
Auf der Bühne steht er wohl bis ich nicht mehr reden kann, sagt Liedermacher Hans Söllner in Ortenburg zur PNP − Foto: Duschl
Auf der Bühne steht er wohl bis ich nicht mehr reden kann, sagt Liedermacher Hans Söllner in Ortenburg zur PNP − Foto: Duschl
Er wurde bekannt als Bayerischer Rebell, seine Lieder sind seit 25 Jahren Kult: Hans Söllner (55). Am Donnerstagabend spielte der Bad Reichenhaller beim Zeltfestival in Ortenburg (Lkr. Passau). Vor dem Auftritt sprach der Liedermacher ("Hey Staat", "Marihuanabam", "Oiwei I") mit der Heimatzeitung über seine Pläne, Glück und die gescheiterte Olympia-Bewerbung von München 2018. Sein Programm findet der Söllner, der an Heiligabend 2011 seinen 56. Geburtstag feiert, zeitlos, das bestätigt das Publikum in Ortenburg: Vor Ort sind Kinder, die mit ihren Eltern, dem Liedermacher zujubeln, Jugendliche, die ihn "cool" finden und Erwachsene bis zum 70-Jährigen, die in den Texten vom "Hans" viel wahres hören.
Hans, deine letzte CD "Viet Nam" ist 2007 erschienen, 2009 hast du noch das Hörbuch "Bloß a Gschicht" veröffentlicht. Machst du nochmal was Neues?
Hans Söllner: (überlegt) "Ich glaube, dass Problem auf dieser Welt ist, dass jeder meint, was Neues bringen zu müssen. Manchmal wäre es gscheiter, wenn die Leute nix Neues machen würden, es ist nicht immer Qualität, was da daher kommt. Zum Beispiel die Olympia-Bewerbung: 13 Millionen von unserem Geld für etwas, das wir nicht bekommen haben. Eine Kati Witt hat das bestimmt nicht umsonst gemacht, die bekommt ihr Geld aber trotzdem. Wenn zu meinem Konzert keiner kommt, seh ich keinen Cent. Das am Rande. Ich habe ein zeitloses und zeitgemäßes Programm: Hey Staat hab ich vor 25 Jahren gesungen und es passt heute genauso. Vielleicht übersetz ich meine Lieder mal ins Englische und spiel sie in Italien (lacht)."
Aber der Liedermacher will doch nicht ein Leben lang dieselben Lieder spielen?
Hans Söllner: "Ich bin doch nicht unkreativ weil ich seit Jahren die gleichen Lieder singe. Auf meinem Ipod sind ein Haufen neuer Lieder, die ich für mich geschrieben hab, die ich daheim spiele. Ich muss niemanden mehr beweisen, dass ich gute Lieder schreibe. Ich bin bestimmt nicht der Beste aber ich habe den Leuten gezeigt, dass es reicht sich mit Gitarre auf die Bühne zu stellen. Heute gibt es zig Liedermacher. Dafür bin ich, glaub ich, der Auslöser."

Kinder, Frau, Haus und Bühne: "Ich bin glücklich", betont Söllner. − Foto: Eigenschenk
Kinder, Frau, Haus und Bühne: "Ich bin glücklich", betont Söllner. − Foto: Eigenschenk
Bild herunterladenDas reicht, damit du glücklich bist?
Hans Söllner: "Ich hab Kinder, eine Frau, ein Haus – ich bin glücklich. Ich stehe nicht unter dem Druck, alle zwei Jahre ein neues Album zu bringen oder im Jahr 120 Auftritte zu machen. Ich spüre nur den normalen Druck: Ich habe fünf Kinder zu ernähren, ich hab eine Ehe hinter mir, führe eine Neue; ich hab da und dort ein Haus, dass musst finanzieren. Ich habe die gleichen Probleme wie viele Menschen: Ich fahre seit Jahren nicht in den Urlaub weil ich es mir nicht leisten kann. Eigentlich müsste ich 30 Konzerte mehr geben, damit ich meine Strafen abbezahlen kann. 300 000 Euro dafür, dass ich die Wahrheit gesagt habe. Und ich meine, ich habe die Wahrheit erkannt, auch das macht mich glücklich."
Wie lange gehört zu deinem Glück noch Singen vor Publikum?
Hans Söllner: "Der Mensch macht das, was ihm taugt. Und das macht er, solange bis er stirbt. Die Bühne ist ein Teil meines Lebens. Neulich hab ich mir sogar überlegt, was wäre, wenn es nicht mehr geht: Stell dir mal vor, ich hätte einen Unfall, würde im Rollstuhl sitzen. Vermutlich würde dann einer für mich spielen und ich singen. Ich glaube, dass ich es mache, solang ich reden kann. Meine Stimme ist das Wichtigste."
Im Winter 2011 geht Hans Söllner erstmals auf Wirtshaus-Tour: Vom 15. Bis 30. November tingelst du mit Gitarre und Mundharmonika von Wirtshaus zu Wirtshaus.
Hans Söllner: "Ich muss nicht immer vor größerem Publikum spielen. Vielleicht mach ich in Zukunft nur noch kleinere Konzerte vor 200 Leuten. Dass es die Tour heuer zum ersten Mal gibt, hat einen einfachen Hintergrund: Das Rauchverbot in Gaststätten. Unter dem ganzen Qualm hätte ich das früher nicht ausgehalten. Im kleinen Rahmen hat ja alles angefangen
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