von Alois Schießl und Katrin Schreiber
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Nur nach einem Studium gibt's diese Urkunde: Gregor Biletzki, Kanzler der Hochschule Deggendorf, zeigt das Dokument, das den Bachelor-Abschluss dokumentiert. | Foto: Schreiber
Nur nach einem Studium gibt's diese Urkunde: Gregor Biletzki, Kanzler der Hochschule Deggendorf, zeigt das Dokument, das den Bachelor-Abschluss dokumentiert. - Foto: Schreiber
Die von Bund, Ländern und Sozialpartnern am vergangenen Dienstag getroffene Entscheidung, Meister-, Fachwirte- und Fachschulabschlüsse der Bachelor-Qualifikation gleichzusetzen, schlägt hohe Wellen. Während dies die Wirtschaftskammern sowie Meisterschüler und Meister einen "notwendigen, gerechtfertigten und längst überfälligen Schritt" nennen, sprechen viele Studenten von einem "Schlag ins Gesicht" und einer "Abwertung des Studiums". Unterschiedlich fällt die Reaktion in den Betrieben aus.
Auf pnp.de und der Facebook-Fanseite der Passauer Neuen Presse ist ein heftiger Streit über Für und Wider der Gleichwertigkeit von Meister- und Bachelorqualifikation ausgebrochen. Vor allem darüber, ob nun ein Studium schwerer als eine Meisterausbildung ist oder nicht.
Keine gleiche Bezahlung für Meister und Bachelor
"Darum geht es aber nicht", sagt Kurt Negele, der bei der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz die berufliche Bildung leitet. "Es geht darum, dass in Europa der Meister, der in den meisten Ländern nicht bekannt ist, entsprechend anerkannt wird", so Negele. In Deutschland bedeute die Gleichstellung im Qualifikationsrahmen nicht, dass Meister und Bachelor etwa gleich bezahlt werden müssten. Gleichwohl sei die Neuregelung ein wichtiger Schritt zur Anerkennung hoher praktischer Leistungsfähigkeit.
Dr. Andrea Bör, Kanzlerin der Universität Passau, sieht in der Gleichstellung von Bachelor und Meister eine hohe Symbolkraft. In der Debatte um die Neuregelung des Deutschen Qualifikationsrahmens sollte aber nicht untergehen, dass die berufliche und die akademische Ausbildung unterschiedliche Kompetenzen vermittelten. Prof. Reinhard Höpfl, Präsident der Hochschule Deggendorf, wollte sich nicht festlegen.
Meister finden Gleichstellung gerechtfertigt
Dies taten dagegen Meisterschüler, die die PNP am Bildungszentrum der Handwerkskammer in Passau befragte. Stine Kreische (22) aus Neuhaus am Inn, bildet sich gerade zur Schreinermeisterin weiter. Sie sagt: "Die Meisterausbildung, die ja bereits einen erfolgreichen Gesellenabschluss voraussetzt, ist nicht nur schwer, sie verschafft vor allem hohes zusätzliches praktisches Können − und warum soll dies schlechter gestellt sein als ein hohes theoretisches?" Hans Eder (21), Ortenburg, der ebenfalls Schreinermeister werden will, pflichtet ihr bei. Die Gleichstellung von Meister und Bachelor sei durchaus gerechtfertigt − wer Meister sei, der habe nicht nur eine Kompetenz, sondern mehrere; sogar das Rüstzeug zur Betriebsführung.
Großen Gegenwind gegen den neuen Qualifikationsrahmen gibt es dagegen aus weiten Kreisen der Studentenschaft und der Hochschulabsolventen, wie im Internet ersichtlich ist. "Schockiert" zeigten sich von der PNP befragte Studenten und Absolventen der Hochschule Deggendorf. Franz Kaiser hat 2010 in Deggendorf den Bachelor-Abschluss in Mechatronik gemacht und ist seitdem selbstständiger Ingenieur. Gleichzeitig arbeitet er an seinem Master. "Die Gleichstellung ist ungerecht. Es stellt sich die Frage, ob es sich überhaupt noch rentiert, zu studieren", sagt er.
Weitere Stimmen von Verbänden, Meisteranwärtern, Studenten und Wirtschaftsvertretern lesen Sie in Ihrer Ausgabe der Passauer Neuen Presse (Heimatwirtschaft Niederbayern) vom. 4. Februar oder HIER.
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