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Bad Füssing  |  03.03.2013  |  23:34 Uhr

Anzeige gegen "Prinz Puff": Ein Blick hinter die schöne Fassade

von Robert Piffer und Sebastian Daiminger

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So präsentiert sie sich gerne: Die 17-jährige Isabella Lauer im Rennoutfit vor der Kamera.  − Foto: Archiv "Am Sonntag"

So präsentiert sie sich gerne: Die 17-jährige Isabella Lauer im Rennoutfit vor der Kamera.  − Foto: Archiv "Am Sonntag"

So präsentiert sie sich gerne: Die 17-jährige Isabella Lauer im Rennoutfit vor der Kamera.  − Foto: Archiv "Am Sonntag"


Isabella Lauer aus Bad Füssing (Landkreis Passau) ist jung, hübsch und ehrgeizig. Im Gegensatz zu anderen Mädchen will sie weder Supermodel noch Gesangsstar werden. Ihr Traum − und vermutlich auch der ihrer Eltern − ist eine Karriere als Rennfahrerin.

Um diesen Traum wahr werden zu lassen, scheuen die Lauers keine noch so großen Mühen. Jetzt ist aus dem Traum erstmal ein Alptraum geworden. Als Isabella Lauer den als "Prinz Proll" oder "Prinz Puff" bekannt gewordenen Prinz Marcus Eberhard Edward von Anhalt (43) als Sponsor gewinnen wollte, soll es zu sexuellen Übergriffen seitens des gelernten Metzgers gekommen sein. Die Eltern der 17-Jährigen haben deshalb in dieser Woche die Münchner Anwaltskanzlei von Lutz Libbertz damit beauftragt, Strafanzeige gegen den aus Pforzheim stammenden 43-Jährigen zu stellen.

Prinz Anhalt, der im Rotlichtmilieu Millionen gemacht und sich den Adelstitel gekauft hat, soll die 17-jährige Niederbayerin begrapscht und gegen ihren Willen geküsst haben. Zu guter Letzt habe er das Mädchen sogar in den Hals gebissen. Von sexueller Nötigung und gefährlicher Körperverletzung ist deshalb in der an die Staatsanwaltschaft in Pforzheim gerichteten Anzeige die Rede. Ereignet haben soll sich der Vorfall bereits am 20. Dezember in der Wohnung des Prinzen in Monaco.

Heftige Diskussion auf Facebook

Nicht nur der Umstand, dass die Anzeige erst jetzt erfolgte, sorgt inzwischen auf den Facebook-Seiten des Prinzen und von Isabella Lauer für heftige Diskussionen. Der Prinz wird genauso unflätig beschimpft wie die junge Niederbayerin.

Nahrung für ihre Vorwürfe finden die Gegner beider Akteure reichlich. Der Prinz mit seiner Rotlichtvergangenheit bietet sich als Zielscheibe geradezu an. Aber auch Mutmaßungen der Lauer-Gegner, die bisher relativ erfolglose Rennfahrerin wolle mit der Anzeige Publicity oder Geld machen, können nicht als völlig absurd von der Hand gewiesen werden.

Begonnen hatte Isabellas "Rennfahrerkarriere" schon in ganz jungen Jahren. 2007 und 2008 wurde sie eigenen Angaben zufolge Clubmeisterin beim Gokartclub in Ampfing (Lkr. Mühldorf). Danach gab es allerdings kaum noch nennenswerte Erfolge. 2012 sollte alles anders werden.

