

von Katrin Schreiber
Lesenswert (0)Felix ist geistig leicht verzögert, sein Kumpel Korbinian ist Regelschüler. In der 1a an der Grundschule Theodor Eckert fühlen sich beide sichtlich wohl. Genauso wie vier weitere Kinder mit Behinderung und weitere 18 ohne. Diese 1a ist im Landkreis Deggendorf die erste inklusiv geführte Klasse − und Schulamt, Schulleiter, Lehrerinnen und Eltern sind nach dem ersten Halbjahr absolut begeistert von dem Konzept.
Artikel 24 der UN-Behindertenrechtskonvention fordert inklusive Bildung: Jedes behinderte Kind hat demnach das Recht auf einen Platz in der Regelschule. Die Stadt und die Lebenshilfe Deggendorf haben das schon im Schuljahr 2010/2011 zum Teil umgesetzt: In einer so genannten Partnerklasse wurden neun Kinder von der St.-Notker-Schule für den Unterricht in bestimmten Fächern − Kunst, Musik und Sport − zur Theodor-Eckert-Schule gebracht. Diese Kinder sind jetzt in der zweiten Klasse, in der sie genauso weitermachen.
Mit dem neuen Schuljahr ist man noch einen Schritt weiter gegangen: Die Erstklässler, deren Eltern sich ausdrücklich dafür entschieden haben, verbringen den gesamten Vormittag und damit den Unterricht in allen Fächern zusammen. Die insgesamt 24 Schüler werden von vier Erwachsenen betreut: von Grundschullehrerin Kathrin Glasschröder, Sonderschullehrerin Eva Kallmünzer, einer Kinderpflegerin und einer Erzieherpraktikantin. Es gibt zwei verschiedene Lehrpläne und am Ende des Schuljahres bekommen die Kinder zweierlei Zeugnisse, die je nachdem von der Theodor-Eckert- oder der St.-Notker-Schule ausgestellt sind. Deren Träger, die Lebenshilfe, unterstützt die Stadt dabei auch finanziell und mit zusätzlicher Ausstattung − und nur so konnte man diesen "Deggendorfer Weg" gehen. Denn hätte man sich nach den Vorschlägen des Kultusministeriums gerichtet, müsste die Stadt allein den Aufwand tragen, es gäbe weder eine Kinderpflegerin, noch eine Praktikantin, noch ein bunt eingerichtetes zweites Klassenzimmer mit Tischen, Spiel- und Sitzbereichen für die 1a. "Wir sind sehr dankbar für den Platz und für unser Viererteam", sagt Kathrin Glasschröder. Nicht nur die Kinder lernen von- und miteinander, sondern auch die unterschiedlich ausgebildeten Lehrerinnen profitieren stark davon. "Wir sind im ständigen Austausch" − für Kathrin Glasschröder eine echte Bereicherung.
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