Plattling | 06.04.2011 | 11:40 Uhr
Hintergrund: Chronik des Disko-Brands
von Gregor Wolf
Lesenswert (2)28. September 2010: Der Discopark Plattling ("MGM") brennt lichterloh. Kurz vor 9 Uhr entdecken Arbeiter einer benachbarten Firma Rauch über dem Gebäudekomplex. Rund 120 Feuerwehrleute rücken zur Brandbekämpfung an. Größtes Problem: Wegen der Photovoltaik-Anlage auf dem Dach steigt giftiger Rauch auf. Zum Glück zieht dieser in Richtung unbebautes Gebiet. Die Polizei geht schon anfangs von Brandstiftung aus. Bestärkt wird dieser Verdacht dadurch, dass an drei Stellen gleichzeitig Feuer ausgebrochen ist. Die Beamten rufen die Bevölkerung auf, Hinweise zu geben. Der mutmaßliche Täter soll zwischen 7.30 und 8.30 Uhr zugeschlagen haben. Disko-Betreiber Max R. sagt der PNP: "Ich bin völlig fertig."
29. September 2010: Da die Isolierung des Daches beständig weiterbrennt, demontieren Feuerwehr und Bergwacht über 550 Photovoltaik-Elemente. Danach konnte die Isolierung gelöscht werden. Das Landratsamt untersagt ein Betreten der Teildisko "Peter Pan". Grund: "Absolute Einsturzgefahr. Es besteht Lebensgefahr."

Fahndungsplakat | Polizei
Fahndungsplakat der Polizei zum Brand in der Disco "MGM" - Polizei
22. Oktober 2010: Die Polizei bestätigt endgültig, dass ein Brandstifter am Werk war. Klar ist mittlerweile auch, dass die Brandmeldeanlage nicht ausgelöst hat. Da sich bis jetzt keine Zeugen gemeldet haben, setzt die Versicherung des Disko-Betreibers eine Belohnung in Höhe von 10.000 Euro für klärende Hinweise aus (siehe Fahndungsplakat links).
2. Dezember 2011: Die Polizei nimmt einen mutmaßlichen Brandstifter fest.
3. Dezember 2011: Die PNP meldet, dass Disko-Betreiber Max R. in Untersuchungshaft genommen wurde. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Gastronomen vor, den vermeintlichen Täter beauftragt zu haben, den Brand zu legen. Belastet wird R. vom vorher festgenommenen mutmaßlichen Täter.
18. Januar 2011: Gegen Kaution wird Max R. aus der Justizvollzugsanstalt Landshut entlassen. Über die Höhe der Kaution gibt die Staatsanwaltschaft keine Auskunft. R. wird auferlegt, sich regelmäßig bei der Behörde zu melden, seinen Pass muss er abgeben.
6. April 2011: Die Staatsanwaltschaft teilt in einer Pressemitteilung mit, dass gegen Max R. und einen seiner ehemaligen Mitarbeiter Anklage erhoben wurde.
10. Juni 2011: Das Landgericht Deggendorf kündigt an, dass der Prozess gegen Max R. und seinen Ex-Mitarbeiter am 21. Juli beginnen wird. Das Verfahren ist zunächst auf drei Verhandlungstage angesetzt.
21. Juli 2011: Beim ersten Prozesstag im Landgericht Deggendorf bestreiten die beiden Angeklagten die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft. Disko-Chef Max R. lässt sich von Star-Anwalt Sewarion Kirkitadse vertreten.
25. Juli 2011: Am zweiten Prozesstag erklärte sich MGM-Chef Max R. zur Aussage bereit und entlastete dabei auch Mitangeklagten Stephan D. Keiner von beiden hätte ein Motiv zur Tat gehabt, da sie sowohl finanziell vom MGM profitierten als auch ideell an der Disko hingen.
28. Juli 2011: Das Verfahren endet mit einem doppelten Freispruch. Gegen D. gebe es zwar Indizien, so das Gericht; doch zweifelsfrei anlasten lasse sich ihm die Brandstiftung nicht. "Im Fall Max R. können wir keine belastenden Tatsachen festsellen", so der Vorsitzende Richter. Der Betreiber habe nicht einmal ein Motiv gehabt, da seine Finanzen in Ordnung seien.
Der Discopark Plattling
Seit 1996 betrieb Max R. den Discopark Plattling. Dieser wurde beständig erweitert und modernisiert. Zuletzt gab es neben der Hauptdisco "MGM" noch den Rockclub "Peter Pan", die Elektro-Area "Babies", den Ü30-Bereich "Mausefalle", den Club "A92", ein Restaurant und einen Barbereich im amerikanischen Stil. Damit war der Discopark eine der größten Diskotheken im Freistaat. Im Jahr 2005 kaufte Max R. das Disko-Stockwerk im mittlerweile insolventen LunaPark.



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