von Stefanie Lindner
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Theo Waigel bei seinem Vortrag an der Uni Passau. | Foto: Jäger
Theo Waigel bei seinem Vortrag an der Uni Passau. - Foto: Jäger
Griechenland hätte nicht in die Währungsunion aufgenommen werden dürfen, sagt der frühere Finanzminister Theo Waigel (72) in Passau. Trotzdem: Was Europa gerade erlebt, sei keine Euro-Krise, sondern die Krise einzelner Länder.
Den blinden Passagier kann man nicht so einfach über Bord werfen. "Das verbietet die christliche Seefahrt", schließt Theo Waigel, Ex-Bundesfinanzminister und Mitbegründer der Währungsunion, vor seinen Zuhörern das Zwangsexil des EU-Schulden-Staates Nummer eins aus. Den Griechen einen kleinen Rettungsring zuwerfen, mit dem Zuruf ,Schwimm? Auch nicht. "Griechenland hätte nicht in die Währungsunion aufgenommen werden dürfen", sagt Waigel. "Aber niemand kann mir verbieten, jemandem in Not zu helfen."
Der Hörsaal der Universität Passau, in dem der Protagonist aus der Ära Kohl an diesem Donnerstagnachmittag auf Einladung des Lehrstuhls für Politikwissenschaft spricht, ist zu klein für die Hunderten, die gekommen sind. "Idee, Geschichte und Zukunft der europäischen Währungsunion − Gedanken eines politischen Entscheidungsträgers zur aktuellen Krise" heißt Waigels Vortrag. Die meisten Zuhörer sind Studierende, aber auch einige ältere Menschen sitzen und stehen dicht gedrängt. Deren Ängste könne er verstehen, sagt der einstige CSU-Vorsitzende zu Beginn seines Vortrags.
Trotzdem, der 72-Jährige strahlt an dem Tag, an dem eine Umfrage öffentlich wird, wonach über die Hälfte der Deutschen im Euro eher Nachteile sehen, Optimismus aus. Der Euro stehe im Kurs um 22 Cent besser da als die D-Mark bei ihrem Abschied 2001. Bisher sei aus dem deutschen Haushalt kein Cent in andere Länder geflossen. Das Gedankenspiel einer Teilung der Währungsunion zwischen stabilen Nord-Staaten und instabileren Ländern sei fatal. Überhaupt: Die EU sei die stärkste Demokratiebewegung, die es gegeben hat.
Ob und inwieweit sich die Banken an der Rettung Griechenlands beteiligen sollen, darüber ließ sich Waigel gestern ebenso wenig aus wie über aktuelle Ereignisse beim Euro-Gipfel. Die Bundeskanzlerin und Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy, hoffe er, hätten im Einvernehmen mit EZB-Chef Jean-Claude Trichet eine Einigung gefunden. Hilfe zur Selbsthilfe ist, so Waigel, als Lösung klar einem schnellen Schuldenschnitt vorzuziehen. "Sonst bekommt Griechenland kein frisches, gutes Geld."
Konsolidierung so schnell wie möglich: Das geht laut dem Ex-Finanzminister nur durch stärkere Privatisierung ("Im Wert von 50 Milliarden in den nächsten zwei, drei Jahren") und der Verbesserung der Wettbewerbsbedingungen in Griechenland.
Theo Waigel war in den entscheidenden Jahren ein Vorkämpfer für den Euro, wandte sich in dieser Entscheidung gegen Opposition, Widerstände in der CSU und in der Bevölkerung. Erst vor kurzem, flicht er als Anekdote ein, habe ihn eine Drohung erreicht mit den Worten "Waigel, Du wirst erschossen, wenn Du die D-Mark nicht wieder einführst." Eine Teilschuld für das griechische Drama weist er trotz aller Begeisterung für den höheren Plan Währungsunion Deutschland und Frankreich zu. "Es war falsch, den Stabilitätspakt aufzulockern", als Deutschland selbst der "blaue Brief" gedroht habe. Die Kontrollen hätten bei Griechenland versagt, auch wenn von dessen Seite "getrickst und betrogen" worden sei.
Und so sitzen für Waigel Ramsch-Kandidat Griechenland und die stabileren EU-Volkswirtschaften in einem Boot − was sich bereits bezahlt gemacht habe: "Was glauben Sie, was in der Finanzkrise mit 25, 30 verschiedenen Währungen passiert wäre?" Die Phase der Konsolidierung nach der Krise schätzt Waigel auf etwa zehn Jahre. So weit, wie der Gastredner in seinen Ausführungen zurückgreift, klingt das kurz, überschaubar. Und so werden die Garantien für Athen in einer Reihe mit dem Marshall-Plan, der das deutsche Wirtschaftswunder ermöglichte, zur Mahnung in Waigels Gedankengang: "Auch wir waren einmal Griechenland."
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