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Vilshofen  |  10.05.2011  |  10:23 Uhr

Vereinskameraden fanden Niederhofer leblos in der Donau

von Regina Ehm-Klier

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Wolfgang Niederhofer.

Wolfgang Niederhofer. | Bild: Hartwig

Wolfgang Niederhofer. - Bild: Hartwig


Es gibt diese  Augenblicke, nach denen nichts mehr so ist, wie es  bis dahin war. Solche Augenblicke trugen sich am frühen Freitagabend  am Bootshafen von Vilshofen zu. Wolfgang Niederhofer, ausgezeichneter Unternehmer, beliebter Bürger, Familienmensch, wird leblos in der Donau am Bootshafen Vilshofen in der Donau gefunden. Erst 48 Jahre alt, mitten aus dem Leben heraus.

Ratlosigkeit und große Bestürzung herrscht seit diesem Wochenende über den "Vorzeigeunternehmer" (Landrat Franz Meyer).  Er hatte viel Agilität ausgestrahlt, war nach dem Osterurlaub braun gebrannt, freute sich wie ein kleines Kind auf den ersten Ausflug mit der Familie auf dem Sportboot nächstes Wochenende. Nichts deutete auf das schnelle Ende hin, das Ehefrau Heidi angesichts seiner fragilen Gesundheit immer befürchtete. So befiel sie eine schlimme Ahnung am frühen Freitagabend, nachdem sie ihm am Handy nicht erreichte. Als sie sich bei einem Bekannten besorgt erkundigte,  wusste der bereits vom Drama am Bootshafen. Ihr war das bis dahin nicht mitgeteilt worden.

Ärzte kämpfen noch über Stunden.

Es war vermutlich das Herz, das nicht mehr mitgespielt hatte. Ob er schon tot war, als er vom Bootssteg ins Wasser glitt, ist nicht völlig klar. Die Polizei schloss jedenfalls am Samstag Fremdverschulden aus. Am Montag wird geklärt, ob eine Obduktion stattfinden soll. Ein Unwohlsein könnte der Grund gewesen sein, warum Wolfgang Niederhofer am Freitagnachmittag  zum Ende des Bootsstegs gegangen war. Vielleicht wollte er noch Rettung holen, weil in der Nähe die Wasserwacht übte, auch sein Sportbootverein hatte an diesem Tag Unterrichtsfahrten.

Vorsitzender Fritz Röckl und Franz Haas fanden am frühen Abend den leblosen Körper von Wolfgang Niederhofer in der 16 Grad kalten Donau, holten den Notarzt, leiteten sofort die Reanimation ein. Die Ärzte kämpften um das Leben von Wolfgang Niederhofer, doch er war nicht mehr zurückzuholen. Kurz nach 22 Uhr stellte die Ärzte im Krankenhaus Vilshofen den Tod fest. Abt Rhabanus von Schweiklberg, auch er ein Freund der Niederhofers, spendete die Sterbesakramente.

Wolfgang Niederhofer hinterlässt trotz seiner jungen Jahre eine große Familie mit drei erwachsenen Töchtern und fünf Enkelkindern. Er hinterlässt ein unternehmerisches Lebenswerk und ein kulturelles Vermächtnis, das preiswürdig  ist. Auch im Sport war er als Förderer aktiv, unterstützte jahrelang den 1. FC Passau.

Freilich spielte die Firma lange Jahre die Hauptrolle. 1982, frisch verheiratet, gerade einmal 19 Jahre alt, übernahm er den väterlichen Schreinerbetrieb in Jägerwirth (Fürstenzell), den er zusammen mit seiner Frau Heidi zu einem stattlichen Unternehmen entwickelte. Heidi und Wolfgang Niederhofer − sie waren der Inbegriff eines Unternehmerpaars, ein top eingespieltes Team. Zusammen freuten sie sich über ihre Familie, standen aber auch magere Zeiten durch. Das schweißte zusammen.

