
"Wolfauslassen" im Bayerischen Wald 6 | Armin Weigel/dpa
"Wolfauslassen" im Bayerischen Wald 6 - Armin Weigel/dpa
Da war selbst Reinhold Ertl etwas fassungslos: Geschätzte 4000 Zuschauer wollten am Samstagabend beim großen Rinchnacher Wolfauslassen dabei sein. Dabei kann Ertl so leicht nichts aus der Fassung bringen, der Rinchnacher Tourist-Info-Chef ist schon seit über 15 Jahren der Manager des gigantischen, laut dröhnenden Brauchtums-Spektakels, das alljährlich an Martini in der "Hofmark" des früheren Klosterortes stattfindet. Mit rund 2000 Besuchern hatte Ertl im Vorfeld gerechnet, allerdings kann er sich schon erklären, warum er leicht daneben lag: Der Samstags-Termin ist natürlich ideal für Zuschauer, die von weiterher kommen. Und das Wetter passte wunderbar: Schönes, kühles November-Wetter ohne Regen und Schnee.
Der mutmaßliche Rekord hatte sich schon angedeutet, als gegen 18 Uhr die ersten der Wolfauslasser-Gruppen aus den Dörfern rund um "Klouster" in der Hofmark eintrafen. Und bereits da eine enorme Publikumskulisse genießen durften. Nacheinander gaben die "Wölfe", dirigiert von ihren jeweiligen "Hirtern", ihre laut stampfende Visitenkarte inmitten der Menschenmenge ab − und suchten dann gemäß der Tradition erst einmal eines der umliegenden Wirtshäuser auf. In deren Sälen wurde dann selbstverständlich weitergeläutet, das Publikum drängte von der Straße hinterher. Und so steigerte sich das Inferno aus ohrenbetäubender Lautstärke der Glocken und sauna-artigem Klima rund um die schwer schuftenden Wolfauslasser mit ihren bis zu 50 Kilo schweren Glocken bis zum Zenit. So etwa auch im Saal des Gasthauses Schopf, der mit seinem schwingenden Holzboden immer eine besondere Atmosphäre bietet. Hier hatte sich unter anderem eine Gruppe von Austauschstudenten aus dem asiatischen Raum gute Plätze gesichert, die derzeit an der Hochschule Deggendorf lernen. Für sie hatte Reinhold Ertl sogar den direkten Kontakt mit dem Widdersdorfer Wolf vermittelt, denn sie wollen die wuchtigen Glocken auch einmal selbst zum Dröhnen bringen.
Video: So laut war das Wolfauslassen
Als Gäste waren diesmal 19 Goaßlschnalzer aus dem oberbayerischen Freidling nach Rinchnach gekommen. Sie waren ebenso wie die Rinchnacher Wolferer 2006 bei der Fußball-WM-Eröffnung in München dabeigewesen. Die Fläche für so viele Schnalzer bot die dichtbevölkerte Hofmark allerdings am Samstag nicht, die Oberbayern mussten sich mit einem kleineren Aufgebot zufriedengeben. Und hernach zeigten die Kasberger Wolferer, dass selbstverständlich auch im Bayerwald die hohe Kunst des präzisen Knallens mit den langen Peitschen gepflegt wird.
Mit Spannung erwartete das Publikum schließlich das gemeinsame Läuten der rund 600 großen und kleinen Glocken. Und danach wurde in den umliegenden Gasthäuser noch ausgiebig weitergefeiert bis in die frühen Morgenstunden.
Zum Thema: Auch in Freyung wurden Wölfe etc. am Freitag vertrieben (mit Fotos) − jf
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