Saison im BMW-Team kostet 119.000 Euro

Isabella, inzwischen 16 Jahre alt, bewarb sich bei BMW, wollte mit einem Formel-Rennwagen am Talentcup teilnehmen. Sie absolvierte die Einstiegstests, wurde für 2012 zusammen mit 15 anderen Fahrerinnen und Fahrern in das BMW-Team aufgenommen. Ein Jahr lang sollten die Nachwuchstalente unterrichtet und in kleineren Wettbewerben auf das Geschäft Formel-Rennen vorbereitet werden. Aber: Motorsport ist bekanntlich teuer. Für die Teilnahme am Talentcup verlangt BMW 119.000 Euro. Dazu kommen enorme Reisekosten. Schließlich erfolgen Tests, Schulungen und Rennen verteilt auf den verschiedensten Rennstrecken in ganz Europa. Um die enormen Summen zu akquirieren, machte sich Isabella Lauers Vater Robert auf Sponsorensuche. Dabei half ihm unter anderem ein Packen Fotos. Sie zeigten Isabella zusammen mit Größen aus dem Motorsport (Niki Lauda, Michael Schumacher, Nico Rosberg), oder der Film- und TV-Branche. Das machte Eindruck. Firmenchefs stockten da schon mal ihre Werbeetats auf, wollten die Karriere der hübschen Isabella Lauer fördern. Natürlich wurde den Geldgebern dafür auch ein Gegenwert versprochen.

"Auf der Nase des Rennwagens sollte unsere Firma groß präsentiert werden", berichtet etwa der Geschäftsführer der Passauer Firma EBM-Design für exklusive Brillenmode, Günther Wied, der zum Saisonbeginn 2012 mehrere tausend Euro locker machte. Isabella Lauer und ihr Rennwagen werden bei Stefan Raabs "TV total" (Pro7) vorgestellt werden, soll Robert Lauer den Sponsoren versprochen haben. Aber Stefan Raab interessierte sich offenbar nicht für die Rennfahrerin aus Bad Füssing, und beim BMW-Talentcup war sie schon bald auch gar nicht mehr dabei. "Unsere Fahrerin Isabella Lauer ist bereits Anfang 2012 aus persönlichen Gründen wieder aus dem Team ausgeschieden", bestätigte der bei BMW für den Automobilsport zuständige Pressesprecher Ingo Lehbrink. Wer sich in der Szene auskennt weiß, dass das die vornehme Umschreibung dafür sein kann, dass das für die Teilnahme am Cup verlangte Geld nicht bezahlt wurde. Isabella Lauer selbst nennt auf ihrer Internetseite eine "Krankheit" als Grund für das vorzeitige Ende bei BMW.

Passauer Firma bekam Sponsoringbetrag rückerstattet

Unabhängig von der tatsächlichen Ursache für das Ausscheiden im BMW-Talentcup fühlten sich Sponsoren geprellt und forderten ihr Geld zurück. Die Passauer EBM-Design hat nach Auskunft von Günther Wied den bezahlten Sponsoringbetrag auf Heller und Pfennig zurückbekommen. Andere hatten offenbar weniger Glück und versuchen bis heute erfolglos Forderungen, zum Teil per Rechtsanwalt, geltend zu machen.

Es sind aber nicht nur Sponsoren − auch Lieferanten und Handwerker, die für frühere Geschäfte der Lauers in Passau oder Bad Griesbach Leistungen erbracht haben, warten immer noch auf Geld. Manche hatten sich schon damit abgefunden, dass sie auf ihren Außenständen sitzen bleiben.

Vater von Isabella Lauer soll sich Tod vorgetäuscht haben

Schließlich war es nicht einmal dem vom Passauer Landgericht zugelassenen renommierten Inkasso-Service Danner gelungen, Forderungen bei Robert Lauer geltend zu machen. Erst in der vergangenen Woche war Gerlinde Danner wieder einmal bei den Lauers vorstellig geworden. Ihr Mann sei längst verstorben und habe nichts hinterlassen, soll Edith Lauer gegenüber Gerlinde Danner behauptet haben.

Dass nun ausgerechnet der totgeglaubte Robert Lauer zusammen mit seiner Frau Strafanzeige gegen Prinz Marcus von Anhalt erstattet haben soll, wurde deshalb im Landkreis Passau mit großer Verwunderung zur Kenntnis genommen. Aber der schwergewichtige Mann, der die Anzeige gegen den Prinzen unterschrieben hat, war tatsächlich Robert Lauer. Das bestätigte am Freitag Petra Kröpfl, die Büroleiterin der Anwaltskanzlei Lutz Libbertz.

Bei "Lauer Racing", das als Firmensitz die Adresse eines kleinen Schmuckladens in Bad Füssing angibt, war in den letzten Tagen trotz vieler Versuche niemand erreichbar.
Ein Bericht aus der Zeitung "Am Sonntag" vom 3. März.



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