von Martin Riedlaicher
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Das lange Schweigen des Bürgermeisters hatte das Interesse der Bürger und der Medien größtmöglich angeheizt. Zeitung, Rundfunk, Fernsehen und Internet-Medien waren vertreten, 80 Bürger drängten sich in den Saal. Mehr wurden nicht zugelassen. Für weitere Interessenten wurde die Debatte auf eine Leinwand im Foyer des Rathauses übertragen. − Foto: Riedlaicher
Das lange Schweigen des Bürgermeisters hatte das Interesse der Bürger und der Medien größtmöglich angeheizt. Zeitung, Rundfunk, Fernsehen und Internet-Medien waren vertreten, 80 Bürger drängten sich in den Saal. Mehr wurden nicht zugelassen. Für weitere Interessenten wurde die Debatte auf eine Leinwand im Foyer des Rathauses übertragen. − Foto: Riedlaicher
Bild herunterladenNun ist es bittere Realität: In der Kassenaffäre von Hauzenberg (Lkr. Passau) sind in den letzten zwölf Jahren Stand jetzt ca. 2,1 Millionen Euro von den Konten der Stadt verschwunden. Diese Zahl nannte Bürgermeister Josef Federhofer am Donnerstagabend in einer Sondersitzung der Stadträte.
Mit großer Spannung wurden die Ausführungen im großen Sitzungssaal des Rathauses erwartet. Stille kehrte ein, als das Stadtoberhaupt gegen 18.30 Uhr den Raum betrat. Neben den Stadträten hatten 80 Zuhörer Platz genommen. Wie erwartet wollten aber mehr Bürger aus erster Hand erfahren, wie viel Geld der langjährige, bereits verstorbene Kassenleiter aus der Stadtskasse in die eigene Tasche gesteckt hatte. Deshalb wurde im Foyer des Rathauses eine Videoleinwand aufgebaut. Von dort aus verfolgten etwa 30 Bürger die Ausführungen Federhofers.
Bereits als die CSU-Fraktion vor der Sitzung an die Presse ihr späteres "Statement" von Stadtrat Peter Auer verteilte, wurde schnell klar, dass ein Hammer zu erwarten war. Die CSU hatte natürlich schon vor der Sitzung die Summe erfahren. "Von einer schweren Stunde für uns alle", war im Papier die Rede, "für die gesamte Bürgerschaft unserer Stadt". Es herrsche "Fassungslosigkeit über die Zahl", man sei "tief getroffen über den Vertrauensbruch − ja wütend über diese Tat".
Bürgermeister Josef Federhofer machte die Sache zur Geduldsprobe, schickte weitschweifige Erläuterungen zu Schritten und Phasen der Ermittlungen voraus, führte unter anderem den Begriff "Kassen-Störfall" für das katastrophale Geschehen in die Debatte ein, bevor er die Bombe platzen ließ: Per Powerpoint warf er jene Zahl auf die Leinwand, die alle interessierte.
Was dann an der Wand zu sehen war, zog vielen im übertragenen Sinn die Schuhe aus, ließ manchen an eine Sehstörung glauben: 2,1 Millionen stand da. Diese Zahl konnte man bisher als Betrag ermitteln, den der verstorbene Kassenleiter in der Zeit zwischen dem Jahr 2000 und Ende 2011 aus der Stadtkasse genommen hat. Es ist ein vorläufige Summe, Tendenz steigend.
Kämmerer Kurt Grünberger erläuterte anschließend, wie der ehemalige Kassenleiter vorgegangen war. Immer und immer wieder hob der 54-Jährige Geld von Stadtskonten ab, um seiner Spielsucht nachzukommen. Konstant 150.000 bis 220.000 Euro jährlich habe er abgezweigt, bis ins Jahr 2000 sei dies erwiesen. Es ist aber auch nicht ausgeschlossen, dass er auch zuvor schon Geld unterschlug. Geheimhalten konnte er diese Vorgänge, indem er geschickt Personen- und Durchlaufkonten einsetzte.
Außerdem sagte Grünberger, dass heuer der Schwindel ohnehin augefallen wäre, weil die Stadt eine neue Software zur Überprüfung der Kasse installiert hat. Ein schwacher Trost für die Verwaltung und die Bürger der Stadt.
Alles zur Hauzenberger Kassenaffäre können Sie hier nachlesen: www.pnp.de/kassenaffaere.
− mid/js
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