von Christoph Seidl
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Die Ehefrau von Klaus L. (kl. Bild) starb in diesem Kleintransporter auf der B12. | Fotos: Jahns/Berthold Veh (Augsburger Allgemeine)
Die Ehefrau von Klaus L. (kl. Bild) starb in diesem Kleintransporter auf der B12. - Fotos: Jahns/Berthold Veh (Augsburger Allgemeine)
Es war einer der schlimmsten Unfälle seit Jahren auf der B 12: Drei Menschen starben am 12. Mai 2011 nach einem verheerenden Zusammenstoß nahe Freyung. Nur Klaus L. überlebte. Doch der 72-Jährige leidet noch heute an den Folgen des Schicksalsschlages, an dem er keine Schuld trägt. Und empfindet dennoch Dankbarkeit.
Ob er ihn hasst? Klaus L. überlegt nicht lange. "Neutral", sagt der 72-Jährige, "meine Gefühle sind neutral. Natürlich habe ich nicht die beste Meinung von ihm. Aber er ist genug gestraft, er ist gestorben. Dabei hätte er doch noch das ganze Leben vor sich gehabt. Verbittert bin ich nicht. Man muss akzeptieren, dass das Leben weitergeht."
Er, das ist ein 23-Jähriger aus der Marktgemeinde Röhrnbach, der am 12. Mai 2011 gegen 14.40 Uhr einen Audi A4 steuerte, als er auf der regennassen B 12 bei Aigenstadl auf die Gegenfahrbahn geriet. Ein Gutachter errechnete später, dass er mindestens 160 km/h fuhr, anfangs war sogar von Tempo 180 bis 200 die Rede. Der Audi stieß mit einem Kleintransporter zusammen, den Klaus L. steuerte, dessen Frau auf der Beifahrerseite saß. Die Wucht des Aufpralls war so gewaltig, dass der Audi in mehrere Teile zerriss. Die Schuldfrage war eindeutig.
Ein Schrei als letzte Erinnerung
"Das einzige, an das ich mich erinnern kann, war, dass meine Frau geschrien hat. Dann war's vorbei." Dann verlor Klaus L. das Bewusstsein, aus dem er nur kurz aufwachte, als die Feuerwehr ihn aus dem Wrack schnitt. Der Schrei seiner Frau ist die letzte Erinnerung an Ingrid L., wenig später erlag die 69-Jährige ihren schweren Verletzungen im Klinikum Deggendorf. Der 23-Jährige starb noch an der Unfallstelle, ein Cousin zweiten Grades, der mit im Audi saß, wenige Stunden später im Klinikum Passau. Er war 16 Jahre alt.
Wenn man so will, hatte Klaus L. Glück im Unglück. Er war der einzige Überlebende dieses HorrorUnfalls. Und der pensionierte Bahnbeamte hat seinen Weg in den Alltag zurückgefunden. Auch wenn er die Folgen dieses Unfalls ein Leben lang spüren wird.
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