Dass Wolfgang Niederhofer früh den Betrieb auf Kunststofffenster und -türen spezialisiert hatte, dabei schnell und vor allem zuverlässig lieferte, zahlte sich aus. Die Halle in Jägerwirth bei Fürstenzell wurde zu klein, vor fünf Jahren siedelten die Niederhofers, die in Fürstenzell wohnen, mit ihrer Firma nach Sandbach um, bauten auf einem 20 000 Quadratmeter großen Grundstück eine stolzes Firmengebäude am Ufer der Donau. Und dass sie ihre Firma einfach Fensterfabrik Niederhofer nannten, ist weiteres Zeichen ihrer schnörkellosen Art.

Die Firma lief zu Topform auf. Ein Höhepunkt im wirtschaftlichen Leben war sicher 2008, als die Fensterfabrik in Niederbayern einen "Großen Preis des Mittelstands"  bekam − bei 3000 Mitbewerbern. Niederhofers nahmen den Erfolg nicht allein in Anspruch, sondern dankten ihrer Belegschaft für den Erfolg − mit 100 000 Euro. Alle sollten Familie sein.

Wolfgang Niederhofer war aber niemand, der etwas zu verschenken hatte. Er forderte auch von der eigenen Familie. Erst als Tochter Heidi und Schwiegersohn Tobias Gottwald gezeigt hatten, dass sie eine Firma selbst auf eigene Beine stellen können, bekamen sie mehr Verantwortung im elterlichen Betrieb. 2007 erhielten sie Prokura, im Mai wird ihr Firmenzweig, Rollladenbau und Insektenschutz, nach Sandbach geholt. Bezeichnend für den Zusammenhalt ist, dass mittlerweile alle drei Kinder mit deren Partnern die Firma unterstützen. Noch im Mai sollte Baubeginn für die Erweiterung sein. In fünf bis sieben Jahren, so Wolfgang Niederhofers Plan 2007, wollte er das Ruder ganz abgeben an die Nachfolger.

Wolfgang und Heidi Niederhofer hatten zu dieser Zeit längst  über den Tellerrand ihrer Firma geschaut. Sie hatten mit 20 Unternehmen den 1. FC Passau gesponsert, als "netzwerken" noch nicht erfunden war und setzten das noch erfolgreicher fort − mit den Kultursponsoren im Landkreis Passau, die 2005 auf Initiative der Niederhofers und Dr. Wilfried Hartleb, Kulturreferent des Landkreises, gegründet wurde. Ein glücklicher Zufall für alle, "eine Symbiose für die Kultur im Landkreis", beschreibt Hartleb das Ergebnis dieser schönen Freundschaft. Über 100  Firmen gehörten den Kultursponsoren an, es wurden immer mehr. Wolfgang Niederhofer war nicht nur der Motor, er war auch Herz dieser Vereinigung.

Die Kultursponsoren trafen sich regelmäßig, ließen sich Ausstellungen erklären, sprachen mit Künstlern und kamen untereinander ins Gespräch. Im Gegenzug förderten sie junge Musiker,  ermöglichten Ausstellungskataloge oder bezahlten Extras  für die landkreiseigenen Museen.  "Wir machen vor nichts halt − wenn etwas Positives herauskommt", ein typischer Satz von  Wolfgang Niederhofer. Er sagte ihn  vergangenen Sommer im PNP-Interview.

Anschieben, sich nicht verschließen und sich dann über den Erfolg freuen.
Mit seinem Elan konnte er mitreißen: "Ich habe keinen Vereinskameraden verloren, sondern einen Freund", Sportboot-Club Röckl fasst die Stimmung zusammen. Schockiert zeigt sich auch Landrat Franz Meyer, der nach der Abiturfeier seines Sohnes am Freitag die schlimme Nachricht erfuhr: "Der Landkreis verliert einen Vorzeigeunternehmer, einen großen Unterstützer und Förderer der Kulturarbeit − einen tollen Menschen."

Und so sind es jetzt auch viele, die ihrem Freund bei der Beerdigung einen letzten Dienst erweisen wollen. Egal ob bei den Blumen, beim Sterbebild, bei der Messe.

Die Beerdigung wird  voraussichtlich am Mittwoch um 14 Uhr in Fürstenzell stattfinden.




Dokumenten Information
Copyright © Passauer Neue Presse 2012
Dokument erstellt am 2011-05-06 23:26:33
Letzte Änderung am 2011-05-10 15:43:49



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