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20.02.2012  |  05:00 Uhr

Windrad-Debatte sorgt weiter für Wirbel im Dreiländereck

MdL Kobler gibt Bürgermeister Contra − Gemeinderat stellt sich hinter Bermann − Grünen-Chef mahnt zu Besonnenheit

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Von Christoph Seidl und Ludwig Süß

An Windrädern im Bayerwald scheiden sich die Geister − unsere Fotomontage zeigt eine Anlage auf dem Haidel mit einer Nabenhöhe von 150 Metern.  − Fotos: Arge Dreiländereck/Süß/Jäger

An Windrädern im Bayerwald scheiden sich die Geister − unsere Fotomontage zeigt eine Anlage auf dem Haidel mit einer Nabenhöhe von 150 Metern.  − Fotos: Arge Dreiländereck/Süß/Jäger

An Windrädern im Bayerwald scheiden sich die Geister − unsere Fotomontage zeigt eine Anlage auf dem Haidel mit einer Nabenhöhe von 150 Metern.  − Fotos: Arge Dreiländereck/Süß/Jäger


Neureichenau/Hauzenberg. Es war ein politischer Paukenschlag: Der Neureichenauer Bürgermeister Walter Bermann hat − auch im Namen seiner Kollegen von der ARGE Dreiländereck − MdL Konrad Kobler scharf für seine Windkraft-Initiativen kritisiert (wir berichteten). Das Wind-Thema ist auch ein heißes im Raum Hauzenberg. Von "Aktionismus" und "Alleingängen" war bei Bermann die Rede − und davon, dass CSU-Politiker Kobler mit seinem Einsatz für Windräder nicht den Willen der Bürger vor Ort erfülle, die ihn nach München abgeordnet hätten, sondern vielleicht sogar von "persönlichen" und "anderweitigen Interessen" geleitet werde.

Die Antwort desMdL kam prompt

BürgermeisterWalter Bermann

BürgermeisterWalter Bermann

BürgermeisterWalter Bermann

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 Die Antwort des Landtagsabgeordneten kam prompt − und sie fällt, je nach Sichtweise, witzig, ironisch oder sarkastisch aus. So lautet der Brief an Bermann, der der PNP vorliegt, im Wortlaut:

"Sehr verehrter Herr Bürgermeister! Mit Interesse entnehme ich aus der Passauer Neuen Presse Ihr Engagement auf dem Gebiet der Energiewende, nach Abschaltung der uns in Bayern zu 60 Prozent versorgenden Kernkraftwerke nach dem ,St. Floriansprinzip‘ den Strombedarf in alternativer Form zu decken. Hochinteressant finde ich ferner, was in der Darlegung zwar nicht so direkt zum Ausdruck kam, dass offenbar auf eine ,neue Generation‘ von Windenergieanlagen zugewartet wird, welche dann jeweils in den Kellern, völlig uneinsehbar durch die Menschen unserer Heimat installiert werden können."

MdLKonrad Kobler

MdLKonrad Kobler

MdLKonrad Kobler


Zum Hintergrund: Bermann hatte im Namen der ARGE Dreiländereck darauf hingewiesen, dass Windräder die Landschaft verschandeln würden, das große Kapital der Tourismusregion.

Beigelegt hat Kobler seinem Brief übrigens eine 65-seitige Anlage mit dem Titel "Hinweise zur Planung und Genehmigung von Windkraftanlagen" von den für dieses Thema zuständigen Bayerischen Staatsministerien − verbunden mit der Bitte um weitere Mithilfe bei der Energiewende. "Gerne bin ich bereit, zur Erreichung der Ziele der Energiewende entsprechende Schützenhilfe zu erhalten (...) und freue mich auf eine diesbezüglich weitere konstruktive und zukunftsträchtige Zusammenarbeit zum Wohle der Menschen in unserer Heimat und sicheren Energieversorgung, damit auch nach dem Jahre 2022 bei uns die Lichter nicht ausgehen.

Mit freundlichen Grüßen,

Konrad Kobler, MdL."

Rückenwind für sein resolutes Vorgehen bekam Bürgermeister Walter Bermann indes durch ein eindeutiges Votum des Neureichenauer Gemeinderats. Dr. Siegfried Schmidbauer hatte die Aussprache angestoßen mit der Feststellung, er finde den Bericht in der PNP gut und richtig. Es sei an der Zeit gewesen, dass "endlich jemand offiziell zu den Umtrieben des Landtagsabgeordneten Konrad Kobler Stellung" nehme. Dessen auch mediale Vorstöße für einen trilateralen Windpark auf den Hochlagen des Bayerischen und Böhmerwaldes würden von Arroganz und mangelnder Sachkenntnis zeugen. Kobler ziehe mit seiner Vorstellung durchs Land, ohne vorher "auch nur ansatzweise", so Bermann, mit den Bürgermeistern der betroffenen Gemeinden zu reden, was das Naheliegendste sein müsste. Unterstützung bekam Dr. Schmidbauer vom ganzen Gremium.

Kein Nein zualternativen Energien Man sei nicht gegen alternative Energien, schließlich gebe es in der Gemeinde seit Jahren einen Solarpark und die Kommune selbst betreibe solche Anlagen auf Dächern ihrer Gebäude, ebenso zahlreiche private Hauseigentümer.

Sachlich stünden das Natur- und Landschaftsschutzgebiet und der Abstand zur internationalen Messstation Sulzberg entgegen, was auch dem Abgeordneten bekannt sein müsste. Hinzu käme, dass auf dem Kamm des Dreisessel und der Böhmerwaldberge ohnehin die richtige Windströmung nicht gegeben sei, das hätten Messungen ergeben. Auch sei es mit Windrädern nicht abgetan, es müssten in eines der "schönsten Biotope" Bayerns Kilometer lange Schneisen für Kabelverlegungen geschlagen werden. Das Fazit des Gremiums: "Alternative Energien ja, aber nicht mit der Methode des MdL Kobler, das heißt nicht im Alleingang und nicht über die Köpfe der Bevölkerung hinweg."

In die Diskussion eingeschaltet hat sich auch Grünen-Kreisvorsitzender Hans Madl-Deinhart. "Das Vorgehen von CSU-MdL Konrad Kobler war sicher nicht richtig, aber Bürgermeister Walter Bermann müsste ihn ja inzwischen schon kennen. Es ist ja nicht der erste Fall, in dem der Abgeordnete nach vorne prescht", meint der Graineter.

Man sollte es sich aber nicht so leicht machen und einen Sündenbock suchen, um dem Thema Windenergie aus dem Weg zu gehen.

"Sicher gibt es Bürger, die keine Windräder auf unseren schönen Bayerwaldbergen wollen. Aber es gibt auch solche, die sich dafür begeistern und dem Ganzen auch positive Seiten abgewinnen können", so Madl-Deinhart.

Appell zukonstruktivem Dialog Von den Bürgermeistern der ARGE würde er erwarten, dass sie in einen konstruktiven Dialog mit der Bevölkerung treten und versuchen, vernünftige Lösungen zu erarbeiten. "Die sogenannte Energiewende wird nicht von selbst über das Land hereinbrechen, jeder einzelne ist gefragt!"












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Copyright © Passauer Neue Presse 2012
Dokument erstellt am 2012-02-20 02:04:53
Letzte Änderung am 2012-02-21 10:21:23






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