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Passau  |  07.09.2013  |  05:00 Uhr

"Alzheimersongs": Mit "Happy-Schlager" in eine andere Welt

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Schlager helfen, ist Mandl überzeugt. Mit seinen Alzheimer-Liedern tourt er durch Seniorenheime in ganz Deutschland.  − Foto: Andrea Fischaleck

Schlager helfen, ist Mandl überzeugt. Mit seinen Alzheimer-Liedern tourt er durch Seniorenheime in ganz Deutschland.  − Foto: Andrea Fischaleck

Schlager helfen, ist Mandl überzeugt. Mit seinen Alzheimer-Liedern tourt er durch Seniorenheime in ganz Deutschland.  − Foto: Andrea Fischaleck


Als Tom Mandl vor gut 30 Jahren seine Oma morgens vor der Schule dabei begleitet, als sie im Örtchen Praßreut bei Röhrnbach (Lkr. Freyung-Grafenau) die PNP an die anderen Dorfbewohner verteilt, hätte aus dem Buben alles werden können. Und im Grunde ist es genau so auch gekommen. Bis er zwölf ist, lebt der gebürtige Passauer bei seinen Großeltern, später zieht er zu seinen Eltern nach Freilassing. Schon damals hegt er den Wunsch, Schauspieler zu werden. Verraten hat er das damals aber niemandem. Plan B in Sachen Berufswunsch scheitert auch, diesmal am eigenen Lerneifer: "Um Pilot zu werden, hätte ich Abitur gebraucht. Dafür waren meine Noten einfach zu schlecht und ich vielleicht ein bisschen zu faul."

Jugendlicher Liebhaber statt "das Böse"
Mit 18 lernt Mandl dann doch noch "etwas Anständiges". Er beginnt seine Ausbildung bei der Münchner Polizei, anfangs mit dem Hintergedanken, über die Hubschrauberstaffel doch noch den Weg ins Cockpit zu finden. Sein schauspielerisches Talent ist ihm bei der Ausbildung manchmal von Nutzen: "Wenn bei Rollenspielen ein Mörder oder ein Opfer gesucht wurde, wurde ich immer gern genommen."

Danach geht es in den Schichtdienst, doch der Wunsch nach der Schauspielerei lässt ihn nicht los. Ein paar Wochen Unterricht geben ihm die nötige Gewissheit über das eigene Talent und dann geht alles ganz schnell: 2003 kündigt er seinen sicheren Polizei-Job und passt stattdessen als Personenschützer auf Vorstände großer Unternehmen auf – eine Zeit, in der er wertvolle Erfahrungen sammelt: "Ich habe Menschen begleitet, die eine unglaubliche Lebenserfahrung haben. Ich habe gelernt, auch mit schwierigen Personen umzugehen und Menschen zu lesen, bevor etwas passiert." Den eigentlichen Grund für seinen beruflichen Wechsel in die freie Wirtschaft verschweigt er seinem Umfeld – den wenig begeisterten Eltern erzählt er, dass als Personenschützer einfach viel mehr Geld verdiene.

Karrieresprung, die Vierte: Der 35-jährige gebürtige Passauer Tom Mandl startete nach seiner Laufbahn als Polizist, Personenschützer und Schauspieler auch als Sänger durch.  − Foto: red

Karrieresprung, die Vierte: Der 35-jährige gebürtige Passauer Tom Mandl startete nach seiner Laufbahn als Polizist, Personenschützer und Schauspieler auch als Sänger durch.  − Foto: red

Karrieresprung, die Vierte: Der 35-jährige gebürtige Passauer Tom Mandl startete nach seiner Laufbahn als Polizist, Personenschützer und Schauspieler auch als Sänger durch.  − Foto: red


Vier Jahre später schließt er seine Schauspielausbildung ab und erhält 2006 prompt ein Engagement beim Chiemgauer Volkstheater, bei dem er bis heute zum festen Ensemble gehört. Kommissar Zufall sei Dank: "Ich würde gern bei Ihnen mitspielen", sagt er damals bei einem Gastspiel zu Regisseur Helfrich. Ohne es zu wissen, bewirbt sich Mandl so um eine gerade frei gewordene Stelle im Ensemble. Der Regisseur sieht ihn spielen und gibt den 35-Jährigen seitdem nicht mehr her.

Nebenbei bekommt Tom Mandl immer öfter Gastrollen in Fernsehserien wie "Der Bulle von Tölz", "Der Alte", "Liebe, Babys und Familienglück", "Kanal Fatal", "Tatort" oder "Siska". In der ZDF-Serie "Die Rosenheim-Cops" spielt er in der Folge "Die kalte Gräfin" – nein, keinen Polizisten – einen Gutsverwalter an der Seite von Hauptdarstellerin Verona Pooth.

