the fuck is Simon, und wo ist er dahoam?

So schwer kann’s wohl nicht werden, investigativ ist das noch lange nicht. Den Anruf im RTL-Pressezentrum kann man sich sparen. Diese Erfahrung machten wir vor sechs Jahren. Aber für was kennt man einen Insider? Der Pittenharter Josef wird es ja wohl wissen, wenn da wieder ein Kollege aus dem Chiemgau am Start ist. Doch weit gefehlt: "Ich hab keine Ahnung, wo der Simon her ist", sagt "Bauer sucht Frau"-Veteran Josef am Telefon.

Viele Telefonate, kein Ergebnis - also ab vor den Fernseher

Auf der Homepage von RTL hält man sich bedeckt. Simon wohne mit seiner Mutter Cäcilia auf einem 15 Hektar großen Hof am schönen Chiemsee, heißt es da. Er fährt gerne Quad, ist Ferkelerzeuger, 40 Jahre alt und gelernter Landmaschinenmechaniker. Und er sucht "eine Frau mit normaler Figur, die zu mir hält und mit der ich mich gut unterhalten kann". So weit, so schlecht. Noch ein paar Anrufe bei Landwirten, die man so kennt. Aber der Ferkelerzeuger Simon sagt keinem was. Allmählich komme ich mir vor wie bei "Frau sucht Bauer". Da hilft nur nachsitzen. Abendliche Recherche vor dem Fernseher. Geschaut wird mit doppelter Aufmerksamkeit: Eine Kollegin bei sich daheim vor dem Fernseher, ich daheim vor dem Fernseher, und stetiger Austausch der Erkenntnisse und Eindrücke via sozialer Medien. "Der wirkt bisher am nettesten", schreibt die Kollegin. "Untertitel sind eine Frechheit", meine ich, schließlich spreche der Simon ein astreines Bayerisch. Mit in den Chiemgau darf am Ende Michi aus Mecklenburg-Vorpommern.

Volle Aufmerksamkeit ist gefordert, als Michis Ankunft im Chiemgau gesendet wird. Eine Straßenansicht, ein markanter Berg im Hintergrund – alles könnte Aufschluss über Simons Wohnort geben. Doch da, Michi fährt mit dem Bus vor. Das Kennzeichen ist sauber gepixelt, aber zur allseitigen Verwirrung fährt die Auserwählte im MVV-Bus vor – dem Münchener Verkehrs- und Tarifverbund. "Wir haben RVO", schreibe ich. "Wo ist denn für RTL der Chiemgau???", fragt sich die Kollegin. Dann einige Zeit keine Kommunikation unter uns. Beide googeln den MVV-Fahrplan. Mit der tollen Erkenntnis, dass der MMV ab Jahresende auch bis Wasserburg fährt – das könnte man zumindest als Chiemgau durchgehen lassen.

Aus Dorfen sei er, heißt es tags darauf in der Gerüchteküche. Am Mittwoch dann des Rätsels Lösung: Simon ist im Landkreis Erding dahoam. Bei dem in Köln ansässigen Sender räumt man ein, dass er nicht wirklich am Chiemsee wohnt. Gut erkannt. Damit ist kein Chiemgauer Kandidat in dieser Staffel dabei. Auch recht.