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03.12.2012  |  21:14 Uhr

Politik macht Druck: DFL soll Sicherheitskonzept beschließen

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Hannover - Wolfgang Niersbach fühlte sich sichtlich unwohl in seiner Haut. Immer wieder verzog der DFB-Präsident in Hannover das Gesicht, als Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) und dessen NRW-Kollege Ralf Jäger (SPD) dem deutschen Fußball verbal einheizten.

"DFB und DFL haben uns ihre Vorschläge vorgelegt. Ich sage ganz offen: Wir hätten uns mehr vorstellen können", sagte Jäger nach dem Sicherheitsgipfel mit den Spitzen von DFL und DFB.

Unmissverständlich gaben die Politiker Niersbach und Ligapräsident Reinhard Rauball ihre Forderungen mit auf den Weg, die vor allem der Deutschen Fußball Liga (DFL) ein Dilemma beschert. "Für die Innenministerkonferenz ist es absolut entscheidend, dass die Liga auf ihrer Mitgliederversammlung am 12. Dezember ein klares Konzept beschließt und dass sich auch alle Vereine daran halten", mahnte Schünemann, der am 1. Januar den Vorsitz der Innenministerkonferenz übernehmen wird.

Rauball wies demonstrativ darauf hin, dass in Hannover "keine Beschlüsse" gefasst wurden. "Wir müssen sehen, dass wir am 12. Dezember zu einer Beschlusslage kommen", sagte er vorsichtig. "Wir lassen uns von der Politik nicht treiben." In dem Moment konnten sich Schünemann und Jäger ein Schmunzeln nicht verkneifen.

Sollte kommende Woche das umstrittene Konzept "Sicheres Stadionerlebnis" nicht beschlossen werden, soll es den Clubs an den Geldbeutel gehen: "Dann werden wir uns auch unterhalten müssen über Kostenbeteiligung im Bereich der Polizei."

Zur Finanzierung machte auch Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier einen Vorschlag. Er will die Fans an den Kosten von Polizeieinsätzen beteiligen. "Ich empfehle die Einführung eines ,Sicherheits-Euro' durch die Vereine. Das heißt: Jeder Fan bezahlt freiwillig einen Euro mehr als die Karte normalerweise kostet", sagte der CDU-Politiker der "Bild"-Zeitung. "Dieser Euro geht dann in die Gewalt-Prävention oder wird benutzt als Unterstützung von Maßnahmen der Polizei."

Sein Parteifreund Schünemann, der sich gerade mitten im Wahlkampf auf die Landtagswahl in Niedersachsen im kommenden Monat befindet, drohte mit der Ausweitung von Polizeieinsätzen. "Für uns ist völlig klar, dass wir es nicht akzeptieren, wenn es nicht zu einer klaren Sicherheit in den Stadien kommt", sagte er.

In den kommenden Tagen stehen für die DFL nun intensive Gespräche mit den Proficlubs an. Die haben das Problem, dass die Fans gegen das Sicherheitskonzept Sturm laufen. In der vergangenen Woche gab es in allen Stadien in Deutschland stummen Protest. Für den nächsten Spieltag am kommenden Wochenende wollen die Anhänger noch einmal zu Beginn aller Spiele schweigen.

Es ist durchaus möglich, dass der Protest der Fans angesichts der Forderungen der Innenminister noch heftiger ausfällt. Wenn es nach Schünemann und Jäger ginge, soll es künftig bei allen Risikospielen stichpunktartige Ganzkörperkontrollen geben - so wie am 10. November bei der Bundesligapartie Bayern München gegen Eintracht Frankfurt. Von den Anhängern war dies als Provokation empfunden worden. "Da können wir keine Rücksicht darauf nehmen", sagte Schünemann.

Zudem forderten die Politiker mehr und bessere Videotechnik, eine bessere Qualifikation der Ordner und die schnellere Verurteilung von Gewalttätern. "Der Staatsanwalt gehört ins Stadion und nach meiner Ansicht nach auch der Richter. Damit es so schnell wie möglich zu Verurteilungen und Stadienverboten kommt", sagte Schünemann.

Bei vielen dieser Ausführungen zuckte Niersbach zusammen. Der DFB-Präsident wich den Fragen nach der Umsetzbarkeit dieser Forderungen aus und verwies auf den Zug, der ihn schnell weg aus Hannover befördern solle. "Wir gehen nicht ins Detail. Wir warten die Mitgliederversammlung ab. Dann kann man über einzelne Details sprechen. Vorher nicht", sagte Niersbach und entschwand.

Immerhin in einem Punkt konnten sich die Parteien verständigen. Die DFL stellte in Aussicht, ihren Anteil an präventiven Maßnahmen wie Fanprojekten um zehn Millionen Euro zu erhöhen. Gleichzeitig erklärten sich die Innenminister bereit, nicht wie angedroht die staatlichen Mittel in diesem Bereich zu kürzen.

Bei einer weiteren sicherheitsrelevanten Diskussion beklagte die Deutsche Bahn bei der An- und Abreise von Fans immer häufiger Ausschreitungen und Zwischenfälle auf Bahnhöfen und in Zügen - und nahm ebenfalls Politik und Verbände in die Pflicht. Mit mehr bereitgestellten Fanzügen soll diesem Problem entgegengewirkt werden. Das vereinbarten Vertreter von Vereinen und Verbänden, der Polizei, der Politik sowie der Deutschen Bahn in Frankfurt am Main.

"Wir haben den Fußballfans Angebote gemacht, mit denen vielen möglichen Konflikten in unseren Zügen und Bahnhöfen vorgebeugt werden soll", sagte Bahn-Vorstand Gerd Becht. "Wir wollen unseren Beitrag dazu leisten, doch auch die Vereine, DFL und DFB müssen Verantwortung übernehmen."








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