Tom Mandl bei der Arbeit: Im Stück"Weihnachten im Polizeirevier" arbeitete er mit Uniformierten wie in den Jahren, als er noch selbst Polizist war.  − Foto: Chiemgauer Volkstheater

Tom Mandl bei der Arbeit: Im Stück"Weihnachten im Polizeirevier" arbeitete er mit Uniformierten wie in den Jahren, als er noch selbst Polizist war.  − Foto: Chiemgauer Volkstheater

Tom Mandl bei der Arbeit: Im Stück"Weihnachten im Polizeirevier" arbeitete er mit Uniformierten wie in den Jahren, als er noch selbst Polizist war.  − Foto: Chiemgauer Volkstheater


Nur die eine Rolle, für die er so gern einmal besetzt würde, die war noch nicht dabei: "Ich würde gerne einmal das absolut Böse verkörpern und so sein, wie ich sonst nie bin." Geeicht ist er aber vor allem auf die Rolle des jugendlichen Liebhabers oder des Polizisten. Als "Mann vom Fach" fragen ihn auch Autoren gerne um Rat in Sachen Polizeiarbeit. Seinen Schauspielkollegen zeigt er schon mal, wie man eine Pistole richtig hält oder Handschellen anlegt. Denn Perfektion mag der 35-Jährige: "Ich bin ein Mensch, der nie zufrieden ist. Aber wer immer mit seiner Leistung zufrieden ist, ist kein guter Schauspieler."

Und wahrscheinlich auch kein guter Musiker. Wieder ist es ein Zufall, der Tom Mandl 2009 zum Schlager bringt: Mit Volksmusik-Star Patrick Lindner steht er bei einem Singspiel für das Chiemgauer Volkstheater vor der Kamera. Lindner spricht Mandl an: "Patrick fand meinen Typ gut und meinte, ich würde in den Schlager passen. Ich wollte vorher zwar nie singen, aber ich stehe voll hinter dieser Musik, mit der ich ja auch aufgewachsen bin."

Nach ersten Probeaufnahmen setzt er im November 2006 die Unterschrift unter seinen ersten Plattenvertrag und hält schon im folgenden Jahr sein erstes Album "Alles aus Liebe zu dir" in Händen. Im April 2013 legt er mit "Das höchste der Gefühle" nach. Das besondere an dieser CD sind drei "Alzheimer-Songs": Dass Alzheimer-Patienten auf eingängige Melodien positiv reagieren, ist wissenschaftlich erwiesen. Mandl beschreibt diese Stücke als "Happy-Schlager", die zum Klatschen anregen. Sie erzählen davon, was diese Krankheit mit den Betroffenen und ihren Angehörigen macht und mit welcher Welt sie konfrontiert werden.

Warum sich ein junger Mann wie Tom Mandl für ältere Menschen einsetzt, liegt in seiner Familiengeschichte begründet. Denn seine Bilderbuchkarriere bekommt Risse, als sein Opa schwer erkrankt. Den Wunsch, nicht im Krankenhaus zu sterben, erfüllen ihm Tom Mandl und der Rest der Familie. Ein halbes Jahr pflegen sie ihn gemeinsam. "In so einer Situation sieht man erst, wie hilflos man im Alter wird", merkt er dabei und beschließt, sich für ältere Menschen zu engagieren. Er wird Schirmherr der "Alzheimer Gesellschaft München e.V." und von "Alzheimer Ethik Deutschland e.V." Unter dem Motto "Schlager helfen" tourte er diesen Sommer durch 32 Seniorenheime in ganz Deutschland, wo er für etwa 4000 Senioren ohne Gage sang.

Risse in der schönen, heilen Schlagerwelt
Dem Schauspiel bleibt Mandl aber nach wie vor treu, schließlich haben beide Fächer ihre Vorteile: "Als Sänger ist man immer absolut gefordert. Wenn man einen Fehler macht, dann macht man ihn immer alleine und es gibt keinen Spielpartner, der einen retten kann. Aber es ist ein unglaubliches Gefühl, wenn dein Lied im Radio läuft und die Leute singen es mit."

So vielseitig talentiert Mandl auch ist, alles kann er dann doch nicht, wie er zugibt: "Ich habe zwei linke Hände im Handwerk und ein Zahlenhengst bin ich auch nicht gerade. Die Bezeichnung ,Multitalent' stimmt also nicht." Denn so betitelte ihn schon so manche People-Zeitschrift, in deren Klatschspalten er seit seinem Start in die Schlagerbranche regelmäßiger Gast ist. Mandl nimmt es gelassen: "Das gehört halt dazu. Ich bin kein Mensch, der so etwas an sich heran lässt. Ich stehe zu dem, was ich sage."

Den Ort seiner Kindheit hat Tom Mandl im Übrigen keineswegs vergessen. So oft es ihm möglich ist, schaut er bei seiner inzwischen 82-jährigen Oma in Praßreut vorbei. Beim Zeitungsaustragen hilft er inzwischen aber nicht mehr mit. Die PNP ist und bleibt trotzdem ein Stück seiner Kindheit.

Die Autorin Petra Schlierf ist Volontärin in Simbach am Inn und spielte früher ebenfalls mit dem Gedanken, Polizistin zu werden.



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