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vom 03.07.2009
Links, rechts - und hinein ins Leben
Wie in Pocking aus einem Integrationsprojekt eine überregional erfolgreiche Box-Staffel entstand
Von Martin J. Freund „Hermann, aber heute machen wir kein Training mehr.“ Andreas Budan (16) hat seine zusammengeschnürten Boxhandschuhe über die Schulter geworfen und lacht schelmisch seinem Abteilungschef zu. Im PNP-Druckzentrum hat er soeben zusammen mit seinem gleichaltrigen Teamkollegen Daniel Groß ein ungewöhnliches Objekt bearbeitet: eine Rolle Zeitungspapier, fünf Tonnen schwer. Der Sandsack daheim in Pocking ist fürs Boxtraining halt doch besser geeignet. Aber was macht man nicht alles fürs Foto. Andreas Budan schnauft. Doch Hermann Röse, der Abteilungschef, bestätigt, was der wackere Rollen-Boxer ohnehin erwartet hat: Selbstverständlich wird am Nachmittag trainiert. Andreas Budan und Daniel Groß sind so etwas wie die Vorzeige-Boxer des SV Pocking - was in erster Linie daran liegt, dass die
Der Trainer - ein Streetworker beiden als deutscher Junioren-Meister bzw. süddeutscher Junioren-Vizemeister sportlich bemerkenswerte Meriten gesammelt haben. Als bayerische Meister haben zudem Roman Gorst und Florian Hackinger den Namen des SV Pocking auf Siegerlisten gebracht. Eine erstaunliche Entwicklung für ein Projekt, das vor acht Jahren angelegt wurde, um Jugendliche von der Straße wegzubringen. So ist Trainer Christian Walter als Streetworker angestellt. Gefördert werden die Pockinger Boxer vom Diakonischen Werk Passau. „Dass bei uns einmal um Meistertitel geboxt würde, haben wir zu Anfang auch nicht gedacht“, sagt Hermann Röse und lächelt. Nun steht auf seiner Visitenkarte: „Boxpromoter“. Und zu promoten gibt es ja einiges. Bei Vergleichskämpfen sind die jungen Pockinger SV-Faustkämpfer gefragte Athleten. Andreas Budan war mit der Bundesliga-Staffel des BC Eichstätt fünf Tage in Bosnien, wie Daniel Groß hat er für die bayerische Auswahl Länderkämpfe absolviert. Beim Pfingst-Boxen vor heimischer Kulisse waren 2500 Interessierte der sichtbare Beweis, dass das Pockinger Sozialprojekt längst über sich hinausgewachsen ist. „Ich fühle mich wohler als vorher“, sagt Andreas Budan. Vorher, damit meint er die Zeit vor dem Boxen. Die Zeit mit Rumhängen, „mit falschen Freunden“, wie er sagt. Wie die meisten Pockinger Boxer ist Andreas Spätaussiedler-Kind, geboren in Kasachstan. Als er sechs war, zog die Familie nach Deutschland. Richtig angekommen ist er erst durchs Boxen. „Ich fühle mich respektiert“, spricht der 16-Jährige von neuer Selbstwahrnehmung. Dabei war der Weg ins neue Leben nicht mal weit: Die Trainingshalle an der Indlinger Straße hat denselben Eingang wie der Jugendtreff. „Die Aggressionen kann man da drin ganz
„Ich fühle mich respektiert“ gut loswerden“, sagt Hermann Röse und deutet zurückliegende schwierigere Zeiten seiner Faustkämpfer nur indirekt an: „Wenn die viermal die Woche trainieren, verlangen die nach nichts mehr.“ Andreas Budan will erstmal im Boxen so viele Erfolge sammeln wie möglich, später Physiotherapeut werden. Wie Daniel Groß besucht er in Pocking die 10. Klasse der Hauptschule, wo gute Schulleistungen und Sport-freundliche Lehrer die Box-Karriere begünstigen. Daniel träumt von der deutschen Meisterschaft und von einem Platz im Sportinternat Heidelberg. Später will er Einzelhandelskaufmann werden. Das Boxen hat den Weg gewiesen.
Die nächsten Termine: Am Sonntag, 5. Juli, stellen die Pockinger SV-Boxer dem TSV Mühldorf vier Kämpfer für den Vergleich in Ampfing gegen den VfL Waldkraiburg zur Verfügung. Am Sonntag, 12. Juli, steigt in Germering der Rückkampf gegen den BC Piccolo Fürstenfeldbruck.
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