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Internet-Liebe: „Starboy“ trifft „Supergirl“
Simone (16) und Johannes (18) lernten sich vor zwei Jahren beim Chatten kennen - Treffen nach zwei Monaten
Aidenbach. Am 8. März haben Simone (16) und Johannes (18) etwas zu feiern. Sie sind seit zwei Jahren ein Paar. Ungewöhnlich lange, finden sie - zumindest für den Weg, auf dem sie sich kennen gelernt haben: übers Internet. "Starboy" klickt auf "Supergirl" - damit hat alles angefangen. Als Johannes, Schüler am Gymnasium in Landau, sich vor zwei Jahren unter dem Nickname (Spitzname) "Starboy" in den Bayern 3-Chat einloggte, wollte er eigentlich nur "mal schaun, was so los ist", unverbindlich mit ein paar Leuten aus ganz Bayern ratschen. Auf der Liste der Chatter entdeckt er "Supergirl". Ihm gefällt der Name, und er spricht "Supergirl" an. "Supergirl" Simone, Realschülerin aus Aidenbach, hatte sich auf Empfehlung einer Freundin in den selben Chatroom eingeloggt. Auch sie wollte das Medium einfach mal ausprobieren, um Leute kennen zu lernen. Dass sie Internet-Bekanntschaften mit Vorsicht genießen solle, hatte die Freundin Simone auch geraten. Aber "Starboy" machte auf "Supergirl" gleich einen vertrauenserweckenden Eindruck: "Er war total offen", erinnert sie sich. "Über den Charakter erfährt man im Chat leichter was als zum Beispiel in der Kneipe", findet Johannes. "Da lenkt das Aussehen nicht ab." Wenn man länger mit jemand chatte, merke man auch, ob der die Wahrheit erzählt. "Supergirl" und "Starboy" sind sich an diesem Nachmittag so sympathisch, dass sie sich für den Abend gleich wieder im Chat verabreden. "Wir haben beide damals schon geahnt, dass mehr draus wird", meint Simone. Sonst hätte sich "Starboy" wohl abends auch nicht mehr gemeldet. Am selben Abend tauschen die beiden Handynummern und E-mail-Adressen aus. Am selben Abend stellt "Supergirl" auch die Frage: "Bist Du auf der Suche nach einer Freundin?" - "Starboy"'s Antwort: "Ja." Von da an chatten, smsen, mailen die beiden sich. Erzählen sich von der Schule, wenn die Eltern nerven, was sie den ganzen Tag tun. Sie lernen sich kennen, finden sich von Mal zu Mal sympathischer. Wie der andere aussieht, oder wie sich seine Stimme anhört, wissen sie immer noch nicht. Nach fast zwei Wochen schließlich der nächste Schritt: "Starboy", jetzt Johannes, verabredet sich mit "Supergirl", jetzt Simone, zum Telefonieren. "Gscheid aufgregt war ich, und total gespannt, wie sie sich anhört", erzählt er. An das Kompliment am Ende des zweistündigen Telefonats kann sich Simone heute noch erinnern: "Du hast eine glockenhelle Stimme." 37 Kilometer wohnen Simone und Johannes auseinander, mobil ist keiner der beiden. So vergehen weitere zwei Monate, bis sich die beiden zum ersten Mal sehen. Denn dass sie ein Paar sind - als solches empfinden sie sich damals bereits - dürfen die Eltern lange nicht wissen. Simone rechnet mit einem Donnerwetter: "Ich war ja erst 14. Aber vor allem waren meine Eltern total gegen Chat-Bekanntschaften." Daran war unter anderem eine Geschichte Schuld, die in Aidenbach die Runde machte: Ein Mädchen habe übers Internet jemanden kennen gelernt, der sie jetzt regelrecht verfolge. So telefoniert Simone zwei Monate lang immer mit einer neuen Freundin namens "Andrea" - schließlich muss sie die hohen Telefonrechnungen erklären. Doch die Mama merkt, dass mit Simone "irgendwas nicht stimmt", und bohrt so lange, bis die Tochter mit der ganzen Sache raus rückt. Die Reaktion der Mama nach der ersten Aufregung: "Einen Versuch ist's wert." Aber sie besteht darauf, dass sie beim ersten Treffen dabei ist. Und so sitzen Mutter und Tochter an einem Nachmittag Mitte Mai auf einer Bank auf Pfarrkirchens Stadtplatz und warten auf Johannes. "Die Mama hatte mehr Herzklopfen als ich", lacht Simone. Ein Erkennungszeichen brauchen die beiden nicht - Fotos haben sie bereits mit den Osterpäckchen ausgetauscht. "Ich war ganz begeistert: Er sah noch viel sympathischer aus, als ich ihn mir vorgestellt hatte." Auch die Mama ist beruhigt, als sie Johannes kennen lernt, und sie lässt die beiden allein. Johannes, wieder "gscheid aufgregt", lädt Simone zum Eisessen ein . . . und von da an ist die Geschichte von "Supergirl" und "Starboy" eine Liebesgeschichte wie jede andere - oder? "Es ist schon was Besonderes, wenn eine Chat-Beziehung so lang hält", findet Johannes. Am 8. März feiern die beiden ihren zweiten Jahrestag. Mittlerweile können sie sich dank Johannes' Führerschein jedes Wochenende sehen. Trotzdem treffen sie sich noch regelmäßig im Chat. Und sind dann wieder "Supergirl" und "Starboy". Friederike Harzer für PNP-Online |
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