
In dem "Volksblatt" ist unter anderem zu lesen, dass Deutschland wieder eine "charismatische Führungspersönlichkeit" brauche. (Foto: Eberle)
In dem "Volksblatt" ist unter anderem zu lesen, dass Deutschland wieder eine "charismatische Führungspersönlichkeit" brauche. (Foto: Eberle)
Lange Zeit war es still um die Republikaner im Landkreis Passau. Seit einem internen Streit im Jahr 2008 hat man kaum mehr etwas von den "rechten Demokraten" − wie sie sich selbst bezeichnen − gehört. Bis jetzt: Mit einem bedenklichen "Volksblatt" versuchen sie nun, sich wieder Aufmerksamkeit zu verschaffen, wie die "Am Sonntag" berichtet.
Unter dem martialischen Namen "Kimme und Korn" (so wird bei vielen Feuerwaffen die Zielvorrichtung genannt) erscheint das Propaganda-Schriftstück seit Mitte des Jahres monatlich. In Artikeln, Gastkommentaren und Interviews mit Parteifunktionären verbreiten die Autoren krude Thesen aus dem rechten Spektrum. Ein paar Beispiele: Die Politik brauche hierzulande wieder "charismatische Führungspersonen", die EU sei sinnlos und durch Zuwanderung werde die "Innovationsnation" immer dümmer, bis sie schließlich zum Land der Hilfsarbeiter verkomme. Vielsagend ist auch der Aufruf an die Leser am Ende jeder Ausgabe: "Seien Sie nicht länger untätig, sondern helfen Sie uns, den Feinden unserer geliebten Heimat und Kultur die Leviten zu lesen."
Hinter der Hetzschrift stecken laut dem Republikaner-Landesverband vier Lehrlinge. Kopf der Truppe ist der 18-jährige Stefan S. aus Tittling. Ehemalige Weggefährten beschreiben ihn als intelligenten jungen Mann mit breiter Allgemeinbildung, der gut reden kann und auch im örtlichen Vereinsleben sehr aktiv sein soll − unter anderem beim Schützenverein. Vor kurzem wurde der gerade einmal volljährige Lehrling zum neuen Kreisvorsitzenden der Republikaner gewählt. Die restliche Vorstandschaft stammt ebenfalls aus seiner Generation: Die Beisitzer sind 20 und 17 Jahre alt. Zwei weitere Vorstände sind 18 und 19 Jahre alt. In einer Pressemitteilung brüstete sich der Landesvorsitzende mit diesem wohl jüngsten Vorstand einer Partei in Deutschland.
Der "Runde Tisch gegen Rechts" aus Passau sieht diese Entwicklung mit Sorge: "Unserer Ansicht nach sind die Partei und ihre Veröffentlichung ein Wolf im Schafspelz", erklärt eine Sprecherin. Hinter der auf den ersten Blick noch relativ harmlosen Fassade verberge sich wohl eine weitaus radikalere Gesinnung.
Der Landtagsabgeordnete Eike Hallitzky (Grüne) formuliert es etwas schärfer: "Junge Rechtsextreme aus dem Landkreis Passau scheinen sich daran zu machen, die mittlerweile bedeutungslosen Republikaner zu kapern", sagt der MdL und fügt hinzu: "Darauf deutet auch die menschenverachtende Radikalität ihrer Aussagen im eigenen Kampfblatt hin." − Autor: Christoph Eberle/Am-Sonntag.de
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