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Südostbayerisches Städtetheater - Spielplan mit Kontinuität und Überraschungen
Für Johannes Reitmeier ist es die letzte Saison am Südostbayerischen Städtetheater. Am Ende der Spielzeit 2001/2002 geht er als Intendant an das Pfalztheater in Kaiserslautern. Der kommende Spielplan steht schon lange fest. Hätte er anders geplant, wenn er gewusst hätte, dass dies seine Abschiedssaison für Landshut, Straubing und Passau ist? "Ja und nein". Reitmeier schmunzelt. "Der Spielplan ist ein sehr typischer für mich. Die Auswahl der Stücke steht in der Kontinuität der letzten fünf Spielzeiten. Und doch: Das eine oder andere Stück hätte ich noch gerne hier gemacht, zum Beispiel eine neue ,Zauberflöte' oder ein sehr persönliches Wunschstück von mir Shakespeares ,König Lear'."
Endzeitstimmung will der Intendant, der übrigens schon einen Spielplan für die übernächste Saison im Kopf hatte, jedoch nicht aufkommen lassen. Der reguläre Spielbetrieb hat ohne Aufregung und Hektik begonnen.In Passau startet die Saison am 29. September mit einem absoluten Glanzlicht: der Operette "Wiener Frauen" von Franz Lehár. Konkreter Anlass dieses lange vergessenen Erstlingswerk Lehárs ist der 100. Geburtstag dieser Operette. Und: Der Komponist hat sie während eines Kuraufenthalts in Hals geschaffen. "Diese Operette ist völlig zu Unrecht in Vergessenheit geraten. Sie ist ein musikalischer Schatz, den es zu heben gilt", so Reitmeier, der auch die Regie übernommen hat. Beim Musiktheater wird der zweite Posten mit einer großen Gala zum Verdi-Jahr besetzt, die Teil des Abonnements ist, was neu ist. Es wird sich der neue Tenor am Haus vorstellen, Satoshi Mizuguchi aus Japan. Als Gäste mit dabei Michel Larue und Piroska Pándy. Ex-Generalmusikdirektor Roger Boggasch wird die Gala dirigieren. Ein Höhepunkt ist sicherlich mit Bizets "Carmen" zu erwarten. Der Hofer Intendant Uwe Drechsel führt Regie. Stefanie Rhaue singt die Titelpartie. Basil Coleman stellt sich als kommissarischer Leiter des Musiktheaters mit dieser Produktion vor.
Um die kühnsten Schönen der Welt geht es in Leo Falls Operette "Die Dollarprinzessin". "Ich habe bewusst ein anderes Genre als die Wiener Operette gewählt, um Kontrast zu Lehár zu bieten", meint Reitmeier. Choreografin Petra Schulz wird hier ihr Regiedebüt geben. Wie's einem Mann in reifen Jahren ergeht, der um ein junges Weibchen freit, zeigt der Klassiker der Komischen Oper: Donizettis "Don Pasquale", den Benjamin Sahler inszeniert.
Dem Südostbayerischen Städtetheater gelang es, die Rechte zur Erstaufführung der neuen deutschen Fassung von Mozarts " Il Re Pastore" (Der König als Hirte) von der Alkor-Edition im Bärenreiter-Verlag zu bekommen. Dietmar Zerwes führt Regie.Hochkarätiges gibt es auch in der Konzertreihe, die zwei Konzerte zusammen mit dem Europäischen Jugend-Musik-Festival gestaltet, bei denen u. a. George Gershwins "Ein Amerikaner in Paris" sowie Beethovens "Eroica" erklingen werden. Basil Coleman, der ein Musicalspezialist ist, wird Highlights aus den großen Musicalerfolgen unter dem Motto "That's Entertainment" vorstellen. Die Reihe Kammermusik im Foyer stellt Werke von Mozart, Opernphrasen und Serenaden von Mozart und Strawinsky vor. Das "Familienkonzert" bringt Musik aus Engelbert Humperdincks "Hänsel und Gretel". Tradition hat das Faschingskonzert, dem Musikdirektor Coleman sicherlich ein anderes Gepräge verleihen wird wie Roger Boggasch. Der Abschluss der Konzertsaison ist zwischen Romantik und Spätromantik angesiedelt mit einem Sinfoniekonzert mit Werken von Brahms, Elgar und Reuß. Die Schauspielsaison startet heiter. Der Hofer Musikdirektor als Regisseur: Roger Boggasch erfüllt sich mit einer Regiearbeit einen Herzenswunsch. Der Berliner inszeniert die Berliner Posse "Pension Schöller", die gespickt ist mit Situationswitz und Sprachkomik. Mit dem berühmtesten der deutschen Lustspiele geht es weiter: Heinrich von Kleists "Der zerbrochene Krug" war seit einer grandiosen Schlette-Inszenierung am Südostbayerischen Städtetheater nicht mehr zu sehen. Die Inszenierung liegt in den Händen von Oliver Haffner. Klemens Neuwirth spielt den Dorfrichter Adam. Erstmals wird der amerikanische Autor Tennessee Williams am Städtetheater gezeigt. Thomas Krauß inszeniert "Die Glasmenagerie", die den Weltruhm des Dramatikers begründete. Als Sensation gewertet werden darf die deutsche Erstaufführung von Felix Mitterers "Das Fest der Krokodile", das der künftige Intendant Stefan Tilch inszeniert. Johannes Reitmeier dazu: "Für das Haus ist diese Erstaufführung außerordentlich, zumal es nicht ein typisches Volksstück ist, sondern eher ungewöhnlich, ein sehr skurriler Mitterer". Das russische Drama, das am deutschen Theater ohnehin nicht en vogue ist und in Passau lange nicht vertreten war, soll nicht vergessen werden, meint Reitmeier. Mit Maxim Gorkis "Wassa Schelesnowa" werden zwei starke Frauen aus Russland vorgestellt. Reitmeier gelang es, einen sehr erfahrenen Theatermann für die Regie zu gewinnen, Friedo Solter, der lange Zeit am Deutschen Theater in Berlin tätig war. Mit Marieluise Fleißers Volksstück "Der starke Stamm" wird die Saison beendet. Äußerst gefragt sind die Kinderstücke: Mit Paul Maars "Eine Woche voller Samstage" wird ein Klassiker geboten. Zusätzlich gibt es eine Studioproduktion für Kinder, das Janosch-Musical "Oh wie schön ist Panama". Weitere Studioproduktionen sind "Shakespeare sämtliche Werke (leicht gekürzt)", Manuel Pigs "Der Kuss der Spinnenfrau" und Esther Vilars "EiferSucht", ein Drama für drei Faxmaschinen. Aus der vergangenen Saison wird "Die da!" übernommen. Der Spielplan bietet eine bewährte Mischung von Klassiker und Neuem - und doch auch etwas, das gegen den Mainstream an den deutschen Theatern läuft. Wer gräbt heute noch Erstlingswerke aus, spielt schwer verdauliche Russen, verstärkt das Kindertheater und wagt mehrere Studioproduktionen? Doch erst das macht einen Spielplan wirklich spannend. Besuchen Sie auch die Theaterlinkliste von PNP-Online. Rezensionen: Wiener Frauen von Léhar: Edith Rabenstein und Imme Oldenburg für PNP-Online |
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